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Archäologie

Unter dem Pflaster liegt die Geschichte

Patronenhülsen, Bierflaschen, zerbrochenes Geschirr – die Ausgrabung auf dem Walcker-Areal hat überraschende Funde zum Vorschein gebracht. Neben den Überresten der Talkaserne haben die Archäologen auch andere Spuren gefunden. Stammen sie vom legendären „Jägerhaus im Tal“?

Blick über die Ausgrabung (oben links). Die Archäologen Dorothee Brenner und Frank Krämer zeigen die Funde, darunter eine barocke Ofenkachel (oben rechts) sowie Patronenhülsen (19. Jahrhundert) und eine Bierflasche. Fotos: Ramona Theiss
Blick über die Ausgrabung (oben links). Die Archäologen Dorothee Brenner und Frank Krämer zeigen die Funde, darunter eine barocke Ofenkachel (oben rechts) sowie Patronenhülsen (19. Jahrhundert) und eine Bierflasche. Foto: Ramona Theiss
Blick über die Ausgrabung (oben links). Die Archäologen Dorothee Brenner und Frank Krämer zeigen die Funde, darunter eine barocke Ofenkachel (oben rechts) sowie Patronenhülsen (19. Jahrhundert) und eine Bierflasche. Fotos: Ramona Theiss
Blick über die Ausgrabung (oben links). Die Archäologen Dorothee Brenner und Frank Krämer zeigen die Funde, darunter eine barocke Ofenkachel (oben rechts) sowie Patronenhülsen (19. Jahrhundert) und eine Bierflasche. Foto: Ramona Theiss
Blick über die Ausgrabung (oben links). Die Archäologen Dorothee Brenner und Frank Krämer zeigen die Funde, darunter eine barocke Ofenkachel (oben rechts) sowie Patronenhülsen (19. Jahrhundert) und eine Bierflasche. Fotos: Ramona Theiss
Blick über die Ausgrabung (oben links). Die Archäologen Dorothee Brenner und Frank Krämer zeigen die Funde, darunter eine barocke Ofenkachel (oben rechts) sowie Patronenhülsen (19. Jahrhundert) und eine Bierflasche. Foto: Ramona Theiss
Blick über die Ausgrabung (oben links). Die Archäologen Dorothee Brenner und Frank Krämer zeigen die Funde, darunter eine barocke Ofenkachel (oben rechts) sowie Patronenhülsen (19. Jahrhundert) und eine Bierflasche. Fotos: Ramona Theiss
Blick über die Ausgrabung (oben links). Die Archäologen Dorothee Brenner und Frank Krämer zeigen die Funde, darunter eine barocke Ofenkachel (oben rechts) sowie Patronenhülsen (19. Jahrhundert) und eine Bierflasche. Foto: Ramona Theiss
Blick über die Ausgrabung (oben links). Die Archäologen Dorothee Brenner und Frank Krämer zeigen die Funde, darunter eine barocke Ofenkachel (oben rechts) sowie Patronenhülsen (19. Jahrhundert) und eine Bierflasche. Fotos: Ramona Theiss
Blick über die Ausgrabung (oben links). Die Archäologen Dorothee Brenner und Frank Krämer zeigen die Funde, darunter eine barocke Ofenkachel (oben rechts) sowie Patronenhülsen (19. Jahrhundert) und eine Bierflasche. Foto: Ramona Theiss
Altes Kopfsteinpflaster und ein historischer Schacht.
Altes Kopfsteinpflaster und ein historischer Schacht.
Liegen hier Überreste des alten Jägerhauses? Der Fliesenboden ist bisher nicht datiert.
Liegen hier Überreste des alten Jägerhauses? Der Fliesenboden ist bisher nicht datiert.

Ludwigsburg. Nur wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche liegt die Anfangszeit der Ludwigsburger Stadtgeschichte: Mauern, Kopfsteinpflaster, Überreste von Dielenböden, Fundamente oder alte Kanäle. Seit sechs Wochen legen die Archäologen frei, was von Ludwigsburgs ältester Kaserne überdauert hat. 1736 wurde die Talkaserne errichtet. Zwischen 1969 uns 1973 wurde sie abgerissen. Da an ihrer Stelle aber nur Parkplätze und eine Spielfläche entstanden sind, gibt es für die Archäologen noch viel zu entdecken.

