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Ukraine-Krieg trifft auch die Tafel in Ludwigsburg

Anne Schneider-Müller und Horst Krank gehen nach viele erfolgreichen Jahren für die Tafel in den Ruhestand. Foto: Ramona Theiss
Anne Schneider-Müller und Horst Krank gehen nach viele erfolgreichen Jahren für die Tafel in den Ruhestand. Foto: Ramona Theiss
Strom, Sprit, Lebensmittel: Alles wird teurer. Das merken auch die Tafeln. In Ludwigsburg registriert die Tafel seit einigen Wochen eine ansteigende Zahl von Kunden. „Das sind Menschen, die sich normale Preise im Supermarkt einfach nicht mehr leisten können“, sagt Ludwigstafel-Geschäftsführerin Anne Schneider-Müller.

Ludwigsburg. Nicht nur, dass täglich mehr Kunden kommen. „Die Kunden kommen auch öfter pro Woche“, stellt Schneider-Müller fest. Dabei falle dies nicht jedem leicht. „Kürzlich kam eine Frau in den Laden, die sagte: ‚Ich schäm‘ mich so!‘“

„Unsere Kunden sind froh, wenn sie die Stromrechnung zahlen können.“

Als die Ludwigstafel vor 24 Jahren gegründet wurde, war der Grundgedanke, Menschen, die ohnehin noch so viel Geld haben, beim Lebensmitteleinkauf zu entlasten, um ihren soziale Teilhabe zu ermöglichen, erläutert der Vorsitzende der Ludwigstafel, Horst Krank. „Wir wollten, dass auch diese Familien mit ihren Kindern mal ins Kino oder Freibad gehen können.“ Doch darum gehe es inzwischen nicht mehr. „Unsere Kunden sind froh, wenn sie die Stromrechnung zahlen können. Da ist alles spitz auf Knopf gerechnet.“ Die aktuellen Preissteigerungen könnten von den Tafel-Kunden nur schwer kompensiert werden.

Die Ukraine-Krise verschärft die Situation. „Wir bekommen weniger Lebensmittelspenden als üblich. Spendenströme gehen woanders hin“, sagt Udo Engelhardt, Vorstandsmitglied des Landesverbandes der Tafeln Baden-Württemberg. Er gehe davon aus, dass die Menschen zurzeit eher für die Ukraine statt für die Tafeln spenden. „Wobei wir das überhaupt nicht in Frage stellen.“

Erste Flüchtlinge aus der Ukraine bei der Tafel

Inzwischen sind auch die ersten Ukraine-Flüchtlinge zur Tafel gekommen. „Vergangene Woche waren es 32 Frauen mit Kindern“, so die Geschäftsführerin. In den nächsten Wochen erwartet sie einen deutlichen Anstieg aus diesem Personenkreis. „Wir könne nur hoffen, dass wir nach wie vor ausreichend Lebensmittel bekommen.“ Öl, Mehl, Eier - auch das ist bei der Ludwigstafel knapp. „Dabei sind wir eine Tafel, die noch relativ viel Ware hat.“ Und dank der vielseitigen Unterstützung könne man so manche Lücke schließen. „Während der Pandemie gab es viele Privatleute, die beim Discounter den Kofferraum voll geladen haben und damit zu uns gekommen sind. Daraus haben sich viele neue Spender entwickelt“, freut sich Anne Schneider-Müller. Nicht zu vergessen die jahrelange Unterstützung durch Serviceclubs wie Rotary und Lions aber auch Firmen in der Region.

Ludwigstafel koordiniert Spenden auch für andere Tafeln

Die Geschäftsführerin erinnert sich noch gut an ihre Anfangszeit bei der Tafel, die damals noch ihren Laden in der Lindenstraße hatte. Klein und eng ging es dort zu. Inzwischen hat die Tafel in der Saarstraße 25 eine 200 Quadratmeter große Verkaufsfläche bezogen und nutzt über 800 Quadratmeter Lager. „Alles, was hier ist, ist durch Spenden und Stiftungen gewachsen“, sagt Horst Krank. Die Ludwigstafel ist eine Verteilertafel geworden, koordiniert Spenden auch für andere Tafeln und übernimmt die Logistik für Tafeln im Rems-Murr-Kreis sowie im Kreis Heilbronn.

Anne Schneider-Müller und Horst Krank gehen in den Ruhestand

Ende März verabschieden sich Anne Schneider-Müller und Horst Krank in den Ruhestand. Die Arbeit in der Tafel wird weitergehen. Ulrike Bötcher wird dann die Geschäftsführung übernehmen. Die Sozialarbeiter war zuvor auf der Karlshöhe beschäftigt. Das Amt der Vorsitzenden tritt Uschi Eberwein an, die bis zuletzt im Haus auf der Wart der Karlshöhe tätig.

Mit Unterstützung der Tafel zum Abitur

Es sind viele Momente, die in Erinnerung bleiben werden, sagt Schneider-Müller, aber eine berührt sie ganz besonders: „Ich erinnere mich an eine Frau, die über viele Jahre zur Tafel kam und auch immer noch kommt. Eines Tages hat sie mir ganz stolz erzählt, dass ihr Sohn Abitur gemacht hat und nun studiert, und dass das ohne die Tafel nicht möglich gewesen wäre.“

Am Ende seien es auch die vielen Ehrenamtlichen, ohne die ein so großer Tafel-Betrieb wie der in Ludwigsburg nicht aufrechterhalten werden könne. „Das Hauptamt ist nur dazu da, das Ehrenamt zu stützen“, sagt Krank.