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Wieder Hochzeitskorso auf der Autobahn

Eine irakische Hochzeitsgesellschaft hat am Samstagnachmittag den Verkehr auf der Autobahn in Richtung Stuttgart stark behindert. Es ist nicht das erste Mal, dass Hochzeitsgesellschaften etwas übers Ziel hinausschießen.

Juni 2019, Köln: Fahrzeuge eines türkischen Hochzeitskorsos werden von der Polizei gestoppt. Archivfoto: dpa
Juni 2019, Köln: Fahrzeuge eines türkischen Hochzeitskorsos werden von der Polizei gestoppt. Foto: dpa

Kreis Ludwigsburg. Es war am Samstag, kurz nach 16 Uhr, als sich bei der Polizei mehrere Verkehrsteilnehmer per Notruf meldeten. Sie alle waren auf der A 81 im Bereich der Anschlussstelle Ludwigsburg-Nord unterwegs und hatten einen Autokorso beobachtet.

Laut Mitteilung der Polizei bestand der Korso aus zehn Fahrzeugen, die in Richtung Stuttgart fuhren und hierbei den rechten und den mittleren Fahrstreifen beanspruchten. Da die Teilnehmer ihre Geschwindigkeit auf bis zu 70 km/h gedrosselt hatten, hupten und das Warnblinklicht eingeschaltet hatten, entstand für weitere Verkehrsteilnehmer eine unklare Verkehrslage. „Es war für die nachfolgenden Fahrer nicht erkennbar, ob eine Gefahr vorausging, oder was der Grund für das geringe Tempo war“, so Polizeisprecherin Yvonne Schächtele.

Die nachfolgenden Autos waren gezwungen abzubremsen, die Fahrer leiteten vermutlich aus Unsicherheit kein Überholmanöver ein. Zwei Streifenwagenbesatzungen der Verkehrspolizeiinspektion Ludwigsburg sowie eine Besatzung des Polizeirevieres Leonberg fahndeten schließlich nach dem Korso.

Kurz nach dem Engelbergtunnel stellte eine Streifenwagenbesatzung die zehn Fahrzeuge fest. Mittels Leuchtzeichen konnten alle Fahrzeuge an der Tank- und Rastanlage Sindelfinger Wald von der Autobahn herunter gelotst und einer Kontrolle unterzogen werden.

Wie sich hierbei herausstellte, handelte es sich bei den Beteiligten um eine irakische Hochzeitsgesellschaft. Darunter befanden sich insgesamt drei Frauen und 18 Männer im Alter zwischen 18 und 44 Jahren, die größtenteils aus dem Heilbronner Raum stammten. Laut Schächtele vermutet die Polizei, dass der Korso in Neckarsulm auf die Autobahn eingefahren war.

Die Verkehrspolizeiinspektion, Telefon (0711) 68690, sucht weitere Zeugen und insbesondere Verkehrsteilnehmer, die durch den Autokorso gefährdet wurden. Die Ermittlungen dauern an.

Bereits in der Vergangenheit kam es immer wieder zu Zwischenfällen im Zusammenhang mit Hochzeitskorsos. Laut Polizeisprecherin Schächtele könne man jedoch nicht von einem Anstieg solcher Verkehrsbehinderungen sprechen.

Zuletzt hatte im vergangenen November ein türkischer Hochzeitskorso für einen Großeinsatz der Polizei gesorgt, dieser hatte sich von Marbach nach Ludwigsburg bewegt. Damals waren 14 Fahrzeuge beteiligt. Es waren auch Schüsse aus einer Schreckschusswaffe gefeuert worden.

Im April zuvor brachte ein Korso den Verkehr in der Innenstadt zum Erliegen. Auch im Juli 2019 legte ein Hochzeitskorso den Verkehr im Stadtzentrum lahm. Auch damals wurden aus den Autos, die in türkische Flaggen gehüllt waren, Schüsse aus Gaspistolen abgefeuert.

Auch auf der Autobahn war es schon einmal zu Verkehrsbehinderungen aufgrund eines Hochzeitskonvois gekommen. Im März 2019 blockierten mehrere Teilnehmer einer türkischen Hochzeitsgesellschaft die A 81 bei Möglingen.

„Mit einem normalen Hochzeitskorso haben wir kein Problem“, sagt Yvonne Schächtele. Das sei normal, wenn Gäste von der Trauung gesammelt zum Ort der Feier unterwegs seien. Dass da auch mal gehupt werde, dafür habe die Polizei Verständnis. „Wenn aber Verkehrsgefährdung oder Nötigung ins Spiel kommen, wird es problematisch.“ In einem Handzettel der Polizei, der unter anderen in den Standesämtern ausliegt, heißt es dazu: „Es ist immer schön, wenn es etwas zu feiern gibt. Aber wenn die Mitbürger durch das Verhalten der Feiernden unverhältnismäßig behindert oder gar gefährdet werden, dann kann das nicht mehr toleriert werden. Gerade bei Hochzeitskorsos schlagen die Beteiligten zuletzt häufig über die Stränge.“

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