„Das ist eine der ersten Kasernen, die im Land gebaut wurde“, erklärt Dorothee Brenner, die zuständige Archäologin vom Landesdenkmalamt bei einem Pressetermin auf der Grabungsfläche. Erst das stehende Heer des Herzogs machte im 18.Jahrhundert solche Bauten notwendig. Davor wurden die Soldaten bei der Bevölkerung einquartiert.

In den gut 250 Jahren ihrer Existenz ist die Talkaserne mehrfach umgebaut worden, erklärt Frank Krämer, Archäologe und Geschäftsführer der Firma Südwest-Archäologie. Das Unternehmen hat im Auftrag der Stadtwerke die Ausgrabung übernommen. Die Stadtwerke wollen auf dem Areal ein Parkdeck bauen, das zwar komplett oberirdisch liegt, für die Fundamente muss aber in den Boden eingegriffen werden. Dadurch ist der Einsatz der Archäologen unausweichlich.

Aus dem Ersten Weltkrieg stammen die freigelegten Betonwege. Die waren für die schweren Militärfahrzeuge gedacht. Auch die Grundmauern des Nordflügels, die Überreste eines kleinen Treppenhauses oder den Hauptkorridor haben Krämer und sein Team freigelegt. Die Grundrisse der einstigen Mannschaftsräume lassen sich ebenfalls noch gut erkennen.

Alte Pläne der Kaserne aufgetaucht

An mehreren Stellen wurden historisches Kopfsteinpflaster und Überreste von Ziegel- und Dielenböden freigelegt. Manche davon gehen bis ins 18. Jahrhundert zurück wie man anhand der Tonscherben, die darauf gefunden wurden, nachweisen kann. Da die genauen Bau-Epochen der Talkaserne unbekannt sind, arbeiten Dorothee Brenner und Frank Krämer mit einem Historiker zusammen, der Archive nach alten Bauplänen durchforstet. Ein Erfolg ist ihm schon gelungen. „An der TU Darmstadt hat er einen Plan der Kaserne aus dem Jahr 1793 gefunden“, sagt Krämer.

Im Geröll und Schutt der Jahrhunderte sind eine Menge Funde aus dem Alltagsleben der Soldaten aufgetaucht. Darunter Scherben von Geschirr aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Oder die Überreste einer barocken Ofenkachel ebenso wie Bierflaschen, Patronenhülsen, Schuhe, Knöpfe und andere Uniformteile sowie kleine Tonpfeifen, die vor dem Siegeszug der Zigarette das A und O für Raucher waren.

Trotz all dieser Funde: „Wir wissen eigentlich nicht wie das Alltagsleben der Soldaten damals aussah“, sagt Krämer. Bisher wurde zum Beispiel keine Latrine gefunden. Dafür jede Menge unterirdische und oberflächliche Abwasserkanäle.

Nicht alle Entdeckungen reichen an die Anfangszeit der Kaserne zurück. An der Außenmauer des Nordflügels haben Krämer und sein Team die Reste von kleinen, mit Steinen eingefassten Beeten gefunden. Er vermutet, dass sich hier Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg kleine Gärten angelegt haben. Nach 1945 diente die Kaserne als Flüchtlingsunterkunft.

Einem Rätsel sind die Archäologen auch auf der Spur: Bevor es die Talkaserne gab, muss ab 1710 an dem Standort ein größeres Jägereigebäude gestanden haben, das sogenannte Jägerhaus im Tal. „Dort waren die Hunde und Pferde für die aufwendigen Parforcejagden des Herzogs untergebracht“, sagt Brenner. Doch niemand weiß, wo genau es stand.

Rätselhafter Ziegelboden

Erste Spuren deuten aber darauf hin, dass die Ausgräber auf Überreste des Hauses gestoßen sind. An einer Stelle kam 40 Zentimeter unter dem Kasernenboden ein alter Ziegelboden zum Vorschein. „Für die Kaserne liegt der zu tief“, sagt Krämer. Sind es Reste des Jägerhauses? Es bleibt spannend. Bis November haben die Archäologen noch Zeit, an der einen oder anderen Stelle tiefer in die Geschichte vorzudringen. Vielleicht können sie dabei auch die Rätsel um das Jägerhaus und die ersten Gebäude der Talkaserne lösen.

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