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Erwachsenenbildung

Volkshochschulen erleben Boom

„Man lernt nie aus!“ So bringt es Jürgen Schmiedel, der Leiter der Schiller-VHS des Landkreises, auf den Punkt. Er kann damit auch für seine Kollegen an den drei städtischen Volkshochschulen von Ludwigsburg, Gerlingen und Korntal-Münchingen sprechen: Sie erleben einen kleinen Boom.

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Auf Wachstumskurs sind die Volkshochschulen im Landkreis. Unser Foto zeigt den Hauptsitz der Schiller-VHS in der Ludwigsburger Hindenburgstraße. Er ist die Zentrale von 36 Außenstellen im Kreisgebiet. Archivfoto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. Schon zu Semesterbeginn verzeichnete die Schiller-Volkshochschule bei den Anmeldungen einen Zuwachs von zwei Prozent. Die schwankten zwischen 15 600 und 16 000. „Auf hohem Niveau“, wie Schmiedel betont. Im Angebot seien rund 1750 Kurse und Veranstaltungen quer durch alle Lebens- und Wissensbereiche in den insgesamt 36 Außenstellen, die über den Landkreis verteilt sind. Im vergangenen Jahr waren das über 60 000 Unterrichtseinheiten. Schwerpunktthema in diesem Semester ist mit 45 Veranstaltungen Europa. Unter anderem mit dem Marbacher Forum im März, das schon jetzt auf großes Interesse stoße.

Gut angenommen werden die sogenannten Bildungswerkstätten. 30 sind es mittlerweile – und damit doppelt so viele wie im letzten Jahr. Hier treffen sich feste Gruppen zu einem festen Termin. Den Fahrplan für die 15 Termine zu je drei Stunden legen die Teilnehmer selbst fest. Die VHS moderiert und vermittelt die zu den Themen passenden Dozenten. Rund 700 „Freie“ hat die Schiller-VHS in ihrem Pool. Die Gebühren sind laut Schmiedel stabil.

Die Renner seien nach wie vor die Sprachen. „Wir sind da polyglott aufgestellt“ meint Schmiedel. Von Chinesisch bis Französisch, von Hebräisch bis Italienisch. Gefragt sei vor allem Deutsch für Ausländer. Gerade laufen 38 Integrationskurse parallel – alle sind ausgebucht. Nicht wegen der Flüchtlinge, die machen, so Schmiedel, nur etwa 20 Prozent aus. Die Mehrheit der Teilnehmer stammt aus Süd- und Osteuropa und will in Deutschland arbeiten.

Bei Gesundheitsangeboten wie der Ernährungsberatung sei allerdings eine gewisse Sättigung erreicht, beobachtet Schmiedel. Man sei außerdem gerade dabei, das Angebot für Kinder und Jugendliche auszubauen, kündigt er hier einen längeren Prozess an. Denn das VHS-Publikum sei überwiegend 50 Jahre und älter.

Die Ludwigsburger VHS wächst mächtig. 775 Anmeldungen mehr als noch vor einem Jahr hat sie verzeichnet. Das ist ein Plus von 15 Prozent auf 5900 Teilnehmer. „Und wir stehen noch am Anfang des Semesters“, ist Leiterin Martina Wörner vom Zuspruch überwältigt. Auch das Kursprogramm wurde um 20 auf rund 820 ausgeweitet. 400 Dozierende seien für die VHS aktiv. Man müsse immer aktuell sein, um attraktiv zu bleiben. Die letzte Gebührenanpassung liege drei Jahre zurück.

Den größten Zuwachs verzeichnete Ludwigsburg in der Sparte „Allgemeinbildung“ mit 43 Prozent. „Das Studium generale genießt in der Stadt einen hohen Stellenwert“, vergibt Wörner den Ludwigsburgern hier die Note eins. In Politik und Geschichte, in Umwelt und Gesundheit zum Beispiel. Philosophie erlebe eine Renaissance. Es werde gerne darüber diskutiert, wie die alten Denker auf die heutige Zeit ausgelegt werden könnten.

Auch seien die Sprachkurse, insbesondere Deutsch, sehr gefragt. Hier biete die VHS Ludwigsburg im Anschluss an die Integrationskurse „Berufsdeutsch“ an, das speziell auf die Arbeitswelt vorbereitet.

Die Kundschaft sei hauptsächlich Ü 40 und oft älter als 50 Jahre. Wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus seien, hätten die Eltern wieder mehr Zeit für die eigenen Interessen, meint Wörner. Viele wollten sich auch beruflich noch einmal umorientieren und sich mit der VHS auf den Umstieg vorbereiten. Und: Die Ludwigsburger interessieren derzeit eher harte Fakten als nackte Tatsachen. Aktzeichnen, vor ein paar Jahren noch sehr beliebt, wurde mangels Interesse aus dem Programm gestrichen.

Auch Gerlingen leistet sich eine eigene VHS. Auch ihre 200 freiberuflichen Dozenten sind gut ausgelastet, sagt VHS-Leiter Markus Fink. Er meldet mit 11 000 Unterrichtseinheiten im Jahr ein Plus von fünf Prozent. Von den 3700 Teilnehmern besuchen alleine 700 einen Sprachkurs. Gut gebucht seien auch präventive Gesundheitsangebote wie Ernährungstipps, Rückenfit oder Yoga.

„Schwerpunktthema ist Krieg und Frieden“, berichtet Fink. Traditionell lege man in Gerlingen Wert auf die politische Bildung. Auch das Angebot in der beruflichen Bildung sei stark. Von SAP-Schulungen bis hin zum Stärken des persönlichen Auftretens gegenüber Kollegen und Vorgesetzten. Hier wünscht sich Fink aber stärkeren Zuspruch.

Weil die VHS in Gerlingen die Funktion einer Familienbildungsstätte übernimmt, spricht sie alle Generationen an. Vom Säugling über Besucher der jungen VHS bis zu Rentnern – für alle sei etwas geboten, sagt Fink. Die Gebühren seien seit zwei Jahren unverändert.

Die kleinste im VHS-Quartett ist Korntal-Münchingen. Mit aktuellen Zahlen könne sie nicht dienen, die würden gerade ermittelt, so die noch frische Leiterin Cornelie Class-Hähnel. Aber sie beobachte ein paar „eindeutige Trends“. Am häufigsten gebucht würden die Kurse im Gesundheitsbereich, gefolgt von Sprachen, Exkursionen sowie die Angebote im Bereich Kunst, Kultur und Kochen sowie Verbraucherfragen. Schwankend, aber insgesamt leicht rückläufig sei das Interesse im Bereich EDV und berufliche Bildung.

„Um die Berufstätigen anzusprechen, finden unsere Angebote am Abend oder am Samstag statt“, so Class-Hähnel. Und: Das Anmeldeverhalten ändere sich. Kurse würden zunehmend kurzfristig gebucht. Das bedeute für die eigene Planung und für die der Dozenten ein größeres Risiko. Außerdem verschiebe sich das Interesse an Kursen in Richtung Individualberatung. „Wir stellen uns darauf ein, in dem wir verstärkt Einzelverträge abschließen sowie Auftragskurse veranstalten.“