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blühendes barock

Viel Lob, aber zu wenig Parkplätze

Das Lob der Stadträte regnete geradezu auf Blüba-Chef Volker Kugel herunter: Das Blühende Barock hat vergangenes Jahr ein Rekordergebnis hingelegt. Der Besucherstrom stellt die Gartenschau aber auch vor Probleme: Immer noch lässt die Parksituation zu wünschen übrig.

Der beschauliche Nordgarten zählt zu den ältesten Gartenteilen und wurde unter Herzog Eberhard Ludwig, Herzog Carl Eugen und Herzog Friedrich II. umgestaltet.Foto: Birgit Kalbacher
Der beschauliche Nordgarten zählt zu den ältesten Gartenteilen und wurde unter Herzog Eberhard Ludwig, Herzog Carl Eugen und Herzog Friedrich II. umgestaltet. Foto: Birgit Kalbacher

Ludwigsburg. „Das Ergebnis wird schwer zu wiederholen sein“, bremste Volker Kugel zu hohe Erwartungen der Stadträte im Ausschuss für Wirtschaft, Kultur und Verwaltung. Die wiederum glaubten ihm nicht. Das habe er schon 2018 gesagt, kommentierte CDU-Rat Klaus Herrmann die wohlgesetzte Bescheidenheit des Geschäftsführers der Blühendes Barock Gartenschau Ludwigsburg GmbH. „Es liegt ein bisschen am guten Wetter, wesentlich aber an Ihrer guten Arbeit“, sagte er. 2018 hat das Blüba einen Gewinn von 445.000 Euro gemacht, mehr als doppelt so viel wie 2017.

Margit Liepins (SPD) sprach von „einer Erfolgsgeschichte“, FW-Rat Florian Lutz lobte die Sorgenfreiheit. Das Blüba „ist unser kleines Sanssouci“. Mit 43.900 verkauften Dauerkarten und 532.400 Tageskarten beweist das Blüba, dass das gute Ergebnis von 2017 gesteigert werden konnte. Ob Zirkus, Kürbisausstellung, Straßenmusikfestival, Gartentage oder Lichterzauber: „Jede Veranstaltung war ein Supererfolg.“

Wie Kugel am Dienstagabend bei der Vorstellung des Jahresberichts 2018 sagte, „gehen die Gewinne nicht auf Kosten der Substanz“. Heißt: Neben der Instandhaltung sucht die Gartenschau nach neuen Wegen, um das Alltagsgeschäft besser und wirtschaftlicher zu gestalten.

Digitalisierung: Um die langen Schlangen im Verkauf zu vermeiden, testet das Blüba digitale Zahlmethoden. Über die Homepage oder mit App kann so das Ticket auf das Handy geladen oder ausgedruckt und am Eingang gescannt werden. Bis in zwei Monaten soll das Projekt laut Kugel in den Echtbetrieb gehen.

Ab Herbst soll es zudem ein Dauerkarten-Abo geben: Im Lastschriftverfahren werden diese vor Saisonbeginn bis Widerruf jährlich versandt. Weil die Versandkosten den Preisvorteil des Vorverkaufs wohl auffressen, bleibt für Sparfüchse noch die Möglichkeit, sich in der dann hoffentlich geschrumpften Schlange anzustellen.

Nachhaltigkeit: Mit weiteren Solarmodulen wird die Blüba-Stromproduktion von 50 Kilowattpeak (kWp) auf 100 aufgestockt. Zehn davon werden übrigens auf dem Dach der Herzogschaukel gewonnen. Gleichzeitig wird laut Kugel ein 26 Kilowattspeicher gebaut, der es erstmals möglich macht, Reserven anzulegen. Damit werde etwa das Mühlrad im Märchenbach von 9 bis 16.30 Uhr „zu 100 Prozent mit Sonne betrieben“. Kugel kündigte zudem an, dass das Blüba ihre E-Fahrzeuge auf vier aufstocken werde. Mit dem neuen Solarsystem könnten diese „zu 80 Prozent“ aus eigenem Strom geladen werden.

Kommende Woche führt das Blüba ein Pfandbechersystem ein. „Wir gehen Schritt für Schritt in die Plastikfreiheit.“ So wird es in jeder Gastronomie inklusive der Essensstände künftig haltbare To-go-Becher geben, die auch wieder an jeder Gastronomie abgegeben werden können.

Der Idee von Grünen-Rat Michael Vierling, das feinstaub- und stickoxidlastige Musikfeuerwerk aus Umweltgründen umzustellen, erteilte Kugel eine Absage. „Wir denken natürlich über die Zukunft nach, mit Lichtprojektionen oder Laser“, sagte er, aber: „Wir halten momentan am Feuerwerk fest.“ Glyphosat, wie es etwa in Unkrautvernichtern steckt, verwendet das Blüba bereits seit drei Jahren nicht mehr.

Baustellen: Das Land als Grundstückseigentümer investiert 400.000 Euro in die Seitenbrunnen auf der Südseite. Hier wird ein wassergebundener Asphalt eingebaut.

Nachgedacht wird darüber, im Bereich des Wasserspielplatzes eine neue Toilette zu bauen. Wie Christine Knoß (Grüne) kritisierte, schließt das WC am Aktionshaus schon um 18.30 Uhr, der Park ist aber bis 20.30 Uhr geöffnet. In dem Zuge, so Kugel zur LKZ, stehe auch die Umgestaltung des Entrees an der Märchenbahn an.

Der Barrierefreiheit in Form eines befestigten Wegs vor der Südseite des Schlosses, wie von Liepins erneut angeregt, stehen die Kosten entgegen. Der Weg müsste drei Meter breit sein, sagte Kugel, das Land aber habe derzeit kein Interesse an einer Investition von zwei Millionen Euro.

Parken und Verkehr: „Die Bärenwiese reicht an normalen Sonntagen nicht aus“, bestätigte Volker Kugel die Kritik. Er begrüßt die Initiative der Freien Wähler, dort ein Parkhaus zu bauen. Auch die anderen Parteien hatten auf eigene Parkplätze gedrängt. „Es ist sinnvoll, die Bärenwiese aufzurüsten.“ Vierlings Kritik, die Akademiehofgarage sei auf der Blüba-Homepage nicht aufgeführt, widerlegte Kugel im Gespräch mit der LKZ. Verbessert werden müsse aber das Parkleitsystem. Der Hinweis auf die Akademie- und Rathausgaragen mit Blüba-Bezug kommt erst kurz vor der Sternkreuzung.

Einem VVS-Kombiticket erteilte Kugel eine klare Absage. Die VVS verlange 3,50 bis vier Euro Gebühr, die das Blüba subventionieren müsse. Bei einem Ticketpreis von neun Euro „ ist das viel zu teuer“.

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