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Blick in die Geschichte
Vor 100 Jahren wurde der Muttertag erfunden

Noch heute ist der Muttertag insbesondere für die Floristen einer der umsatzstärksten Tage im Jahr. Foto: dpa
Noch heute ist der Muttertag insbesondere für die Floristen einer der umsatzstärksten Tage im Jahr. Foto: dpa
Anfangs war er eine Idee des Verbands Deutscher Blumengeschäftsinhaber: Doch der Muttertag setzte sich schnell durch – nicht nur wegen der guten Geschäfte. Schnell rückte die Ehrung der Mütter ins Zentrum des Geschehens.

Ludwigsburg. „In Deutschland wurde der Muttertag 1922/23 vom Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber mit Plakaten ‚Ehret die Mutter‘, ‚Gedenkt Eurer Mütter‘ in den Schaufenstern etabliert und – betont unpolitisch – als Tag der Blumenwünsche gefeiert. Mit Plakaten in Schaufenstern, kleineren Werbekampagnen und Veranstaltungen bis hin zu Muttertagspoesie wurde dem ersten deutschen Muttertag am 13.Mai 1923 durch den Vorsitzenden des Verbandes, Rudolf Knauer, der Weg bereitet“, heißt es im Lexikon. Und tatsächlich: Auch in unserer Zeitung gab es im Mai 1923 die ersten Anzeigen zum Muttertag. Die damals hier ansässigen Blumengeschäfte „August Schelle“ in der Myliusstraße 4 sowie „Paule&Wolf“ in der Kirchstraße 3 schalteten jeweils eine Anzeige. Weitere Hinweise zu diesem neuen „Ehrentag der Mütter“ finden sich vor 100 Jahren allerdings nicht.

1924 wirbt ein Blumengeschäft mit dieser Anzeige. .Archiv: LKZ
1924 wirbt ein Blumengeschäft mit dieser Anzeige. .Archiv: LKZ

Das war der Grundgedanke des Muttertags

Erst ein Jahr später thematisiert die Ludwigsburger Zeitung in ihrer Ausgabe am 9.Mai 1924 die Bedeutung des Muttertages. „Seit vielen Jahren wird bereits in anderen Ländern ein Gedenktag zu Ehren der Mutter gefeiert. Im Vorjahr kam die Anregung auch nach Deutschland, diese schöne Sitte bei uns einzubürgern. So wurden den verschiedenen Verbänden, der Presse, den Kirchen und Schulbehörden Aufrufe zugesandt.“

Eine Anzeige aus dem Jahr 1923. Archiv: LKZ
Eine Anzeige aus dem Jahr 1923. Archiv: LKZ

Loblied auf die Mütter

In einem für heutige Ohren seltsam klingenden Tonfall wird dann ein Loblied auf die Mütter gesungen. Dabei spiegeln sich auch die Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg und der entbehrungsreichen Nachkriegszeit wider. Und es wird klar, welche Rolle man vor 100 Jahren Müttern zugedachte: „Der Gedanke, der deutschen Frau und Mutter einmal im Jahr besonders unsere Liebe, Verehrung und unseren Herzensdank zu bezeugen, hat etwas Erhebendes. In unserer so gärungsvollen, friedlosen Zeit, da die politische und wirtschaftliche Not (gemeint ist die Inflation, Anm. d. Red.) einen nie für möglich gehaltenen moralischen Tiefstand in unserem Volke hervorgerufen hat, müssen wir uns auf die starken, unversieglichen Quellen unserer Kraft besinnen. Diese ruhen in unseren Familien. Hier hüten und pflegen unsere Mütter die Tugenden der Pflichterfüllung, des Gehorsams, der Treue, der opferwilligen Hingebung, der Frömmigkeit, der Vaterlandsliebe. Der Mutter heiliger Beruf muss in unserem Volk wieder die Ehrenstelle einnehmen, die er hatte und die durch den Krieg und die nachfolgende Zeit zum Teil verloren gegangen ist. Dazu erscheint uns die würdige Feier des Ehrentages der deutschen Mutter hervorragend geeignet. Der zweite Sonntag im Monat Mai ist dazu auserkoren.

An diesem Tag soll der Dank des deutschen Volkes gegen seine Mütter, die starken Hoffnungen auf gesegneten Wiederaufbau im Hinblick auf die Mütter zum beredten Ausdruck kommen. Was sie während des Krieges an Arbeit und Entbehrung, an stummem Weh und stiller Ergebung getragen hat, welche schwere Last in diesen Zeiten wirtschaftlicher Not, in der Fürsorge für die Ihrigen auf ihren Schultern liegt, das rufe der deutsche Muttertag unserem deutschen Volk einmütig ins Gedächtnis.

Unsere Frauen und Mütter leiden still und unerkannt unter der furchtbaren Schwere dieser Zeit am meisten. Vor dieser schweigenden Pflichterfüllung, vor der verantwortungsbewussten Würde, vor der vorbildlichen Hoheit der deutschen Frau beuge sich unser Herz und Haupt.“