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Bahnhofsareal

ZOB erhält bis Ende 2022 ein neues Gesicht

Ziel: Busbahnhof als multifunktionale Mobilitätsdrehscheibe für Busse, Radler, Fußgänger und eines Tages auch die Stadtbahn – Raum sehr begrenzt

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Ein aus Einzelschirmen zusammengesetztes Lamellenholzdach mit integrierter Photovoltaikanlage wird die großzügiger als bisher angelegten Wartebereiche an den Bushaltestellen überspannen.Grafik: Stadt Ludwigsburg
Ein aus Einzelschirmen zusammengesetztes Lamellenholzdach mit integrierter Photovoltaikanlage wird die großzügiger als bisher angelegten Wartebereiche an den Bushaltestellen überspannen. Foto: Stadt Ludwigsburg
Der ZOB heute: In die Jahre gekommen und für die Anforderungen moderner Mobilität unzureichend.Foto: Holm Wolschendorf
Der ZOB heute: In die Jahre gekommen und für die Anforderungen moderner Mobilität unzureichend. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. BRT-Schnellbusse, attraktivere Angebote für Busse und Bahnen mit engerer Taktung, immer mehr Radler, bald auch E-Scooter-Fahrer und eines Tages wohl zudem die Stadtbahn – die Zukunft naht mit Riesenschritten. Höchste Zeit also, die Neugestaltung des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) als die wichtigste Mobilitätsdrehscheibe in der Stadt nach Jahren der Diskussion und einem Gestaltungswettbewerb praktisch anzugehen.

Was die Stadtplaner bislang nach Abstimmung mit dem Landratsamt, VVS, Ludwigsburger Verkehrslinien und dem Landratsamt ausgetüftelt haben, haben sie den Stadträten jetzt im Ausschuss für Bauen, Technik und Umwelt in einem ersten Überblick vorgestellt.

Ziel ist „die Entflechtung der unterschiedlichen Verkehrsarten für ein konfliktfreies Miteinander im Bahnhofsbereich“. Trotzdem wird es laut Oliver Linder vom Fachbereich Stadtplanung und Vermessung „eine sehr kompakte Anlage“ aufgrund der räumlichen Begrenzung durch die Musikhalle und die Häuserzeile daneben und trotz dem geplanten Abriss der Ladenzeile entlang der Bahngleise.

Die Idee einer Anordnung der Haltestellen in Sägezahnform wurde verworfen. Vorgesehen sind nun acht flexibel nutzbare Bussteigkanten, jeweils 50 Meter lang und mit insgesamt 26 Bushalteplätzen bestückt. Auch Gelenkbusse und BRT können dort halten. Die Niederflurstadtbahn wird dann nicht wie ursprünglich geplant nahe der Bahngleise, sondern entlang der Häuserzeile verkehren (siehe Skizze), wozu laut Linder dann „keine grundlegenden Umbauten“ mehr nötig sein werden, zumal zu ihren Betrieb auch die vorhandenen Bussteigkanten genutzt werden können. Die Mittelinsel für Passagiere wird von fünf auf acht Meter verbreitert und mit Sitzbänken, Mülleimern und einer Toilettenanlage bestückt. Wartende Fahrgäste sind dort vor Regen und Schnee geschützt, versichert Linder.

Für den Haltestellenbereich und eine Radlerrampe werden laut Linder einige der Bäume auf der Seite der Bahngleise weichen müssen. Dafür würden aber auf der gegenüberliegenden Seite etliche neu gepflanzt. Zur Überdachung der Bushaltestellen sind modular zusammengesetzte Einzelschirme aus Holz vorgesehen. Die Lamellenkonstruktion wird mit Glas bedeckt und mit Photovoltaikmodulen bestückt sein.

Enttäuschung für die Radler: „Es wird keinen durchgängigen Radweg geben, das lässt der Platz nicht zu“, so Linder. ZOB und Bahnhof werden aber aus allen Himmelsrichtungen und teils über Radrampen erreichbar sein. Fußgänger sollen von einem großzügig gestalten Bahnhofsvorplatz zwischen Bahnhofsgebäude und Musikhalle profitieren. Eine zweite Unterführung soll ihnen – frühestens 2022 bis 2024 – den Zugang vom ZOB zu den Bahnsteigen erleichtern.

Kosten wird diese Umgestaltung die Ende 2022 fertig sein soll, samt der dann nötigen Abdichtung des Tunnels unter dem ZOB voraussichtlich rund 22,5 Millionen Euro, wobei die Stadt auf öffentliche Fördermittel in Höhe von knapp zwei Millionen Euro hofft.

„Bauarbeiten im Schichtbetrieb“ forderte der CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus Herrmann. „Wir wollen unnötige Belastungen anderer möglichst vermeiden.“ Besonders wichtig sei auch, „dass die Freiräume auf dem Bahnhofsvorplatz gut gestaltet werden und dass die Taxistellplätze am Bahnhofsausgang zur Innenstadt erhalten bleiben.“ Auch den Freien Wählern ist laut Andreas Rothacker eine ansprechende Vorplatzgestaltung überaus wichtig. „Es muss gewährleistet sein, dass die für den Betrieb der Niederflurstadtbahn nötigen Leitungen und Kabel gleich mitgeplant werden“, forderte hingegen Stadträtin Christine Knoß (Grüne). Die SPD-Fraktionsvorsitzende Margit Liepins lobte das „optisch schöne Holzdach“, forderte aber, dass die Toiletten – anders als bislang – auch tagsüber geöffnet werden, sowie einen Raum, in dem Fahrgäste auch bei schlechtem Wetter länger im Trockenen verweilen können. Laut Oliver Linder ist dies auf der Mittelinsel möglich. Lubu-Stadträtin Elga Burkhardt fürchtet aber, dass die Menschen dort den kräftigen Westwinden ausgesetzt sein werden und forderte entsprechenden Schutz sowie „sicher gestaltete Fußgängerwege“. Stadtrat Harald Lettrari mahnte, „die neue, zweite Unterführung immer mitzudenken“.

Info: Die detaillierten Gestaltungspläne für den ZOB werden am Donnerstag, 18. Juli, in der ersten Sitzung des neuen gemeinderätlichen Ausschusses für Mobilität, Sicherheit und Tiefbau vorgestellt.

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