Interview
Ludwigsburg | 13. Dezember 2017

„Unser System ist ein Erfolgsrezept“

Der Co-Kapitän der MHP-Riesen, Thomas Walkup, spricht über seine ersten Monate bei den Ludwigsburger Basketballern

Dynamisch am Ball: Thomas Walkup. Foto: Baumann
Dynamisch am Ball: Thomas Walkup. Foto: Baumann

Thomas Walkup spielt seine erste Saison bei den MHP-Riesen Ludwigsburg und ist mitverantwortlich für die starke Runde des Basketball-Bundesligisten: Erst drei Niederlagen kassierte das Team von Trainer John Patrick wettbewerbsübergreifend. „Wir sehen, wie Tom seine Mitspieler beeinflusst. Deshalb ist er so wichtig für uns“, sagte sein Coach über den 24-Jährigen, der aus Chicago in die Barockstadt kam. Im Interview spricht der mit David McCray gemeinsame Kapitän über den guten Saisonstart, Verletzungen und seine Lieblingsorte in Ludwigsburg.

Schauen wir zunächst zurück auf die 71:91-Niederlage am Samstag. In den ersten fünf Minuten hat Ludwigsburg gegen Bayern großartig gespielt, was ist danach passiert?

Thomas Walkup: Ich denke, wir sind davon abgerückt, was uns in den ersten Minuten erfolgreich gemacht hat. Da waren wir physisch stark, aggressiv und haben unseren Gameplan durchgezogen. Als wir damit aufhörten, war das Momentum auf Seiten der Münchner.

Wie konnte es dazu kommen?

Wir haben die Aggression vermissen lassen und den Gegner machen lassen, was er wollte, so dass die Bayern ihr Spiel durchziehen konnten. Wir haben dagegen nicht das gemacht, was wir uns eigentlich vorgenommen haben.

Trotz der Niederlage gegen Bayern München spielt Ludwigsburg eine klasse Saison. Was war bislang der Schlüssel zum Erfolg der Riesen?

Wie gut wir zusammenspielen. Wir spielen hart und gemeinsam – das ist unser Erfolgsrezept. Ich denke, wenn wir das in jedem Spiel machen, haben wir immer eine Chance zu gewinnen.

Sie hatten gute Ergebnisse in der Bundesliga wie auch in der Champions League. Zudem haben Sie die Möglichkeit, sich für den Pokal zu qualifizieren. Was kann die Mannschaft in dieser Saison noch erreichen?

So viel, wie wir wollen. Wie gesagt, wenn wir unseren Gameplan verfolgen, gibt es niemanden, den wir nicht schlagen können.

Was halten Sie vom System von Coach Patrick?

Ich denke, es ist ein Erfolgsrezept. Ich spiele das System sehr gerne. Offensiv und defensiv passt es nicht nur zu meinem Spiel, sondern auch zu dem der Mitspieler. Das ist mit ein Grund, weshalb wir diese Saison schon 20 Spiele gewinnen konnten.

Wenn Sie auf Ihren nächsten Gegner in der Champions League Paok Saloniki (heute, 18.30 Uhr) schauen, ein sehr traditionsreicher Verein, was sind Ihre Erwartungen an das Spiel?

Ich erwarte dasselbe wie vor jedem Spiel. Wir müssen rausgehen und gemeinsam hart und intelligent spielen. Wir müssen das Team sein, das am härtesten spielt und gewinnt.

Sie hatten einige lange Verletzungen in Ihrer Karriere. Hat das etwas an Ihrer Sichtweise auf den Sport verändert?

Ja. Man lernt aus jeder Verletzung. Aber das gehört zum Profisein dazu. Man muss auf seinen Körper achten. Wir spielen einen physisch anspruchsvollen Sport und unser Körper ist alles, was wir haben. Deshalb muss man ihn auch gut behandeln. Das gehört dazu.

Zwei ehemalige Spieler von Ludwigsburg – Jack Cooley und Royce O’Neal – haben NBA-Verträge erhalten. Was sind Ihre persönlichen Ziele für die Zukunft?

Zuerst einmal geht es nur um diese Saison. Man kann nicht schon auf das nächste Jahr schielen, sondern muss sich auf die aktuelle Saison konzentrieren. Aber es ist das Ziel und der Traum von jedem Basketballspieler, auf dem höchstmöglichen Niveau zu spielen. Ich möchte mein eigenes Potenzial maximieren.

Sie spielen erstmals in Übersee. Wie war es, sich an die neue Stadt, die neue Kultur und auch die Art des Basketballs hier anzupassen?

Es gibt tatsächlich viele Unterschiede. Es war aber wesentlich einfacher, als ich es mir vorgestellt habe. Es hilft, Trainer und Mitspieler um sich zu haben, mit denen man gerne Zeit verbringt. Dann macht es eigentlich keinen Unterschied, wo man ist, solange man es genießt, mit den Leuten Zeit zu verbringen.An das Spiel hier muss man sich allerdings anpassen, der Stil hier ist schon ein anderer, besonders wenn man ihn mit dem in der G-League vergleicht. Ich denke, es ist anders, aber ich liebe es, den Ball abzugeben und gemeinsam zu spielen. Das ist schon besonders am europäischen Spielstil.

Was halten Sie speziell von der Atmosphäre in der MHP-Arena, wenn Sie diese mit der am College oder der G-League vergleichen?

Die ist hier großartig. Speziell in Bundesligaspielen. Unsere Fans sind laut, das ist ein großer Vorteil für uns. Es gibt definitiv Rückenwind als Spieler, wenn man in der Arena steht.

Nun, da Sie schon eine Weile in Ludwigsburg leben: Haben Sie schon ein paar Lieblingsplätze hier in der Stadt?

Ich koche viel, deshalb bin ich noch gar nicht richtig zum Essen nach draußen gekommen. Ich war in zwei Restaurants bisher. Die Plätze, an die ich gerne gehe, sind die Rundsporthalle, der Fitnessraum und die MHP-Arena. (lacht)

Waren Sie schon auf dem Weihnachtsmarkt?

Ja, da war ich. So etwas habe ich noch nie zuvor erlebt, das war wirklich cool.

Fragen Von Marco Jaisle und Philipp Böhl
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