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Kinderschutzbund
Zum Tag gegen Kinderarbeit: Fest mit ernstem Hintergrund vor dem Forum

Neben vielen Infos gibt es auch Möglichkeiten zum Spielen. Foto: Holm Wolschendorf
Neben vielen Infos gibt es auch Möglichkeiten zum Spielen. Foto: Holm Wolschendorf
Der Kinderschutzbund hat am Sonntag am Forum über ausbeuterische Kinderarbeit informiert. Anlass war der Internationale Tag gegen Kinderarbeit. Aber es gab nicht nur ernüchternde Fakten.

Ludwigsburg. Für Kinder gibt es in Ludwigsburg am Sonntagnachmittag wohl keinen besseren Aufenthaltsort als den im vergangenen Jahr eingeweihten Platz der Kinderrechte am Forum. Der Kinderschutzbund Ludwigsburg hat in Kooperation mit dem Eine-Welt-Forum, dem Jugend-Eine-Welt-Forum und weiteren Akteuren ein buntes Fest mit Ausstellungen, Lesungen und Spielstraßen auf die Beine gestellt.

Mitglieder der Brenz Band liefern musikalische Beiträge und haben Instrumente zum Ausprobieren mitgebracht, der Jugendgemeinderat bietet diverse Spielmöglichkeiten an und organisiert ein Gewinnspiel. „Mitmachen lohnt sich“, sagt eine Jugendgemeinderätin. „Die Kinder können Eiscreme gewinnen.“

Weltweit muss jedes zehnte Kind arbeiten

So bunt das Fest ist: Es findet vor einem ernsten Hintergrund statt, denn der Anlass ist der Internationale Tag gegen Kinderarbeit. Als Christa Holtzhausen die Gäste begrüßt, trägt die Vorsitzende des Kinderschutzbunds Ludwigsburg ernüchternde Fakten vor. Demnach muss weltweit jedes zehnte Kind arbeiten, fast die Hälfte davon im Grundschulalter. Rund 73 Millionen Kinder leiden unter gefährlicher oder ausbeuterischer Arbeit, etwa Zwangsarbeit, Prostitution oder dem Einsatz als Kindersoldaten.

36 Millionen Kinder können keine Schule besuchen, weil sie arbeiten müssen. „Kinder haben das Recht auf Schutz, Fürsorge und Förderung“, betont Holtzhausen. Doch auch wenn die Kinderrechte weltweit gelten: Für viele junge Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika sind sie bedeutungslos.

„Die Kinder haben keine andere Wahl, als zu arbeiten“

Jairo Hernandez Romero weiß das aus eigener Erfahrung. Er wuchs in Honduras auf, seine Eltern betreiben im Regierungsbezirk Santa Bárbara eine 20 Hektar große Kaffeeplantage mit 25 Angestellten. Von dort importiert Romero Kaffee, den er in seinem Geschäft in der Eberhardstraße verkauft, seit vergangenem Dezember betreibt er auch eine Kaffeerösterei. Er habe als Kind selbst auf der Plantage seiner Eltern gearbeitet, erzählt Romero, wenn auch freiwillig. „Ich konnte so etwas Geld verdienen und wollte meine Eltern unterstützen.“ Häufig sehe das aber anders aus. Kinderarbeit sei in ganz Zentral- und Südamerika verbreitet, so Romero. Viele Kinder müssten etwa als Straßenverkäufer zum Einkommen ihrer Familien beitragen.

„Die Armut ist das Problem“, sagt Romero. „Diese Kinder haben keine andere Wahl, als zu arbeiten.“ Seine Eltern haben sich mit anderen Plantagenbetreibern zusammengeschlossen und wollen nun eine Einrichtung aufbauen, in der die Kinder der Mitarbeiter betreut und unterrichtet werden, während ihre Eltern arbeiten.

In Deutschland sind ein Drittel aller Kinder von Armut betroffen

Auch Oberbürgermeister Matthias Knecht ist auf den Platz der Kinderrechte gekommen. Seine Frau Ulrike Krauß ist Schirmherrin des Kinderschutzbunds Ludwigsburg, für den OB ist der Schutz der Kinderrechte eine Herzensangelegenheit. „Bei Kinderarbeit denken wir in der Regel an das Zeitalter der Industrialisierung, als Kinder im Bergbau oder der Schwerindustrie arbeiten mussten“, meint Knecht. „Aber in vielen Regionen der Welt ist ausbeuterische Kinderarbeit auch heute noch Normalität, mit diesem Problem muss man sich auseinandersetzen.“

In Deutschland ist Kinderarbeit weitgehend überwunden. Dennoch ist auch hierzulande nicht alles so rosig, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Knecht verweist darauf, dass in der Bundesrepublik etwa ein Drittel aller Kinder von Armut betroffen sind. „Kinderarmut ist auch bei uns ein großes Thema. Umso wichtiger ist es, dass wir in Ludwigsburg Institutionen haben, die allen Kindern Teilhabe im sportlichen, kulturellen und sozialen Bereich ermöglichen.“