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Geschichten vom Markt

Ein Blumenkind für jede Jahreszeit

An ihrem Stand auf dem Ludwigsburger Weihnachtsmarkt bietet Anneliese Volz Figuren aus Filz an

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Alles handgemacht: Ein buntes Puppen-Völkchen hat Anneliese Volz mitgebracht. Foto: Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Das Wort Puppe ist eine maßlose Übertreibung. Bei den kleinen Figuren aus Filz, die Anneliese Volz an Stand 103 auf dem Weihnachtsmarkt verkauft, handelt es sich eher um Püppchen. Zwischen vier und 14 Zentimeter groß sind die Blumenkinder nach Waldorfart, die den Betrachter mit ihren aufgestickten Augen anzuschauen scheinen. In der Gestaltung spiegelt sich die botanische Vielfalt der Natur. „Jede Figur habe ich mir selbst ausgedacht und selbst gemacht“, betont die Kunsthandwerkerin aus Hemmingen. In diesem Jahr ist sie zum ersten Mal auf dem barocken Weihnachtsmarkt vertreten.

35 Jahre ist es her, seit sie die ersten Puppen gefertigt hat. Damals waren ihre Kinder noch klein und hatten ihre helle Freude an den Blumenkindern. Doch auch in Familien- und Freundeskreis kamen die gefilzten Figuren gut an und die Nachfrage stieg. Anneliese Volz ist mittlerweile vor allem auf Kunsthandwerkermärkten vertreten. Ihren Stand für den Weihnachtsmarkt hat sie sich nach eigenen Vorstellungen bauen lassen. „Er passt zu mir und meinem Angebot“, ist die Frau aus Hemmingen überzeugt.

Den Stoff für die Röcke, Kleider oder Blumen filzt Anneliese Volz in verschiedenen Techniken und schneidet sie dann passend aus. Damit die filigranen Blütenstengel Halt bekommen, zieht sie feinen Draht ein. Die weichen Köpfe fertigt sie zum Teil nach Käthe-Kruse-Art. Sie sind mit Schafwolle gefüllt und Trikotstoff überzogen.

Die Puppen haben Haare aus feiner Märchenwolle, die Anneliese Filz zu Zöpfen flechtet oder zu Schnecken zusammenrollt. Die Pünktchen für Augen und Mund stickt die Kunsthandwerkerin auf. Sie braucht definitiv ein scharfes Auge und eine ruhige Hand für ihre filigranen Arbeiten. Abgesehen von einer kreativen Pause im Januar ist sie das ganze Jahr mit der Püppchenproduktion beschäftigt.

An ihrem Stand ist viel zu entdecken. Vorne rechts hängen die weißen Schneeflöckchenpuppen neben den Bengeles mit Flügeln und den Muffkindern. In die Kästen im vorderen Bereich hat Anneliese Volz die Säckchen-Blumenkinder, deren Körper aus einer Kugel geformt sind, einsortiert: Ihre Kopfbedeckungen und die gefilzten Miniaturblumen, die sie in der Hand halten, verraten, welche Pflanze sie darstellen sollen: Christrosen, Misteln, Lampionblumen, Primeln, Maiglöckchen, Löwenzahn, Sonnenblumen, Tannenzapfen, um nur einige zu nennen. Bei den Mützen, die einige dieser winzigen Puppen tragen, handelt es sich um die Hälften von Eicheln oder Buchen. Doch auch Nikoläuse, Krippenfiguren, Eulen und Schweinchen bietet sie an. Weich in der Hand liegen die Mini-Puppen, die auf einem Halbmond zu schlummern scheinen. Wie viele verschiedene Figuren sie auf dem Weihnachtsmarkt anbietet? Anneliese Volz lässt kurz den Blick schweifen: Mehr als 60 verschiedene Figuren beherbergt sie locker an ihrem Stand.

Die Idee zu den Blumenkindern stammt aus der Waldorfpädagogik: Je nach Jahreszeit werden kleine Tische mit den dazu passenden Püppchen, Elfen und Gnomen dekoriert. Dazu werden Früchte aus dem Garten, Gräser, frische Blumen, Zweige oder Steine arrangiert. Kindern soll auf diese Weise der Wechsel der Jahreszeiten näher gebracht werden.