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Wirtschaftslage:Firmen im Kreis Ludwigsburg sind verunsichert

Umfrage unter Mitgliedsfirmen der IHK Ludwigsburg: Noch ist die Geschäftslage zumeist mehr als zufriedenstellend, allerdings nimmt mit Blick auf die nächsten Monaten angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung die Skepsis nimmt zu

Noch recht zufrieden sind die Mitgliedsfirmen der IHK Ludwigsburg mit ihrer wirtschaftlichen Situation, aber mit Blick auf die nächsten Monaten macht sich Skepsis breit. Foto: Ramona Theiss
Noch recht zufrieden sind die Mitgliedsfirmen der IHK Ludwigsburg mit ihrer wirtschaftlichen Situation, aber mit Blick auf die nächsten Monaten macht sich Skepsis breit. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Trotz der gegenwärtig schwierigen wirtschaftlichen Situation schätzt die Mehrheit der IHK-Mitgliedsfirmen im Kreis Ludwigsburg ihre momentane Geschäftslage noch als „gut“ bis „befriedigend“ ein. In der Frühsommerumfrage der IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg geben 47,2 Prozent der befragten Unternehmen ihre Lage als „gut“ an, von „schlecht“ sprechen nur 13,3 Prozent der Befragten – was in etwa dem Niveau der Umfrage zum Jahresbeginn entspricht (48 zu 13). Und für 39,6 Prozent der befragten Firmen ist die Situation immerhin noch „befriedigend“. Das geht aus der Mitteilung der IHK Ludwigsburg zur Wirtschaftslage im Kreis Ludwigsburg hervor.

Unterschiedliche Einschätzung der künftigen Lage

Mit Blick auf die zukünftige Geschäftslage fällt die Frühsommerumfrage dann schon unterschiedlicher aus. Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen erwartet eine gleichbleibende Geschäftslage, 29,6 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung und 20,7 Prozent mit einer Verbesserung ihrer geschäftlichen Situation.

„Die unkalkulierbaren Folgen des Krieges in der Ukraine, die gestörten Lieferketten, die enorm gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise sowie die andauernden Preisanstiege belasten im Frühsommer 2022 auch die Unternehmen im IHK-Bezirk Ludwigsburg ganz erheblich“, kommentiert die Leitende Geschäftsführerin Sigrid Zimmerling die aktuellen Ergebnisse.

Die Unsicherheiten über die weitere Entwicklung sorgen auch für Anpassungen bei den Investitions- und Beschäftigungsplanungen für die kommenden zwölf Monate. Die Saldowerte aus expansiven minus restriktiven Antworten gehen bei den Investitionsplänen von rund 20 auf 14, bei den Beschäftigungsplänen von 18 auf sieben Prozentpunkte zurück.

Steigende Energiepreise als häufigstes Risiko genannt

Die von den Unternehmen am häufigsten genannten Risiken für ihre weitere Geschäftsentwicklung sind höhere Energiepreise mit 75 Prozent Nennungen (nach 53 Prozent zu Jahresbeginn), gefolgt von steigenden Rohstoffpreisen mit gut 70 Prozent (nach 55 Prozent zu Jahresbeginn). Bei den Industriebetrieben liegen die entsprechenden Nennungen sogar bei 81 beziehungsweise 93 Prozent. Im Risikoranking der Gesamtwirtschaft werden dann der Fachkräftemangel mit rund 61 und steigende Arbeitskosten mit 45 Prozent genannt.

Aus der Industrie lauten die Lagebewertungen dank vorhandener Auftragsbestände ganz überwiegend gut und befriedigend (rund 60 beziehungsweise 26 Prozent). Die Geschäftserwartungen für die nächsten zwölf Monate sind dagegen von einiger Skepsis geprägt, zu der auch eine aktuell schwächere Tendenz beim Auftragseingang beiträgt: Die Anteile der Erwartungen „verbessern“ und „verschlechtern“ halten sich mit rund 24 Prozent die Waage. Zu Jahresbeginn lag dieses Verhältnis noch bei 42 zu elf Prozent.

Baugewerbe rechnet mit Verschlechterungen der Lage

Im Baugewerbe prägen Rückmeldungen mit „befriedigend“ und „gut“ das Lagebild. Bei den Erwartungen zeigen sich jetzt aber viele „Verschlechtern“-Einschätzungen. Die bislang starke Nachfrage im Wohnungsbau wird durch steigende Bau- und Finanzierungskosten abgebremst. Im breitgefächerten Dienstleistungssektor beträgt der Saldowert aus „gut“ minus „schlecht“ der Lagebewertungen rund 25 Prozentpunkte, knapp fünf Punkte unter dem vom Jahresbeginn (Lageangaben aktuell rund 39 Prozent gut und 14 Prozent schlecht). Allerdings wird hier mit einer Eintrübung gerechnet. Viele industrienahe Dienstleister sind noch zufrieden, erwarten aber eine schwächere Nachfrage, auch durch Verzögerungen bei Neuaufträgen.

Gastgewerbe kommt aus dem Corona-Tall

Das Gastgewerbe kommt zwar langsam aus dem Corona-Tal, ist aber noch weit von Normalität entfernt, zumal Fachkräfte händeringend gesucht werden. Das Transportgewerbe ist laut Umfrage von den massiven Dieselpreiserhöhungen betroffen, kämpft mit Fahrermangel und ist auf Kostenweitergabe angewiesen. Der Handel bewegt sich bei der Lagebewertung auf dem Niveau vom Jahresbeginn (38 Prozent „gut“, etwas mehr als acht Prozent „schlecht“). Bei den Erwartungen für die nächsten Monate gehen von den befragten Firmen knapp elf Prozent von „verbessern“ und 38 Prozent von „verschlechtern“ aus. Im Großhandel sorgt man sich um eine schwächere Nachfrage aus der Industrie und dem Baugewerbe. Im Einzelhandel befürchtet man, dass steigende Energie- und Lebensmittelkosten die Konsumneigung drücken. (red)