Logo

Aktionstag

Viertklässler der Sophie-Scholl-Schule sprechen über Kinderrechte

Mit Kinderrechten haben sich Viertklässler der Sophie-Scholl-Schule in der ersten Woche nach den Ferien beschäftigt. Dabei haben sie gelernt, dass die Rechte von Kindern in vielen Ländern verletzt werden. Aber auch in ihrem eigenen Umfeld gibt es Probleme.

Im Forum am Schlosspark beantworten die Grundschüler Fragen zu den Kinderrechten.Fotos: Holm Wolschendorf
Im Forum am Schlosspark beantworten die Grundschüler Fragen zu den Kinderrechten. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Die zehn Viertklässler der Sophie-Scholl-Schule finden sich am Sonntagvormittag in ungewohnter Rolle wieder. Bevor auf dem Vorplatz des Forums am Schlosspark der Platz der Kinderrechte eingeweiht wird, geben die Grundschüler auf einer Treppe im Foyer des Forums eine Pressekonferenz zum Thema Kinderrechte - eine scheinbar sperrige Angelegenheit.

350_0008_2777275_19_09_21Wolschendorf_17
Bildergalerien

Ein Platz der Kinderrechte in Ludwigsburg

Doch die Grundschüler sind über die in den Kinderrechtskonventionen der Vereinten Nationen formulierten Kinderrechte aufgeklärt, im Unterricht haben sie sich zuletzt eine Woche lang mit diesem Thema auseinandergesetzt. „Wir haben Hausaufgaben gemacht und Texte gelesen“, berichtet Dennis. „Wir sind gut informiert. Es ist wichtig, dass wir uns mit dem Thema beschäftigt haben.“

Kinder hätten ein Recht auf Bildung, betont Tavia, „ohne Bildung findet man sich im Leben nicht zurecht.“ Es gebe zudem ein Recht auf Freizeit und eine gute Unterkunft, weiß Dennis. „Wichtig ist auch das Recht auf gute Nahrung und Wasser“, ergänzt Apeksha. „Und dass man einen Platz hat, wo man sich austoben und lernen kann.“

In Deutschland würden die Kinderrechte seiner Meinung nach weitgehend eingehalten, meint Blake. Den Ludwigsburger Grundschülern ist aber bewusst, dass das nicht überall so ist. In Indien oder in afrikanischen Ländern könnten viele Kinder nicht in die Schule gehen und müssten stattdessen auf Feldern arbeiten, erzählen sie. Tavia ist mit solchen Zuständen überhaupt nicht einverstanden. „Wenn ich groß bin, will ich diesen Kindern helfen. Ich will dann zum Beispiel Geld für Menschen in armen Ländern spenden.“

Im Gespräch mit den Grundschülern wird deutlich, dass es auch in ihrem Umfeld Probleme gibt. Ihre eigene Schwester etwa sei schon beleidigt worden, sagt Apeksha. „Weil sie eine andere Hautfarbe hat. Dabei ist es doch gar nicht schlimm, wenn man aus einem anderen Land kommt. Niemand sollte wegen seiner Hautfarbe ausgelacht werden.“ Ihr sei auch wichtig, dass Kinder mit Behinderung Chancen auf eine Ausbildung hätten.

Auch er sei schon mehrfach beleidigt worden, sagt Gabriel, „weil ich Ausländer bin“. Er habe zwar Freunde, die zu ihm gehalten hätten, und die anderen Kinder hätten dann aufgehört, ihn zu beleidigen. „Aber das war extrem nervig, und es hat mich verletzt.“

Er habe regelmäßig Probleme mit größeren Kindern, erzählt Luca. Er sei für sein Alter relativ klein und werde immer wieder von Größeren geschlagen. „Größere Kinder sollten Respekt vor kleineren Kindern haben“, sagt Luca. Ihrer Schwester gehe es genauso, meint Tavia. „Sie wird in ihrer Schule ausgelacht. Aber niemand kann etwas dafür, dass er nicht so groß ist.“

Blake würde sich wünschen, dass Kinder nicht geärgert werden, weil sie nicht so gut Deutsch sprechen. Idil hat schlechte Erfahrungen in der Schule gemacht. Vermeintlich witzige Mitschüler verändern ihren Namen und ziehen sie damit auf. „Das passiert oft“, sagt Idil. Sie weiß nicht, wie sie sich zur Wehr setzen soll. „Die Lehrer können nicht viel machen, Ignorieren funktioniert nur manchmal. Zum Glück habe ich Freunde, die mir helfen.“

Solche Probleme mögen im Vergleich mit Kindern, die auf Feldern schuften oder gar in Kriegsgebieten überleben müssen, gering erscheinen. Im konkreten Alltag aber sind es Probleme, die auch im Gegensatz zu Kinderrechten stehen. Das Diskriminierungsverbot etwa besagt, dass Kinder nicht wegen ihrer Religion, Herkunft, Hautfarbe oder wegen ihres Geschlechts benachteiligt werden dürfen.

Tavia hat einen Wunsch: „Es wäre wirklich schön, wenn die Kinderrechte im Grundgesetz enthalten wären.“

Autor: