Ludwigsburg | 31. Januar 2017

Leichtigkeit und leuchtende Farben

Hinter der Entstehung von Ohrschmuck, Ketten, Armbändern und Ringen steckt – bei aller Leichtigkeit – ein hartes Stück Arbeit und eine große Portion Kreativität. Heiß geht es bei der Arbeit in ihrer Werkstatt zu, denn Katrin Köhler arbeitet vor allem mit Emaille: Das Pulver, das zu einer Paste angerührt wird, schmilzt bei einer Temperatur zwischen 700 und 850 Grad.

Ob Ringe, Kettenanhänger oder Medaillons: Alle sind im Schmelzofen emailliert worden.
Ob Ringe, Kettenanhänger oder Medaillons: Alle sind im Schmelzofen emailliert worden.
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In ihrer Werkstatt ist die Goldschmiedin Katrin Köhler in ihrem Element. Hier stellt sie Rohlinge her und arbeitet mit Emaille. Fotos: Ramona Theiss
In ihrer Werkstatt ist die Goldschmiedin Katrin Köhler in ihrem Element. Hier stellt sie Rohlinge her und arbeitet mit Emaille. Fotos: Ramona Theiss
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Hübsch aufgereiht ist hier Schmuck für die Ohren. Die Vielfalt an Farben und Formen scheint grenzenlos zu sein. Emaille verfügt über eine starke Leuchtkraft.
Hübsch aufgereiht ist hier Schmuck für die Ohren. Die Vielfalt an Farben und Formen scheint grenzenlos zu sein. Emaille verfügt über eine starke Leuchtkraft.
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So unscheinbar auch der kleine Schmelzofen wirkt, in dem dieser Verwandlungsprozess stattfindet, so berauschend ist das Ergebnis. Die Schmuckstücke aus Feueremaille fallen durch Brillanz und Leichtigkeit der Farben auf. Durch das Bearbeiten der Oberfläche entstehen Muster und Ornamente, die an stilisierte Blüten, Blätter oder Eisblumen erinnern. Durch die unterschiedliche Tiefe entstehen verschiedene Hell- und Dunkelnuancen. „Das können Sie nur mit Emaille erreichen“, betont Katrin Köhler. Sie hat sich diese Technik in vielen Jahren des Experimentierens erarbeitet. „Man braucht viel Erfahrung, weil man vorher nie genau weiß, was hinterher aus dem Schmelzofen kommt“, erklärt die 45-Jährige, die eine echte Könnerin auf ihrem Gebiet ist. Manchmal beschränkt sie sich auf die unzähligen Gestaltungsmöglichkeiten, die Emaille bietet und lässt die eingefrästen Muster und Ornamente für sich wirken.

Oft kombiniert sie die emaillierten Schmuckstücke – dabei handelt es sich größtenteils um Silber – mit anderen Materialien wie Perlen und Edelsteinen. Gekonnt eingesetzte Schmucksteine unterstreichen bei den Ringen und beim Ohrschmuck die filigrane Wirkung. In Kombination mit Ketten aus Perlen, Peridot oder Amethysten erhalten die emaillierten Schmuckanhänger ihre Wirkung.

Den Grundstock für ihre Arbeit mit Feueremaille hat Katrin Köhler mit ihrer Ausbildung als Goldschmiedin in Schwäbisch-Gmünd gelegt. Nach einigen Gesellenjahren in Mainz legte sie an der Zeichenakademie in Hanau ihre Meister- und Gestalterprüfung ab. Eine Freundin und Kollegin vermittelte ihr die Grundtechniken des Emaillierens von Schmuck, die Katrin Köhler immer weiter entwickelt hat. Seit zweieinhalb Jahren hat sie ihre Werkstatt im Herzen der Marbacher Altstadt an der Oberen Holdergasse eingerichtet.

Sie hat es geschafft, auf einer Fläche von rund 15 Quadratmetern das unterzubringen, was sie für ihre tägliche Arbeit benötigt. Dazu gehören eine Ziehbank, ein Schraubstock, ein Lötgerät sowie etliche Zangen und Bohrköpfe in verschiedenen Größen und Formen. Hier können Ohrschmuck, Ringe oder Kettenanhänger in die gewünschte Form gebracht werden. Gewisse Ähnlichkeiten mit der Ausstattung eines Zahnarztes sind unverkennbar.

Und so kann die Goldschmiedin nach Herzenslust fräsen, bohren, löten und polieren. „Emaille ist ein hochschmelzendes Glas“, erklärt Katrin Köhler. Sie rührt das Emaillepulver, das in vielen verschiedenen Farben erhältlich ist, mit destilliertem Wasser an, bevor sie diese Paste mit einem feinen Pinsel auf die selbstgefertigten Rohlinge aus Silber und manchmal auch Gold aufträgt. Nach dem Trocknen kommt der Schmuck in den Schmelzofen. Ein bis zwei Minuten reichen für den Brennvorgang aus. „Würde der Schmuck zu lange im Ofen bleiben, würde nicht nur die Emaille, sondern auch das Silber schmelzen“, erklärt die Goldschmiedin.

Je nachdem wie lange dieser Vorgang dauert, verändert sich auch die Farbe. Bei einem Paar Ohrschmuck ist es deshalb wichtig, beide Teile gleich zu behandeln, damit es keine Farbabweichungen gibt. „Das hört sich einfach an, ist aber das Ergebnis jahrelanger Erfahrung“, so die Expertin. Die Stücke werden zwei bis drei Mal gebrannt, bis Katrin Köhler zufrieden ist. Der Feinschliff bildet den Abschluss und bringt das Material zum Leuchten. „Es gibt kein anderes Material, das über solch eine Tiefe und Leuchtkraft verfügt“, ist die Marbacherin ein echter Emaille-Fan. Ihre Lieblingsfarben sind übrigens Grün- und Aquatöne, aber auch Violett gefällt ihr gut. „Klassischer, schwerer Schmuck ist nicht mein Ding“, betont sie. Vielmehr sei es ihr wichtig, mit ihrem Schmuck ein Gefühl von Leichtigkeit und guter Laune zu vermitteln.

von marion blum
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