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Kriminalität

Millionenschaden durch Einbrüche

Zahl auch 2015 nochmals gestiegen – Raum Marbach-Freiberg gemessen an der Bevölkerungsgröße besonders stark belastet

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Kreis Ludwigsburg. Der Anstieg hat sich zwar verlangsamt, dennoch hat das Polizeipräsidium Ludwigsburg im Kreis Ludwigsburg 2015 so viele Wohnungseinbrüche verzeichnet wie noch nie zuvor: Insgesamt wurden im Landkreis im vergangenen Jahr 616 Einbrüche verübt – gegenüber 2014 eine Zunahme von 17 Fällen oder 2,8 Prozent. Im Nachbarkreis Böblingen, der ebenfalls zum Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Ludwigsburg gehört, stieg die Fallzahl um 12,6 Prozent.

 


In beiden Landkreisen entstand bei insgesamt 1097 Einbrüchen – von denen es in 532 Fällen beim Versuch blieb – ein Gesamtschaden von über 2,8 Millionen Euro. Allein im Kreis Ludwigsburg richteten die Einbrecher einen Schaden von gut 1,5 Millionen Euro an.


Dagegen ging die Zahl der Einbrüche landesweit wie gestern berichtet um 9,1 Prozent zurück. Der Ludwigsburger Polizeipräsident Frank Rebholz erklärte diese gegenläufige Entwicklung in einem Gespräch mit unserer Zeitung vor allem damit, dass die Kreise Ludwigsburg und Böblingen in einem Ballungsraum mit sichtbarer Wirtschaftskraft und sichtbarem Wohlstand lägen, in denen Einbrecher erkennen könnten, dass und wo „etwas zu holen ist“. Ein Blick auf die Tatorte zeigt außerdem, dass die Nähe der Autobahn und der Bundesstraßen für die Täter eine maßgebliche Rolle spielt. Die deutliche Verlangsamung des Anstiegs der Einbruchszahlen gegenüber den beiden Vorjahren wertete Rebholz als Erfolg.

 

Setzt man die Fallzahlen ins Verhältnis zur Bevölkerungsgröße – die Polizei rechnet dabei die Summe der tatsächlich vorgefallenen Einbrüche auf eine Population von 100 000 Einwohner hoch –, so ergibt sich eine besonders starke Belastung für den Raum Marbach-Freiberg. Hier erreichen Benningen (16 Einbrüche), Murr (15) und Freiberg (32) hypothetische Häufigkeitswerte von über 200 Einbrüchen pro 100 000 Einwohnern, Marbach (24 Einbrüche) und Steinheim (19) von über 150. Insgesamt sind kleinere Städte und Gemeinden stärker von Einbruchskriminalität belastet als die größeren Städte: Unter den sechs Großen Kreisstädten im Kreis Ludwigsburg liegt nur Vaihingen mit 41 Einbrüchen bei der hochgerechneten Häufigkeitszahl von 144 auf einem ähnlich hohen Belastungsniveau. Im Durchschnitt ergibt sich für den Kreis Ludwigsburg eine Häufigkeitszahl von 117. Der Landeswert liegt mit 114 nur geringfügig darunter, die Belastungszahlen in den Kreisen Enz (182) und Heilbronn (167) sowie in der Stadt Stuttgart (147) hingegen deutlich darüber.
Trotz der Gründung der Ermittlungsgruppe Wohnungseinbruch im Jahr 2014 und ihrer personellen Verstärkung im vergangenen Jahr sowie intensivierter Kontrollen in der dunklen Jahreszeit ist die Aufklärungsquote bei Einbrüchen im Kreis weiter gesunken: 2015 konnte die Kripo nur noch in 7,8 von 100 Einbrüchen den oder die Täter ermitteln. Zum Vergleich: Im Kreis Böblingen erreichte die Aufklärungsquote den Wert von 16 Prozent, und auch im Kreis Ludwigsburg lag sie noch vor zwei Jahren bei 18,4 Prozent.

 

Im Blick auf die Täter zeigt sich, dass die Bandenkriminalität bei den Einbrüchen weiterhin eine wichtige Rolle spielt. Zwar stellen Deutsche mit 29 die größte nationale Gruppe unter den Tatverdächtigen in den beiden Landkreisen, darauf folgen aber Georgier mit 22 Tatverdächtigen in fast gleich Stärke. Ferner waren unter den insgesamt 87 ermittelten Tatverdächtigen sieben Litauer und sechs Kosovaren. In Böblingen konnte die Kripo ein bulgarisches Trio fassen, das auch in Bayern und Nordrhein-Westfalen Einbrüche verübt haben soll. 15 der 22 Georgier und drei der sechs Kosovaren reisten als Asylbewerber in Deutschland ein.

 

Kriminalstatistik

28 Straftaten weniger als im Jahr zuvor fielen 2015 insgesamt bei der Polizei im Landkreis Ludwigsburg an. Dennoch sind die alles in allem 24 106 Delikte der zweithöchste Wert in diesem Jahrzehnt. Nimmt man die Kriminalität im Nachbarkreis Böblingen hinzu, so hatte das Polizeipräsidium Ludwigsburg 2015 insgesamt 41 027 Straftaten zu bearbeiten. Dabei stiegen die in Ludwigsburg minimal rückläufigen Fallzahlen in Böblingen nochmals leicht an. Die Aufklärungsquote lag bei 60 Prozent und fiel dabei im Kreis Ludwigsburg mit 58,6 Prozent niedriger aus als in Böblingen (62,1 Prozent). Mit Ausnahme der Einbrüche liegt bislang noch keine Statistik für die einzelnen Deliktgruppen vor.