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Energiehelden

Wie geht klimabewusster Einkauf?

Drittes Coaching der Energiehelden – Unterwegs auf dem Wochenmarkt – Stromverbrauch im Haushalt untersucht

Die Energiehelden beim Rundgang über den Wochenmarkt. Foto: Holm Wolschendorf
Die Energiehelden beim Rundgang über den Wochenmarkt. Foto: Holm Wolschendorf
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Foto: privat

Die Erzeugung von Nahrungsmitteln sowie deren Transport, Verarbeitung und Lagerung ist mit Energieaufwand verbunden. Verbraucher haben mehrere Stellschrauben, ihren persönlichen Fußabdruck zu verkleinern. Wie man beim Einkaufen nachjustieren kann, erfuhren die Energiehelden des städtischen Wettbewerbs „Nachhaltigkeit (ba)rockt“ kürzlich bei einer Marktführung.

„Auf dem Wochenmarkt lassen sich die Aspekte der Klimarelevanz unseres Lebensmittelkonsums gut aufzeigen“, begründet Katja Goll den Rundgang über den Wochenmarkt als Auftakt des Coaching-Moduls „Nachhaltiger Konsum“ mit Fokus Ernährung. Der Marktplatz liegt zentral und ist somit für viele Menschen gut zu Fuß, per Bus oder mit dem Fahrrad erreichbar. Dies sei keineswegs marginal, denn 16 Prozent der Autofahrten seien heute Einkaufsfahrten. So bestünde gerade auf diesem Feld noch großes Potenzial, bereits auf dem Weg zum Einkauf viel Energie einzusparen. Doch nicht nur die Verbraucher haben kurze Wege zum Markt, sondern auch viele der Produkte, insbesondere wenn sie direkt von regionalen Erzeugern angeboten werden.

Frisch, regional und saisonal

Auf kurze Wege der Produkte legt auch Daniel Henk Wert, der seinen Obst- und Gemüsestand wo möglich mit Ware regionaler Erzeuger der Verbände Bioland und Demeter bestückt. „Im Sommer ist das zu 90 Prozent möglich. Derzeit stammen immer noch rund 30 Prozent aus der Region“, sagt Henk. Aktuell gibt es etwa Wintersalate, verschiedenes Kraut, Rote Bete, Sellerie, Hokkaido, Zwiebeln, Kartoffeln, Karotten sowie Äpfel und Birnen. Ergänzt wird das Sortiment im Winter durch Bio-Gemüse aus Europa. Flugware sei für die meisten seiner Kunden tabu, so gebe es bei ihm im Winter keine Beeren oder Trauben. Bananen, die mit dem Schiff kommen, dagegen schon.

Eine vegane Eiweißquelle aus der Region hat Eberhard Simon im Angebot. Schon seit Tausenden von Jahren stehen Linsen im Südwesten auf dem Speiseplan der Menschen. In Kombination mit Getreide und Mehlspeisen bieten die Hülsenfrüchte eiweißreiche Mahlzeiten – ganz ohne Fleisch. Bis in die 1960er Jahre wurden auf der Schwäbischen Alb Linsen angebaut, dann wurde die Alb-Linse von billigeren Importprodukten verdrängt. Linsenanbau ist aufwendig, bringt wenig Ertrag pro Fläche und der Boden braucht ausgetüftelte Fruchtfolgen. Daran wagt sich heute wieder eine Erzeugergemeinschaft, die die Alb-Linse rekultiviert hat, nachdem diese hierzulande ausgestorben war und erst 2006 in einer Gen-Datenbank in St. Petersburg wiederentdeckt wurde. „Bio alleine reicht nicht“, mahnt Simon. So setzte sich die Bäckerei, deren Backwaren er samstags auf dem Markt verkauft, erfolgreich dafür ein, dass in der Region wieder Bio-Sonnenblumenkerne angebaut werden. Diesen ging es ähnlich wie der Linse, sie wurden zunehmend aus China importiert.

So war auch die Transparenz des Marktgeschehens ein Vorteil, den Goll benannte. Denn dort könne man nachvollziehen, wo die Produkte herkommen und warum sie ihren Preis haben. Noch ein Plus sei, dass die meisten Produkte unverpackt angeboten werden. So kaufe man nur so viel man auch brauche und spare Verpackungsmüll. Doch obwohl auf dem Markt bereits viele ihren Korb dabei haben, werden an jedem Markttag noch Tausende Plastik- und Papiertüten ausgegeben.

Stromfressern auf der Spur

Im zweiten Teil des Coachings sind die Energiehelden den eigenen Stromfressern auf die Spur gegangen. Mithilfe von Strommessgeräten haben sie den Standby-Verbrauch ihrer Haushalts- und Elektrogeräte gemessen. Da schlug die alte Stereoanlage mit vielen Kilowattstunden zu Buche, auch wenn sie gerade nicht läuft. Moderne Waschmaschinen und Trockner hatten hingegen oft einen erstaunlich geringen Standby-Wert.

Sven Roth von der Ludwigsburger Energieagentur (LEA) hat mit den Teilnehmenden einen typischen Haushalt nachgestellt und die gemessenen Werte eingegeben. Rechne man den Standby-Verbrauch auf Deutschland hoch, könnten insgesamt zwei Kraftwerke abgeschaltet werden, wenn alle deutschen Haushalte ihren Standby-Verbrauch kappen würden, erklärt Roth.

„Die Teilnehmenden aus dem Wettbewerb zeigen, auf was jeder und jede Einzelne achten kann, um im Alltag etwas klimaneutraler unterwegs zu sein“, so Anna Hoeffler, Projektleiterin des Wettbewerbs. „Hoffentlich lassen sich viele von den vorgestellten Themen und Taten anstecken.“ (red)

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