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Geldstrafe nach Parkplatzstreit vor Café in Ludwigsburg

Für einen 44-jährigen Autofahrer, der vor einem Café in der Ludwigsburger Innenstadt einen Parkplatzstreit angezettelt hatte (wir berichteten), ging der Einspruch gegen einen Strafbefehl nach hinten los. Der Mann wurde jetzt vor dem Amtsgericht wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu jeweils 70 Euro verurteilt und muss damit mehr bezahlen, als im Strafbefehl von ihm verlangt wurde. Die Tatwaffe war eine Tageszeitung.

Ludwigsburg. Der Beschuldigte stellte schon am ersten Verhandlungstag in Abrede, einem 37-Jährigen, der einen Parkplatz vor dem Café besetzt hatte, eine zusammengerollte Zeitung ins Gesicht geschlagen zu haben. Das Gericht sah es aber als erwiesen an, dass der Mann am 2. Juni handgreiflich wurde. Der Streit um den Parkplatz eskalierte so, dass sich ein Zeuge zwischen die beiden Männer stellte, bis die Polizei schließlich die ganze Sache beendete.

Die Vorgeschichte: Der Angeklagte kam wie jeden Tag in der Mittagspause mit seinem Auto zu dem Café gefahren, um dort Kaffee zu trinken und Zeitung zu lesen. Direkt vor dem Lokal witterte er einen freien Parkplatz, aber der Verkehr staute sich zurück, weil gerade Schulschluss war und viele Schüler die Einbahnstraße überquerten. Im Stau stehend sah der Autofahrer aus Kornwestheim den 37-jährigen Geschädigten als Fußgänger in der Parklücke stehen. Dieser winkte immer wieder Autos ab, damit sein Freund, der im Halteverbot stand, direkt vor dem Café parken konnte. „Irgendwann“, so der Angeklagte, habe er gedacht: „Jetzt reicht es.“

Zunächst sprach er den 37-Jährigen aus Zuffenhausen im Vorbeifahren an, um mitzuteilen, dass dieser sich mit seiner Parkplatzbesetzung strafbar mache. Dann fuhr er in das nächste Parkhaus, marschierte ins Café und lieferte sich mit dem Parkplatzbesetzer ein Wortgefecht. Im Zuge des verbalen Schlagabtauschs („Du weißt ja schon, dass du gestört bist“ und „Du, pass auf, ich steh‘ jetzt gleich auf“), holte der Angeklagte mit seiner zusammengerollten Zeitung aus und schlug sie dem Parkplatzbesetzer so wuchtig ins Gesicht, dass dieser eine Kieferprellung erlitt.

Davon ging zumindest das Gericht aus und dafür gab es auch Augenzeugen. Der Angeklagte hingegen behauptete, er habe die Zeitung lediglich gegen die Scheibe des Cafés geworfen und den Parkplatzbesetzer nicht berührt. Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass der Angeklagte sehr wohl mit der Zeitung zugeschlagen hat. Sonst wäre nicht ein Augenzeuge dazwischen gegangen, um eine weitere Eskalation zu verhindern.

Aus der Sicht der Staatsanwaltschaft war der Parkplatzsucher auf den Parkplatzbesetzer „besonders wütend und sauer“ und habe wegen einer Nichtigkeit ein „erhebliches Aggressionspotenzial“ aufgefahren.

Der Schlag sei übrigens so wuchtig gewesen, sagte der Parkplatzbesetzer, dass er am nächsten Tag ins Krankenhaus gegangen sei.

Sympathisch scheinen sich die beiden Männer schon vorher nicht gewesen zu sein, denn der Geschädigte meinte, verbale Auseinandersetzungen mit dem nun Verurteilten sei er schon gewohnt gewesen.