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Hohenasperg

Verein wirft Land Blockade vor

Die Hoffnung, dass der Demokratenbuckel vom Strafvollzug befreit würde, stand Pate, als der Förderverein Hohenasperg vor 20 Jahren gegründet wurde. Erfüllt haben sich auch sehr viel bescheidenere Wünsche nicht: Das Land verhindere mit meist vorgeschobenen Begründungen eine angemessene Nutzung des geschichtsträchtigen Berges als Kulturdenkmal und Ausflugsziel, klagt Vereinschef Friedrich Müller.

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Das Denkmal an der Franzosenlinde sollte renoviert werden, finden die Vorstandsmitglieder Peter Müller, Jürgen Walter, Herbert Paul und Friedrich Müller (von links) sowie Gertrud Bolay vom Förderverein Hohenasperg.Fotos: Holm Wolschendorf (2), Steffen Pross
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Das von einem Baum überwucherte Tor in der Mauer erinnert an die Brücke über den Wallgraben. Die Kasematten der Festung stehen leer.
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Ludwigsburg. Das Holztor in der Wallmauer an der Ostseite der alten Festung ist noch zu sehen, an der Schwelle wächst ein Bäumchen aus dem Mauerwerk. Seit die ersten Gefangenen der RAF auf dem Hohenasperg eintrafen, ist die Brücke verschwunden, die einst vom Oberen Weg hier über den Wallgraben hinüber und hinein in die Festung führte. Gäbe es sie noch, so würde sie Besuchern, die, vom Bahnhof kommend, den Berg über das steile Schwitzgässle erklimmen, gemeinsam mit einer Unterführung innerhalb der Mauern einen direkten Zugang zum Hohenasperg-Museum ermöglichen.

Doch das Land – das sowohl in Gestalt des Justizministeriums als auch des Landesbetriebs Vermögen und Bau für die eigentliche Festungsanlage zuständig ist – verweigert die vom Förderverein gewünschte Wiederherstellung der Brücke. Friedrich Müller und seine Mitstreiter können das nicht nachvollziehen. Sicherheitsbedenken, die das Land sonst gern vorschiebe, wenn es die Bemühungen des Vereins blockiere, den Besuch auf dem Hohenasperg attraktiver zu machen, könnten an dieser Stelle jedenfalls nicht greifen. Schließlich habe sich das Land während einer Mauersanierung selbst per Behelfsbrücke eben dieses Zugangs zum Berg bedient. „Uns wird auch nur gesagt, das gehe jetzt nicht mehr“, klagt Müller.

Das fehlende „Brückle“ ist nicht der einzige Posten auf der Mängelliste, die der Verein gestern der Presse präsentierte. Müller und seine Kollegen wünschen sich etwa, in den Kasematten südlich des Festungstors Dichterlesungen, Weinproben oder Konzerte veranstalten zu können. Keine Frage: Die alten Gewölbe, die weitgehend leer stehen, wären ein attraktiver Veranstaltungsort – und Sicherheitsbelange der Justizvollzugsanstalt wären dadurch keineswegs berührt, argumentiert Müller. Auch der noch fehlende Notausgang ließe sich herstellen: durch einen aus den Kasematten in den ehemaligen Wasserturm der Festung führenden Gang.

Doch bei der Blockade von Vorschlägen des Vereins seien die beteiligten Landesbehörden nun einmal erfinderisch, berichten Müller und seine Vorstandskollegen: Die Neupflanzung einer Kastanie vor der Schubartstube sei abgelehnt worden, weil dieses Stück Wiese als Reservelandeplatz für Hubschrauber diene. Obwohl ein ehemaliges Toilettenhaus noch steht und im Visier zahlreicher Videokameras liegt, gibt es auf dem Hohenasperg seit Jahrzehnten kein öffentliches Klosett mehr – das Häusle liegt im Sicherheitsbereich. Der Schubartturm, einst eine für zehn Pfennig Eintritt besteigbare Aussichtsplattform ersten Ranges, ist seit langem unzugänglich. Nicht nur, weil man von hier aus in den Gefängnishof blicken kann. Müller zeigt nach oben, auf die großen Funk- und Telekommunikationsanlagen auf dem Turm. Der mit ihnen verbundene Elektrosmog sei der zweite Grund, so der Vereinschef. Dabei sei der Funkmast ein klarer Verstoß gegen den Denkmalschutz, den das Land ebenfalls immer wieder gegen den Verein bemühe. Dessen Kritik gilt indessen auch der Asperg: Das steile Schwitzgässle an der Ostseite des Berges ist stellenweise ungepflegt, Geländer rosten vor sich hin oder fehlen ganz. Im Westen, an der engen Schubartstraße, bricht der Gehweg nach wenigen Metern ab, obwohl er am Rande der Weinberge weitergeführt werden könnte – die Mitwirkung der Wengerter vorausgesetzt. Das Denkmal an der Franzosenlinde müsste renoviert werden, am Löwentor wären eine Wendeplatte für Busse und weitere Parkplätze wünschenswert.

Trotz des vor sieben Jahren eingeweihten Museums im Arsenalbau und des Infostandes des Vereins vor dem Festungseingang: Aus Sicht des Fördervereins ist noch viel zu tun, um den Hohenasperg aus dem touristischen Dornröschenschlaf zu erwecken. Eine weitere Idee Müllers: Das Strafvollzugsmuseum Ludwigsburg, das langfristig neue Räume braucht, könnte im Arsenalbau direkt neben dem Hohenasperg-Museum unterkommen.

Schnell abzuarbeiten ist der Wunschzettel des Fördervereins also kaum. Immerhin könnte in die „Hauptsache“ nach 20 Jahren Bewegung kommen: Wie der örtliche Grünen-Landtagsabgeordnete und Vereinsvize Jürgen Walter berichtete, hat Justizminister Guido Wolf Politikern der Koalition zugesagt, im Doppelhaushalt 2018/19 erste Mittel für ein neues Justizvollzugskrankenhaus in Stuttgart-Stammheim bereitzustellen. Allerdings haben das bereits einige Minister versprochen.