liebevoll – handgefertigt
04. Februar 2013

In jedem Fach steckt Kreativität

In angemieteten Regalen Selbstgemachtes verkaufen – Neues Konzept bewährt sich seit einem Jahr in Besigheim

Geballte Kreativität in Fächern: Bei „Liebevoll – Handgefertigt“ bieten mehr als 20 Kunsthandwerker ihre Produkte an.
Geballte Kreativität in Fächern: Bei „Liebevoll – Handgefertigt“ bieten mehr als 20 Kunsthandwerker ihre Produkte an.
Fotos: Holm Wolschendorf
An der Stange baumelt Modeschmuck.
An der Stange baumelt Modeschmuck.
Ulrike Köhler (links) und Silke Schneewolf bieten Kreativen aus der Region die Möglichkeit, sich zu präsentieren.
Ulrike Köhler (links) und Silke Schneewolf bieten Kreativen aus der Region die Möglichkeit, sich zu präsentieren.

Der Begriff Fachgeschäft erhält in dem Laden von Ulrike Köhler und Silke Schneewolf eine ganz neue Bedeutung. Die beiden Frauen bieten in Besigheim an der Hauptstraße 45 kreativen Kunsthandwerkern die Möglichkeit, einen Teil ihrer Ladenfläche zu mieten und einem fachkundigen Publikum anzubieten.

Das Angebot reicht vom Regalfach über Platz an einer Stange oder in einem Körbchen. Der Gedanke mutet genossenschaftlich an und ist eine klassische Win-Win-Situation. Auf diese Weise kann jeder ein Teil von „Liebevoll – Handgefertigt“ werden, so haben die beiden Frauen aus Löchgau ihren Laden nämlich benannt. Mehr als 20 Regalfachmieter bieten mittlerweile auf einer Fläche von rund 25 Quadratmetern ihre kreativen Schätze an.

Auf diese ungewöhnliche Idee sind die beiden Frauen, die sich schon eine halbe Ewigkeit kennen, aus einer Sektlaune heraus gekommen. „Eine Bekannte hatte mir von einem Regalfachgeschäft in Düsseldorf erzählt“, so Ulrike Köhler. Weil beide Frauen selbst viel nähen und selber machen, fanden sie die Idee reizvoll, so etwas auch in ihrer Heimat anzubieten.

„Erst wollten wir unser Geschäft ,Handwerkskammer‘ nennen“, erinnert sich Silke Schneewolf. Aber aufgrund der drohenden Verwechslungsgefahr haben sie dann davon Abstand genommen und sich für „Liebevoll – Handgefertigt“ entschieden. Mit fünf Regalfächern haben sie bei der Eröffnung vor mehr als einem Jahr begonnen. Seitdem sind viele neue Mieter hinzugekommen, die von der Idee einfach begeistert sind.

Die Kunden haben die Wahl zwischen vielen verschiedenen Produkten und Stilrichtungen. Ob Stoffschildkröten zum Knuddeln im

Patchworkstil, Stoffhüllen für Pixiebücher, Kinder-T-Shirts mit Applikationen, gefilzte Handytaschen, handgemachte Seifen, bemalte Holzschachteln, Häkeltiere, bemaltes Porzellan oder liebevoll verzierte Schmusetücher: Die Augen wissen nicht, wohin sie zuerst schauen sollen.

„Wir wollen keinen Massen-Einheitsbrei, sondern etwas Besonderes anbieten“, bringt Ulrike Köhler ihren Anspruch auf den Punkt. „Wir nehmen nichts, was schlecht gearbeitet ist“, ergänzt Silke Schneewolf. Schon beim Betreten des kleinen Lädchens erfassen die Anbieter, ob ihre Sachen in das Konzept passen oder eben nicht.

Gut hinein passen auf jeden Fall Wandborde im angesagten Shabby-Look, Babyschuhe

aus Leder oder Holzgarderoben für Kinder, die mit dem Namen des kleinen Besitzers versehen werden können. Und weil jeder Kopf eine individuelle Kopfbedeckung verdient hat, wird eine große Auswahl an selbst gestrickten Mützen angeboten.

Diese steuern die beiden Besitzerinnen unter dem Label „Overhead“ bei. „Unser Projekt lebt vom Gemeinschaftssinn“, so Ulrike Köhler, „denn jeder zahlt etwas“. Mit einer schwarzen Null sind die beiden Frauen schon zufrieden. Viele Helfer unterstützen sie bei ihrem Vorhaben, übernehmen für einige Stunden den Ladendienst.

So wie Agnes Kurz, die Mutter von Ulrike Köhler. Sie ist die Erfinderin der Schmuseschildkröte und nutzt die Zeiten im Geschäft auch, um zu stricken oder zu häkeln. „Viele Leute schauen hier vorbei, um ein Schwätzchen zu halten“, so ihre Erfahrung.

Silke Schneewolf bringt sogar ihre Nähmaschine mit in den Laden. Die Leute, die den Laden betreten, wissen Selbstgemachtes mit persönlichem Charakter zu schätzen, so die Erfahrung der 38-Jährigen. Vieles wird auf Bestellung gemacht und zum Beispiel mit dem Namen des oder der Beschenkten versehen. So erhalten viele der angebotenen Sachen eine individuelle Note.

Der Laden inspiriert aber auch zu Kreativität, wie ein Beispiel zeigt: Eine Kundin sei so begeistert von dem Konzept gewesen, dass sie sich überlegte, wie sie sich beteiligen kann. „Sie hat sich schließlich dazu entschieden, Schmusetücher zu nähen“, zeigt Silke Schneewolf auf die vielen bunten Läppchen, die draußen vor dem Laden am Ständer hängen.

von marion blum
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