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Verwaltung

Werden Brunnen mal wieder trocken gelegt?

Als Sparmaßnahme wird überlegt, den Wasserhahn dieses Jahr nicht aufzudrehen – OB Knecht denkt über Kompromiss nach

Ludwigsburg. In der Finanzkrise hat Ludwigsburg schon einmal den Brunnen den Hahn abgedreht. An der Sparmaßnahme hielt der frühere OB Werner Spec auch noch fest, als Bürger und Stadträte auf die Barrikaden gingen. Zwei Jahre hielt das die Verwaltung durch, die Brunnen liefen zwar teilweise, aber wenige Monate und nur wenige Stunden. Doch dann hatten die Fraktionen im Gemeinderat genug. Sie schlossen sich zusammen und setzten in einem gemeinsamen Antrag 2012 durch, dass das Wasser wieder wie früher in den Brunnen plätschern soll. „Wir sind entgegen dem OB der Ansicht, dass das Einsparpotenzial hier nicht so viel ausmacht“, hieß es damals zu Spec.

40 000 Euro hat man damals eingespart, nicht ganz die Hälfte der Gesamtkosten von damals 109.000 Euro. Jetzt, zehn Jahre nach dieser Brunnen-Debatte, läuft wieder kein Wasser an den Brunnen. Die Hähne wurden, zunächst auch wegen der Coronapandemie, erst gar nicht aufgedreht. Von der zuständigen Fachbereichsleiterin Tiefbau gab es keine Auskunft, diese erteilte der OB. „Wir hatten die Brunnen bewusst abgeschaltet, um keinen Anziehungspunkt zu schaffen“, so Oberbürgermeister Matthias Knecht zu der Maßnahme, die er als Infektionsschutz versteht. Doch obwohl man sie nun anschalten könnte, bleibt das Wasser weg.

Intern denken OB und Bürgermeister samt Kämmerer darüber nach, ob die Ausgaben für die Brunnen angesichts der zweiten Krise, der Coronakrise, eingespart werden sollen. Auch die Brunnen sind also vor dem Rotstift nicht sicher, obwohl im Rathaus sehr wohl bekannt ist, wie diese Brunnenpolitik einst kritisiert, gar verhöhnt worden ist und letztlich Stadträte zur Weißglut trieb – weil auch in den Stadtteilen alle Brunnen abgestellt waren. An Brunnen, die zuvor mit viel Bürgerengagement und Geld aus der Bürgerschaft frisch hergerichtet worden waren.

„Man hat mich im Rathaus schon davor gewarnt“, so Knecht, der auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt, dass noch nichts entschieden sei. Geprüft würden derzeit alle Ausgaben der Stadt auf Einsparungen, die möglich sind – und da seien 135.000 Euro im Jahr für die Brunnen auch ein Betrag. Der gleiche zwar nicht die aktuellen Millionenverluste aus, es müsse aber über viele, auch kleinere Posten, nachgedacht werden. „Wir werden mit Fingerspitzengefühl vorgehen“, verspricht er, möglicherweise werde auch ein Kompromiss herauskommen.

Ein Kompromiss, bei dem einige Brunnen, wie der Sprudler in der Asperger Straße, angestellt werden, andere nicht. Nächste Woche will die Verwaltung entscheiden, ob sie die Maßnahme dem Gemeinderat vorschlagen wird. Sollten die Brunnen angemacht werden, dürfe dies aber auch nicht zu Menschenansammlungen führen, um die Ausbreitung des Coronavirus nicht zu befördern.

Knecht kennt die vielen Argumente, die für die Brunnen sprechen. Sie sind nicht nur Treffpunkte für Familien, prägen das Stadtbild und tragen im Sommer auch dazu bei, das Klima auf den Plätzen etwas erträglicher zu gestalten. Auch sind in den verschiedensten Konzepten, zuletzt auch im Klimaanpassungskonzept, Brunnen und sogar Trinkbrunnen empfohlen worden, um die Hitze in der Stadt erträglicher zu gestalten.

In diesem Zusammenhang ist sogar auf Antrag der FDP darüber beraten worden, ob in der Stadt, insbesondere bei Sportplätzen und Sporthallen, zusätzlich Wasserspender aufgestellt werden könnten. Die CDU plädierte dafür, auch Angebote an Schulen zu machen, wo sich die Schüler ihre Trinkflaschen mit Wasser auffüllen können. Der Antrag wurde abgelehnt, soll aber in der Haushaltsdebatte für 2021 nochmals auf die Tagesordnung.

Die Brunnen werden normalerweise ab Mitte April angeschaltet und laufen bis Mitte Oktober von 7 bis 22 Uhr. In der Finanzkrise sind die Brunnen statt an sechs nur an vier Monaten, und das nur von 11 bis 20 Uhr, angeschaltet worden. Bemängelt wurde damals in den Stadtteilen, dass die Brunnen nur noch tröpfelten – also auch die Wassermenge, die einen Brunnen ausmacht, ausblieb.

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