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Ungewohnte Einblicke ins Freibad

Eine kleine Tropfsteinhöhle wurde in Ludwigsburg entdeckt. Sie befindet sich im Röhrenlabyrinth des Freibads. Etwa ein Dutzend Stalaktiten hängen von einer Wasserleitung. Am Freitag zeigte die Badleiterin Silvia Capalija einer Besuchergruppe, was hier gerade sonst so alles läuft.

Zu Fuß im Schwimmbecken: Die einen kontrollieren die Fliesen, die anderen staunen nur.Fotos: Holm Wolschendorf
Zu Fuß im Schwimmbecken: Die einen kontrollieren die Fliesen, die anderen staunen nur. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Der Frühjahrsputz am Otto-Konz-Weg beginnt schon Anfang März, um rechtzeitig zum Saisonbeginn am 1. Mai fertig zu sein. Im Nichtschwimmerbecken treibt eine grau-grüne Brühe. „Das Wasser bleibt den ganzen Winter über drin“, sagt Capalija. Das habe zwei Gründe. Es sorgt für den nötigen Gegendruck zum Grundwasser des nahen Neckar. Zum anderen werden dadurch die Kacheln vor Frostschäden bewahrt. Der Beckenrand ist eingerahmt von Eisdruckpolstern. 600 Stück der sieben kiloschweren „Airbags“ aus hartem Kunststoff und mit Styropor gefüllt, müssen bald entfernt und wieder eingelagert werden. In diesem Winter sei die Eisschicht 20 bis 25 Zentimeter stark gewesen. „Mich hat sie getragen“, sagt die 26-jährige Schwimmmeisterin.

Über 2000 Kilo Laub wird aus dem Wasser gefischt

Auf der Wasseroberfläche im Nichtschwimmer schwimmt obenauf jede Menge Laub. Am Boden haben sich Algen gebildet. Die Blätter werden an einer Seite gesammelt, bevor das Wasser abgelassen wird. Dann dürfen sie ein paar Tage lufttrocknen. Aus den beiden Becken wird der Stadtwerke-Mitarbeiter Roland Nickel mit seinen Kollegen am Ende rund 20 der 120-Liter-Säcke herausgefischt haben. Es ist nicht die einzige Beute. Molch, Lurch und Frosch, die in den Schwimmbecken Winterquartier genommen haben, werden von Hand eingesammelt und in einem Eimer am Neckarufer wieder ausgesetzt. Beim Planschbecken muss ein Rohrbruch behoben werden. Ein Berg aus Pflastersteinen ist aufgeschüttet.

Eine ungewohnte Perspektive eröffnet sich den 20 Teilnehmern der Führung, als sie im großen Becken stehen, das bereits abgelassen ist. Es wirkt da unten riesiger, als es ist. Capalija, deren fünfte Badesaison beginnt, zeigt Fliesenschäden, die behoben werden müssen. Jedes Jahr müssen etwa 1000 davon getauscht werden. Das dauert sechs Wochen. Bevor die Fliesenleger kommen, ist Großputz, hinterher noch einmal. Erst dann heißt es „Wasser marsch“.

Bevor das Wasser aus dem eigenen Brunnen eingelassen wird, wird sein ph-Wert von acht auf etwa sieben gesenkt. Außerdem wird es durch einen Aktivkohle-Filter gepumpt. Zwei Millionen Liter fasst das große Schwimmerbecken, eine Million Liter das Nichtschwimmerbecken. Fünf Tage dauert es, bis sie voll sind. Das passiert in der Woche vor Ostern. Dann wird gechlort und das Wasser auf 23 und 24 beziehungsweise das Planschbecken auf 27 Grad geheizt. Damit nicht zu viel Wärme verloren geht, werden die Becken abgedeckt.

Tag und Nacht wird das Wasser durch die sechs Filter gepumpt. Alle sieben Stunden ist es im großen Becken komplett umgewälzt. Dazu werden pro Badegast 80 Liter Frischwasser aus dem Brunnen zugegeben.

Unter der Erde wird das Wasser ständig gefiltert

In den Katakomben sieht es aus wie beim Teilchenbeschleuniger am Cern, nur in klein. Gelb-schwarze Markierungen an den Leitungen und Rohren geben den Rat: „Kopf einziehen.“ Capalija zeigt, wie die Wassergüte gemessen wird. Zweimal täglich von Hand, parallel dazu ständig auf digitalem Weg. Je nach Bedarf wird gechlort. 500 Kilo Chlorgas reichen für vier Wochen.

Derzeit sind fünf Mitarbeiter der Stadtwerke auf der Anlage zugange, zuzüglich der Handwerker von den Fremdfirmen. Auch die Betonplatten werden mit dem Hochdruckreiniger bearbeitet, damit der Schmutz sich nicht festsetzt. In der heißen Phase kurz vor Saisonbeginn werden es sieben Mitarbeiter sein. Dann werden noch die Umkleiden, Spinde, Duschen und Toiletten auf Hochglanz gebracht, die Sitzbänke auf dem Gelände verteilt.

Capalija ist stolz auf ihre kleine Tropfsteinhöhle. Manche Stalaktiten sind haarnadeldünn, andere stark wie eine Stricknadel. Der längste ist rund zehn Zentimeter lang. Ein Indiz, dass es an der Stelle unter Schwimmerbecken bereits seit längerem eine kleine undichte Stelle gibt. Denn so ein Tropfstein wächst langsam. „Ein Bad ist halt nie ganz dicht“, erklärt die Leiterin des Freibads.

info: Außer Montag und Donnerstag wird ab 1. Mai um 6.30 Uhr geöffnet, sonst um 9 oder 10 Uhr, je bis 20 Uhr. Am 16. August ist Vollmondschwimmen bis 23.30 Uhr. Weitere Termine: Kindernachmittag am 4. August und zum Saisonende am 21. September das Hundeschwimmen.

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