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Wirtschaftskolumne
Mit den Wirtschaftsreformen muss es einfach schneller gehen

Michael Kempter ist beim Arbeitgeberverband Südwestmetall Leiter der Bezirksgruppe Ludwigsburg-Rems-Murr.
Michael Kempter ist beim Arbeitgeberverband Südwestmetall Leiter der Bezirksgruppe Ludwigsburg-Rems-Murr. Foto: Dominik Obertreis
Die Bundesregierung kann mehr tun, um sich gegen die Wirtschaftskrise zu stemmen, Bürokratie abzubauen und Sozialabgaben zu senken, meint unser Kolumnist.

Kreis Ludwigsburg. Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer langanhaltenden, tiefgreifenden Krise. Besonders deutlich wird dies in Baden-Württemberg, wo im vergangenen Jahr in der traditionell beschäftigungsstarken Industrie mehr als 30.000 Arbeitsplätze verlorengingen. Inzwischen sprechen Ökonomen nicht mehr nur von einer konjunkturellen Delle, sondern von einer fundamentalen Strukturkrise des Standorts. Hohe Steuern und Abgaben, eine überbordende Bürokratie, eine marode Infrastruktur sowie nicht wettbewerbsfähige Energiepreise belasten die Unternehmen stark.

In unserer Metall- und Elektroindustrie führt dies dazu, dass zunehmend Investitionen und Produktion ins Ausland verlagert werden – oft als letztes Mittel von Betrieben, die lange Zeit an ihrem heimischen Standort festgehalten haben.

Zu den systemischen Defiziten gesellen sich derzeit geopolitische Instabilitäten. Der Ausbruch des Iran-Krieges hat die bisherigen Prognosen für ein geringfügiges Wachstum im Jahr 2026 hinfällig gemacht. Sollte es zu einer länger anhaltenden Blockade der Straße von Hormus kommen, wäre eine tiefgreifende Energie- und Wirtschaftskrise eine reale Gefahr.

Zwar hat die Bundesregierung nur begrenzten Einfluss auf die geopolitischen Krisen – sie kann aber die Rahmenbedingungen am heimischen Standort signifikant verbessern. Zumal diese Krisen sicherlich nicht die einzige Ursache für die aktuellen Problemlagen sind.

Bislang bleibt die Geschwindigkeit der angekündigten Reformen deutlich hinter den Erwartungen zurück. Die Prozesse für viele Reformen ziehen sich lange hin und die Ergebnisse sind bislang nicht überzeugend. Der 2025 vollmundig von Bundeskanzler Friedrich Merz angekündigte Herbst der Reformen zieht sich nunmehr in das Frühjahr dieses Jahres – der erwartete Befreiungsschlag für die Wirtschaft ist bislang ausgeblieben.

Aus Sicht von Südwestmetall sind die notwendigen Hebel offensichtlich. Erforderlich sind ein konsequenter Abbau bürokratischer Hürden auf allen Verwaltungsebenen, die Rückführung der Sozialabgaben auf unter 40 Prozent des Bruttolohns sowie international wettbewerbsfähige Steuersätze und Energiepreise. Die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts muss nun ganz oben auf der Prioritätenliste der Politik stehen. Geredet worden ist genug, jetzt muss gehandelt werden.

Info: Zum 1. Januar 2026 wurden die Bezirksgruppen Ludwigsburg und Rems-Murr des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall zusammengelegt. Seitdem firmieren sie unter dem Namen Bezirksgruppe Ludwigsburg-Rems-Murr. Die Leitung der zusammengeführten Bezirksgruppe übernahm zu Beginn des Jahres Michael Kempter, bisher Geschäftsführer der Bezirksgruppe Rems-Murr.