Doris Hoppe, Geschäftsführerin Südwestmetall-Bezirksgruppe Ludwigsburg
Die Bundestagswahl liegt hinter uns, und die Koalitionsgespräche laufen auf Hochtouren. Jetzt ist aus der Sicht von Südwestmetall und unserer Unternehmen der Moment gekommen, um wirtschaftspolitische Weichen für die Zukunft zu stellen. Das bereits vor der Regierungsbildung vereinbarte Sondervermögen ist ein gutes Zeichen, doch nun gilt es, mit strategischem und effizientem Handeln daran anzuschließen. Unternehmen und Bürger erwarten klare Maßnahmen, um die wirtschaftliche Krise zu bewältigen und langfristig stabile Rahmenbedingungen zu schaffen.
Eine der größten Hürden für die Wirtschaft bleibt die hohe Abgabenlast. Im internationalen Vergleich zahlen deutsche Unternehmen überdurchschnittlich hohe Steuern und Sozialabgaben, die Investitionen und Innovationen hemmen. Eine neue Bundesregierung muss deshalb dringend eine Senkung der Abgabenquote auf maximal 40 Prozent anstreben. Dies erfordert eine tiefgreifende Reform der sozialen Sicherungssysteme, um eine nachhaltige und generationengerechte Entlastung zu gewährleisten.
Ein weiterer kritischer Punkt sind die Energiekosten. Hohe Preise und Unsicherheiten bei der langfristigen Versorgung stellen erhebliche Standortnachteile dar. Unternehmen fordern hier verlässliche Rahmenbedingungen, um Planbarkeit zu gewährleisten und die Wirtschaft nicht weiter zu belasten.
Darüber hinaus erschwert eine wachsende Bürokratie den Unternehmen das wirtschaftliche Handeln. Der bisherige Ansatz „One in, one out“ bei neuen Regulierungen reicht nicht aus. Es bedarf eines konsequenten Bürokratieabbaus auf allen Verwaltungsebenen – von der kommunalen bis zur Bundesebene. Zudem müssen Planungs- und Genehmigungsverfahren erheblich beschleunigt werden. Eine Modernisierung der digitalen Infrastruktur muss diesen Abbau zusätzlich unterstützen und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärken.
Ein weiteres drängendes Problem ist der Fachkräftemangel. Die gegenwärtigen Krisen und die wirtschaftliche Rezession haben dieses Thema in den Hintergrund gedrängt, doch die demografische Entwicklung lässt keinen Zweifel daran, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Der bevorstehende Renteneintritt der Babyboomer-Generation wird große Lücken auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen. Deshalb muss die Politik verstärkt auf Bildung, Weiterbildung und eine gezielte Fachkräftezuwanderung setzen. Nur mit hochqualifizierten und motivierten Arbeitskräften lassen sich die Herausforderungen der Transformation, insbesondere in den Bereichen Verkehr und Energie, bewältigen.
Angesichts dieser Herausforderungen ist klar: Die neue Bundesregierung muss diese Reformen nicht nur priorisieren, sondern auch fest im Koalitionsvertrag verankern. Ohne entschlossene Maßnahmen droht Deutschland weiter an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren und seinen wirtschaftlichen Wohlstand zu gefährden.
