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Kinderbetreuung

Zu wenig Plätze für die Kleinsten

Im Landkreis steigt die Zahl der Kinder immer weiter an. Folglich braucht es ständig mehr Betreuungsplätze. Vor allem für die unter Dreijährigen gibt es nicht genug.

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Kreis Ludwigsburg. Mit einer guten Nachricht startete Anja Beckmann, Fachbereichsleiterin Jugendhilfe im Landratsamt Ludwigsburg, gestern in die Sitzung des Jugendhilfeausschusses: Laut der Bertelsmann-Stiftung ist der Personalschlüssel in den Kindertagesstätten im Kreis besser als empfohlen. Dennoch kämpfen viele Kommunen mit demselben Problem: Es gibt zu wenig Betreuungsplätze für die Kleinsten.

Das ist kein Wunder, denn die Kinderzahlen steigen seit 2012 beständig an. 73 719 Jungen und Mädchen lebten 2017 im Kreis, das sind 3986 mehr als fünf Jahre zuvor. „Auch in den kommenden Jahren ist mit steigenden Zahlen zu rechnen“, so Beckmann. Am deutlichsten sei der Anstieg bei den Null- bis Dreijährigen zu sehen. In dieser Altersgruppe fehlen auch die meisten Betreuungsplätze. 16 887 Kinder sind derzeit unter drei Jahre alt. Für diese stehen – Stand 1. März 2018 – 5415 Betreuungsplätze zur Verfügung. 32,07 Prozent in dieser Altersspanne können also betreut werden. Im Vergleich zum Vorjahr fällt der Versorgungsgrad etwas ab: Zum 1. März 2017 lag er bei 32,4 Prozent. Dabei wurden für dieses Jahr 169 Betreuungsplätze mehr geschaffen. „Wegen der stark steigenden Kinderzahlen ist der Versorgungsgrad dennoch wieder niedriger“, so Beckmann.

Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz haben nur die Kinder, die älter als ein Jahr alt sind. Klammert man die unter Einjährigen aus, liegt der Versorgungsgrad bei 40,61 Prozent. Dennoch steigt auch die Zahl der Kleinsten, die betreut werden. 2017 gab es 69 Betreuungsplätze für Null- bis Einjährige, in diesem Jahr sind es bereits 90 Plätze.

Um einer Unterversorgung entgegenzuwirken, ist ein Ausbau für 2019 geplant: Insgesamt sollen 300 neue Krippenplätze für Null- bis Dreijährige geschaffen werden. Am meisten Krippenplätze sind in Besigheim (70) und Ludwigsburg (60) vorgesehen. Doch auch Gerlingen (30), Ditzingen, Freiberg, Marbach und Schwieberdingen (jeweils 20) planen mehr Betreuungsplätze für Null- bis Dreijährige ein. In Benningen möchte man dem Mangel mit 14 zusätzlichen Kindergartenplätzen für Zweijährige entgegenwirken, Asperg baut mit 18 Plätzen die Tagespflege aus. Auch die Zahl der Buben und Mädchen ab drei Jahren bis zum Schuleintritt ist in den vergangenen Jahren gestiegen: 18 338 Kinder dieser Altersgruppe lebten zum 1. März 2018 im Kreis. Für sie standen 18 779 Betreuungsplätze zur Verfügung. Das entspricht einem Versorgungsgrad von 102,4 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr (102,2 Prozent) blieb diese Quote nahezu gleich. Insgesamt 372 Tagesmütter und -väter gibt es derzeit im Kreis. Die Zahl blieb im Vergleich zum Vorjahr stabil. Das entspreche dem Trend in ganz Baden-Württemberg, so Beckmann. Da die freien Pflegeplätze um zehn auf 96 zurückgegangen sind, sei es wichtig, weitere Tagesmütter und -väter zu finden, so Beckmann.

Kreisrat Steffen Bühler (CDU) machte deutlich, dass Betreuungsplätze für alle Kinder nötig sind. „Die Kommunen strengen sich an und sind alle kräftig am Bauen“, versicherte der Besigheimer Bürgermeister. Mehr Plätze zu schaffen, sei das eine, so Kreisrätin Stefanie Liepins (SPD). „Allerdings muss auch die Qualität der Plätze stimmen“, gab die Ludwigsburgerin zu Bedenken.

Die Fraktionen bemängelten die Prognosen von vor einigen Jahren, denn laut diesen sollte es immer weniger Kinder geben. „Auf Prognosen kann man sich nicht verlassen“, sagte Hermann Dengel (Freie Wähler). Hans-Jürgen Kemmerle (Die Linke) sagte: „Es ist nicht überraschend, dass es immer mehr Kinder gibt.“ Es sei aber nicht gut, dass Kinder aufgrund von Platzmangel zum Teil nicht mehr die Möglichkeit haben, in ihrem Wohnort in die Krippe oder den Kindergarten zu gehen.

Das Problem sei gar nicht so sehr der Platzmangel, als vielmehr der Fachkräftemangel, so Helmut Fischer (Grüne). Man müsse den Beruf des Erziehers attraktiver gestalten. „Da sind Bund und Land gefordert, mit Geld zu unterstützen“, forderte der Kreisrat aus Besigheim.

Dass Erzieher viel zu wenig verdienen, sei jedoch eine Fehleinschätzung, sagte Rudi Schrödel. „Es gibt keinen Berufsstand im öffentlichen Dienst, der in den vergangenen Jahren mehr Erhöhungen erhalten hat“, so der Geschäftsführer der Awo Ludwigsburg. Es seien andere Gründe, warum viele Menschen nicht mehr im Bereich der Kinderbetreuung arbeiten wollten.