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Südstadt

Wüstenrot: Keine Lösung für den Verkehr

Der Neubau der Wüstenrot-Zentrale direkt vor den Toren Ludwigsburgs sorgt weiter für Ärger. Bisher herrscht Ratlosigkeit darüber, wie ein Verkehrskollaps in der Südstadt verhindert werden kann.

Die Kreuzung am südlichen Ortseingang bei Wüstenrot soll schöner werden.Foto: Wolschendorf
Die Kreuzung am südlichen Ortseingang bei Wüstenrot soll schöner werden. Foto: Wolschendorf

Ludwigsburg. Es ist einer der bittersten Umzüge, den die Stadt Ludwigsburg verkraften muss. Die Bausparkasse Wüstenrot baut sich derzeit auf Kornwestheimer Markung eine neue Zentrale. Die liegt zwar nur wenige Meter neben dem heutigen Standort des Ludwigsburger Traditionsunternehmens, trotzdem wird die Gewerbesteuer künftig nach Kornwestheim fließen.

Und es kommt noch bitterer. Da Wüstenrot seine Standorte künftig in Kornwestheim konzentriert, steigt die Anzahl der Mitarbeiter bis 2023 von 3200 auf 4700. Viele von ihnen werden mit dem Auto kommen. Und wer von Norden kommt, der muss durch Ludwigsburg. Der Südstadt droht damit ein Verkehrskollaps. Kein Wunder also, dass die Stadtverwaltung, aber vor allem Stadträte und Anwohner seit Monaten in Aufruhr sind. Auch unlängst, als es im Bauausschuss um die Verkehrssituation vor dem Wüstenrot-Areal ging, kochten die Emotionen wieder hoch.

Momentan wird die Frage diskutiert, wie die Kreuzung an der Ortseinfahrt (Foto), die auch GdF-Knoten genannt wird, umgebaut werden soll. Ludwigsburg möchte hier seinen Ortseingang verschönern und gleichzeitig die Straßen zurückbauen – also eigentlich keinen Verkehrsknoten. Denn die Autofahrer sollen abgeschreckt werden. Außerdem, so Baubürgermeister Michael Ilk, soll berücksichtigt werden, dass an dieser Kreuzung zwei historische Alleen zusammenlaufen, die Salonallee und die Hohenzollernstraße. Beim Verkehr setzt Ludwigsburg auf Rad- und Fußwege, sowohl vom Ludwigsburger als auch vom Kornwestheimer Bahnhof zu Wüstenrot. Außerdem soll das Unternehmen an die Stadtbahn angeschlossen werden – wenn diese eines Tages tatsächlich gebaut wird.

„Es geht nicht darum, dass wir den Knotenpunkt ausbauen wollen, um dort mehr Verkehr abwickeln zu können“, so Kornwestheims Stadtplaner Christian Kübler, der für die Diskussion in den Ausschuss gekommen war. Allerdings sollte die Kreuzung so umgebaut werden, dass Busse aus Kornwestheim dort wenden können. Das ist bisher nicht möglich.

Reichen diese Vorschläge, um den Pendlerverkehr im Griff zu behalten? Die Fraktionen sind skeptisch. Reinhold Noz (CDU) schlägt vor, den Verkehr auf der anderen Seite der Gleise über die Eisenbahnstraße und dann durch den sogenannten Domertaldurchlass zu Wüstenrot zu führen. „Damit könnten die Salonallee und die Hohenzollernstraße entlastet werden.“ Sonst sehe er jedenfalls im Moment keine vernünftige Lösung.

„Wir wollen Ihren Verkehr nicht bei uns haben“, stellte Christine Knoß (Grüne) gegenüber dem Vertreter aus Kornwestheim klar. Ihr wäre am liebsten, wenn die Pendler mit der Bahn kommen und dann auf Busse oder das Fahrrad umsteigen. „Es regnet weiß Gott nicht jeden Tag“, so Knoß. Man bräuchte aber einen ordentlichen Fahrradweg.

Margit Liepins (SPD) war bei diesem Sitzungspunkt unklar, was die Verwaltung eigentlich mit den Stadträten besprechen wollte. Es gebe keine Vorlage zu dem Punkt und somit auch nichts zu entscheiden. Sie brachte aber Verkehrsuntersuchungen ins Spiel. Eine Idee, die andere Stadträte im Laufe der Sitzung aufgriffen. Bernhard Remmele von den Freien Wählern ist überzeugt, dass man den Anwohnern der Hohenzollernstraße und der Salonallee den wachsenden Verkehr nicht zumuten kann. Elga Burkhardt (Lubu) bemängelte, dass Wüstenrot und Kornwestheim aufs Auto setzen.

„Wir müssen auf mehrere Verkehrsarten setzen“, meinte Baubürgermeister Michael Ilk dazu. Auch ein massiver Ausbau des Busverkehrs sei den Anwohnern nicht zuzumuten. Die Verkehrssituation soll jetzt ausgearbeitet und dann im Bauausschuss vorgestellt werden.

Nach der Sitzung beantragte die CDU, dass zunächst ein Verkehrsgutachten erstellt werden soll. Dieses soll die Verkehrsauswirkungen der neuen Wüstenrot-Zentrale und eine mögliche Umgehung über die Eisenbahnstraße berücksichtigen. Ein Verkehrsgutachten der Stadt Kornwestheim hat für die unmittelbar an Wüstenrot angrenzenden Straßen schon eine Verkehrszunahme von bis zu 43 Prozent in den Stoßzeiten errechnet.

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