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Kletterwald

Hoch oben in den Baumwipfeln

Eine kleine Plattform, zwölf Meter bis zum Boden und vor den Füßen nur ein dünnes Stahlseil: Was sich für viele wie ein Alptraum anhört, ist für andere der pure Nervenkitzel und vor allem viel Spaß.

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Im Partnerparcours können viele Übungen nur zu zweit erfolgreich absolviert werden (links). Die Plattformen befinden sich in einer Höhe von drei bis zwölf Metern.Fotos: Silke Latzel
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Ludwigsburg. „Kinder trauen sich oft viel mehr als Erwachsene“, sagt Stephan Coenen. Er ist der Geschäftsführer des Kletterwalds Illingen und betreut mit seinem Team die großen und kleinen Kletterer. „Sie haben keine Angst, und während die Kinder oben zwischen den Bäumen umherklettern, stehen die Eltern unten und sind ganz nervös.“ Seit 2011 gibt es den Kletterwald am südlichen Rand des Naturparks Stromberg-Heuchelberg, direkt an den Illinger Klosterseen. Einer dieser Seen ist auch in die Hauptattraktion des Kletterwaldes eingebunden: Vier Riesenseilrutschen à 150 Meter sind über das Gewässer gespannt – wer mutig ist, kann sich in eines der Seile einklinken und die Reise über das Wasser antreten.

„Angefangen haben wir mit 75 Übungen – eine Übung ist quasi die Verbindung zwischen zwei Plattformen – mittlerweile haben wir 120 und fast jede Saison kommt etwas Neues dazu“, so Coenen. Der 28-Jährige ist Sporttherapeut und hat den Park gemeinsam mit seinem Vater angelegt, der ebenfalls einen Klettergarten bei Lörrach betreibt. Auch seine Mutter ist Geschäftsführerin in einem Hochseilgarten in Bad Schönborn.

„Unser Publikum ist total gemischt: Familien, Rentnertreffs, Schulklassen, Betriebsausflüge oder Junggesellenabschiede – jeder kann hier etwas erleben.“ Der älteste Besucher, der durch die Baumwipfel geklettert ist, war 84 Jahre alt, erzählt Coenen. „Und er wollte auch unbedingt die Seilbahn über den See nehmen. Das hat mich schon sehr beeindruckt.“

Klettern darf jeder, der acht Jahre alt und mindestens 1,40 Meter groß ist. „Ansonsten braucht man eigentlich nur feste Schuhe, also keine Sandalen oder Flip-Flops, und bequeme Kleidung“, erklärt der 28-Jährige. Sind dann Helm, Gurt und Handschuhe – alles gehört zur Pflichtausstattung – angelegt, geht es los zum Sicherheitstraining. „Wir haben hier ausgebildete Trainer, die jedem Teilnehmer auf einem niedrigen Übungsfeld die Handgriffe erklären“, so Coenen. „Wir wollen wirklich erst von jedem sehen, dass er es kann, es soll ja nichts passieren.“

Neun verschiedene Parcours mit insgesamt 120 Übungen stehen den Kletterern zur Verfügung, die Plattformen befinden sich in einer Höhe zwischen drei und zwölf Metern. Festlegen auf einen Parcours muss man sich nicht – ab dem Eintritt in den Kletterwald hat man drei Stunden Zeit, nach Lust und Laune jede Kletterroute auszuprobieren. Besondere Highlights sind der Spinnennetzparcours und der Partnerparcours: Der Verlauf des Spinnennetzparcours ist so angelegt, dass man in verschiedenen Richtungen klettern, schwere Übungen umgehen und stattdessen leichtere machen kann. Der Partnerparcours ist so gebaut, dass die Übungen zum größten Teil nur zu zweit und mit guter Teamarbeit absolviert werden können. „Für Paare, die ihre Beziehung testen wollen, ist das natürlich ideal“, sagt Coenen und lacht.

Für unerfahrene Kletterer hat der Sporttherapeut einen wichtigen Tipp: „Nicht zu schnell zu hoch anfangen, sondern sich einfach Schritt für Schritt nach oben arbeiten und erst einmal auf den nicht so schweren Parcours sicher werden.“ Sollte es aber doch vorkommen, dass man sich überschätzt und weder vorwärts noch rückwärts kommt, ist das kein Beinbruch. „Ein Trainer ist ständig auf dem Gelände unterwegs und dreht Runden. Kommt man nicht mehr weiter, ist es das Beste, einfach laut um Hilfe zu rufen, dann kommt jemand.“

In den Ferien und vor allem am Wochenende oder an Feiertagen empfiehlt es sich, sich vor dem Besuch telefonisch anzumelden. Denn um Wartezeiten auf dem 1,5 Hektar großen Gelände zu vermeiden, ist die Maximalanzahl der Kletterer auf 122 begrenzt. „Kommen die Leute dann von weit her und müssen warten, weil keine Sicherheitsgurte mehr frei sind, ist die Enttäuschung schon spürbar“, sagt Coenen.

Wer einmal etwas Besonderes erleben möchte, hat die Möglichkeit, sich beim Mondscheinklettern nachts von Baum zu Baum zu schwingen . „Das ist schon etwas anderes, da man sich eigentlich nur noch auf seine Hände verlassen kann“, so der 28-Jährige.