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Kino
Warum auch Schwaben bayerische Eberhofer-Krimis lieben

Kommissar Franz Eberhofer zieht das Publikum im Hofe der Karlskaserne in seinen Bann. Fotos: Ramona Theiss
Kommissar Franz Eberhofer zieht das Publikum im Hofe der Karlskaserne in seinen Bann. Fotos: Ramona Theiss
Vornweg eine Runde am Biertisch, danach die große Leinwand.
Vornweg eine Runde am Biertisch, danach die große Leinwand.
Mit dem neuen Eberhofer-Krimi „Kaiserschmarrndrama“ ist das Ludwigsburger Open-Air-Kino am Samstagabend in die neue Saison gestartet. Der schräge Humor aus Bayern hat auch im Ländle viele Anhänger, zum Auftakt war der Innenhof des Kunstzentrums Karlskaserne komplett ausverkauft.

Eberhofer geht immer. Schon seit Jahren nimmt Kinokult, der Betreiber des Open-Air-Kinos in der Karlskaserne, die Fälle des bayerischen Kommissars Franz Eberhofer regelmäßig ins Programm - sehr zur Freude des Publikums, denn die Mischung aus skurrilem Humor, subversivem Charme und bajuwarischer Anarchie kommt auch hierzulande gut an. „Wir könnten jeden Abend einen Eberhofer-Krimi zeigen, dann wäre das Kino jeden Abend ausverkauft“, sagt Kinokult-Geschäftsführer Rainer Storz.

„Kaiserschmarrndrama“, der siebte Teil der Reihe, ist bis zum 11. August gleich vier Mal zu sehen und es sind bislang die einzigen Vorführungen, die schon jetzt komplett ausverkauft sind. „Das ,Kaiserschmarrndrama‘ zieht seine eigenen Kreise“, sagt Storz. Aber was aber treibt die Schwaben dazu, sich für Krimikomödien in breitestem bayerischen Dialekt zu begeistern? Im Publikum sitzen viele eingefleischte Fans, denen Eberhofer und die schrägen Charaktere der Filmreihe längst ans Herz gewachsen sind.

Sarah Linder hat auch die literarischen Vorlagen von Rita Falk gelesen. „In den Filmen sind die Charaktere aus den Büchern total gut getroffen“, meint sie. „Man hat fast das Gefühl, dass man die Schauspieler schon aus den Büchern kennt.“ Aus ihrer Sicht haben die Eberhofer-Krimis längst Kultstatus erreicht. „Der Eberhofer hat schon Charisma“, sagt die junge Frau im Hof der Karlskaserne. „Flötzinger, den Gas-Wasser-Heizungs-Installateur von Kaltenkirchen, finde ich auch super.“

Sicher, der Humor sei mitunter ein wenig derb, räumt Mario Lang ein, dessen Freundin sich kurz vor Filmbeginn noch ein Eis holt. „Aber ich finde, das passt gut zu diesem bayerischen Ambiente“, sagt er. „Das gehört bei einem Eberhofer-Krimi einfach dazu, mir gefällt das.“

Krimikomödien seien eigentlich gar nicht ihr Ding, erzählt Claudia Cubra, die mit ihrem Mann in die Karlskaserne gekommen ist. „Sonst mag ich eher Filme, bei denen ich Gänsehaut bekomme. Die Originalverfilmung von ,Friedhof der Kuscheltiere‘ fand ich zum Beispiel toll.“ Ihren ersten Eberhof-Krimi habe sie nur angeschaut, weil ihre Freundin immer wieder gedrängt und nicht lockergelassen habe. Doch gleich bei dieser Premiere fand Cubra Gefallen an dem sonst verschmähten Genre. „Jetzt ist meine ganze Familie mit dem Eberhofer-Virus infiziert“, erzählt sie schmunzelnd, während ihr Mann zustimmend nickt.

Als wirtschaftlich erweisen sich die Eberhofer-Krimis also immer. Das allein sei aber natürlich nicht der eigene Anspruch, betont der Kinokult-Geschäftsführer. Erst recht nicht in diesem Jahr, denn aktuell stünden nach dem langen Lockdown viele interessante Neuproduktionen in den Startlöchern. Aus diesem Grund hat Kinokult zunächst das Programm auch nur für die ersten 13 Abende veröffentlicht. Hinter den Kulissen steht der Betreiber weiterhin im Kontakt mit den Verleihern und versucht, aktuelle Filme nach Ludwigsburg zu lotsen. Zumal die Verleiher wegen der momentan eingeschränkten Kapazitäten in den regulären Kinos ausgesprochen kooperativ seien, berichtet Storz. Das Publikum darf sich also auf unterhaltsame Kinoabende in der Karlskaserne freuen.

Während es vor der Coronakrise nur 18 Vorführungen pro Saison gab, werden in diesem Jahr 30 Filme gezeigt. „Indem wir das Programm fortlaufend bekanntgeben, können wir auch den Vorverkauf besser steuern“, erläutert Storz. Voraussichtlich Ende dieser Woche soll der nächste Programmblock veröffentlicht werden.

Das Fassungsvermögen des Open-Air-Kinos ist wegen der Coronaauflagen auf 750 Plätze begrenzt, vor der Pandemie waren es fast 3000. Sollte die Inzidenz im Laufe des Augusts auf über 35 steigen, müsste weiter auf 500 Besucher reduziert werden. „Wir brauchen die zusätzlichen Vorstellungen, sonst wäre es nicht mehr wirtschaftlich“, so Storz. „Das hat den Vorteil, dass sich auch Besucher, die sonst in den ersten zwei Ferienwochen im Urlaub waren, einen Film anschauen können.“

Das Publikum darf sich nicht nur auf Krimikomödien, sondern auf ein vielseitiges und abwechslungsreiches Programm einstellen. „Das ist eine Mischkalkulation“, sagt Storz. „Wir hoffen, dass die Leute neugierig bleiben und sich auch Filme anschauen, die sie noch nicht kennen.“