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Soziales

Vesperkirche: Ein logistisches Großprojekt

Alle Hände voll zu tun hatten gestern 65 ehrenamtliche Helfer, als die 11. Ludwigsburger Vesperkirche eröffnet wurde. Unsere Zeitung hat zwei Freiwilligen bei ihrem Einsatz über die Schulter geschaut.

Falk Tröber (links) hilft jedes Jahr bei der Vesperkirche – dieses Jahr bei der Tischzuweisung. Christiane Haußer (rechts) ist dagegen für die Verteilung des Essens zuständig.Fotos: Oliver Bürkle
Falk Tröber (links) hilft jedes Jahr bei der Vesperkirche – dieses Jahr bei der Tischzuweisung. Christiane Haußer (rechts) ist dagegen für die Verteilung des Essens zuständig. Foto: Oliver Bürkle
Falk Tröber (links) hilft jedes Jahr bei der Vesperkirche – dieses Jahr bei der Tischzuweisung. Christiane Haußer (rechts) ist dagegen für die Verteilung des Essens zuständig.Fotos: Oliver Bürkle
Falk Tröber (links) hilft jedes Jahr bei der Vesperkirche – dieses Jahr bei der Tischzuweisung. Christiane Haußer (rechts) ist dagegen für die Verteilung des Essens zuständig. Foto: Oliver Bürkle
Falk Tröber (links) hilft jedes Jahr bei der Vesperkirche – dieses Jahr bei der Tischzuweisung. Christiane Haußer (rechts) ist dagegen für die Verteilung des Essens zuständig.Fotos: Oliver Bürkle
Falk Tröber (links) hilft jedes Jahr bei der Vesperkirche – dieses Jahr bei der Tischzuweisung. Christiane Haußer (rechts) ist dagegen für die Verteilung des Essens zuständig. Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Die Vesperkirche erweist sich alljährlich als logistisches Großprojekt. Immerhin werden schon am ersten Tag 400 bis 500 Essen ausgegeben, schätzt Organisatorin Bärbel Albrecht. Und so steht nach dem Auftaktgottesdienst erst einmal eine gründliche Einweisung der ehrenamtlichen Helfer auf der Empore der Friedenskirche auf dem Programm.

Die Stimmung ist entspannt, aber konzentriert. Albrecht gibt zunächst einige Tipps und Hinweise, teilt die im Kreis stehenden Freiwilligen dann in Teams für Begrüßung, Service, Transport, Café, Spülstation, Kuchenannahme und die Kinderecke ein. Nur für die Schmutzstation, eine Untergruppe des Serviceteams, fällt die Suche ein wenig schwer. Drei Helfer werden gebraucht, einer fehlt noch. „Ich mach’s“, erklärt sich nach kurzer Stille ein Mann bereit. „Das bin ich von daheim gewohnt.“

Schließlich sind die Aufgaben verteilt, es kann losgehen. Falk Tröber ist in diesem Jahr für die Tischzuweisung zuständig. 120 Plätze stehen zur Verfügung. Sind alle Tische komplett belegt, und das ist am Sonntagmittag immer der Fall, nehmen die Gäste zunächst auf den Kirchenbänken Platz und werden von Tröber und seinen Kollegen dann benachrichtigt, wenn sie an der Reihe sind.

Es geht um das Miteinander

Tröber ist ein Mann der ersten Stunde, er bringt sich seit dem Start der Vesperkirche im Jahr 2010 ehrenamtlich ein. Damals habe er eher zufällig erfahren, dass ehrenamtliche Helfer gesucht wurden. „Dann habe ich schnell Blut geleckt und bin hängengeblieben“, meint er schmunzelnd. „Ich habe schon bedient, ich habe gespült, ich war im Transportteam.“

An der Vesperkirche schätzt Tröber vor allem die Kontakte zu ganz unterschiedlichen Menschen. So seien im Lauf der Jahre auch Freundschaften entstanden, sowohl zu anderen Helfern als auch zu Gästen. „Man kommt mit den Leuten ins Gespräch, und jeder bringt seine eigene Geschichte mit“, sagt Tröber. „Bei der Vesperkirche geht es um das Miteinander. Das ist eine gute Sache, die ich gerne unterstütze – die Vesperkirche ist für mich schon eine Herzensangelegenheit.“

Gäste, die an Tisch 1 Platz nehmen, werden von Christiane Haußer bedient. Als Vorspeise gibt es eine Suppe, danach Cordon bleu oder Gemüseschnitzel – wie an jedem Tag bis Sonntag, 1. März, kommt wahlweise ein Fleischgericht oder eine vegetarische Mahlzeit auf den Teller. Später wird dann Kaffee und Kuchen serviert.

Obwohl an allen Tischen Hochbetrieb herrscht und es in der gesamten Friedenskirche recht wuselig zugeht, sitzen die Abläufe.

Das ist vor allem dem Engagement der freiwilligen Helfer zu verdanken. Auch Haußer muss sich mächtig reinknien, schließlich sollen die Gäste nicht zu lange warten. „Die Leute sind sehr unterschiedlich, hier trifft man auf die ganze Bandbreite menschlicher Charaktere“, erzählt Haußer, die schon seit einigen Jahren bedient.

„Viele sind bescheiden, manche haben aber auch Erwartungen wie in einem echten Gasthaus.“ Wobei eine hohe Anspruchshaltung eher bei ihrer Einschätzung nach betuchteren Gästen zu beobachten sei. „Zwei Männer zum Beispiel wollten mal unbedingt von links bedient werden“, erinnert sich Haußer. „Aber wir sind keine Profis, sondern machen das ehrenamtlich – da müssen die Leute auch mal Geduld mit uns haben.“

An Tisch 1 jedenfalls geht es so beengt zu, dass es unmöglich wäre, alle Gäste von der linken Seite zu bedienen. Doch Haußer hat Glück: Ihre Kundschaft zeigt sich nicht nur einsichtig, sondern unterstützt sie nach Kräften, indem beispielsweise Suppenschüsseln weitergereicht oder nach dem Essen die leeren Teller auf das Tablett gestellt werden. Das spart wertvolle Zeit, zumal die 55-Jährige mit den Wegen zu Essensausgabe und Schmutzstation voll eingespannt ist.

Manche Gäste sind auch übellaunig

Zumindest an Haußers Tisch werden keine Beschwerden laut, ganz im Gegenteil: Die Gäste sind ausgesprochen höflich und zeigen Verständnis, wenn es ausnahmsweise mal ein bisschen länger dauert. Einige bedanken sich, wenn sie den Tisch verlassen, mitunter sogar ausgesprochen herzlich. „Heute habe ich wirklich Glück“, ist die Helferin zufrieden.

Allerdings seien nicht alle Besucher freundlich, zum Beispiel einer ihrer Stammgäste. „Er ist meistens übellaunig und wortkarg, lässt sich nicht in Gespräche verwickeln“, meint Haußer. „Aber er kommt immer wieder.“

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