Ludwigsburg | 19. April 2017

Die Riesen hadern mit sich selbst

Enttäuschung nach der Niederlage in Göttingen – Derby gegen Tübingen steht an

D.J. Kennedy im Duell mit Göttingens Mathis Moenninghoff. Foto: Eibner
D.J. Kennedy im Duell mit Göttingens Mathis Moenninghoff. Foto: Eibner

Auch am Tag nach der 75:84-Niederlage der MHP-Riesen Ludwigsburg bei der BG Göttingen war Trainer John Patrick verärgert. „Ein Sieg hätte viel gebracht. Das ist schade“, sagte der Coach gestern. Durch die Gießener Niederlage in Ulm hätten die Riesen sich ein kleines Polster auf den Verfolger verschaffen können und somit den Play-off-Platz acht der Basketball-Bundesliga festigen. So bleibt Ludwigsburg punktgleich mit den Hessen und nur aufgrund des Sieges im direkten Vergleich vorne. Von einem Sieg bei den Niedersachsen waren die Schwaben weit entfernt.

Fehlende Konzentration

Göttingen ging zwar nach zweiwöchiger Pause frisch in die Partie, während Ludwigsburg sich mit vielen Verletzten und angeschlagenen Akteuren von Partie zu Partie hangelt. Doch Patrick will das nicht als Ausrede zählen lassen: „Da muss sich die Mannschaft besser präsentieren. Die Körpersprache muss besser sein.“ Fast die gesamte Spielzeit rannten die Gäste einem Rückstand hinterher, machten viele einfache Fehler und wirkten in den entscheidenden Szenen nicht konzentriert genug.

Ein Sieg sei nach Patricks Einschätzung keine Pflicht gewesen, er betont aber: „Insgesamt hätten wir auch mit diesem kleinen Kader in Göttingen besser spielen und mehr Leistung bringen müssen.“ Die Riesen müssen derzeit auf Chad Toppert (Rückenprobleme), Kelvin Martin (Muskelverletzung im Bein) und Tekele Cotton (Handwurzel) verzichten. Alle drei können derzeit nicht mit der Mannschaft trainieren. „Es hilft viel, wenn man im Training fünf gegen fünf spielen kann“, berichtet der Trainer. „Das ist gerade unmöglich.“

Dazu kommt, dass manche Spieler angeschlagen sind und sich durchschleppen. Auch die Begegnung in Göttingen hat bei einigen Spuren hinterlassen. Namen will Patrick nicht nennen.

Von den verbliebenen gesunden Leistungsträgern rufen nicht alle ihr Potenzial ab. Allen voran Rückkehrer D.J. Kennedy, der nicht an seine Premierensaison 2014/15 anknüpfen kann, als er mit durchschnittlich 18 Punkten Topscorer wurde. „Ich glaube, auch er ist frustriert. Aber wir wissen, was er kann, und wir brauchen ihn“, sagt Patrick. In bisher sechs Ligaspielen kommt der 27-Jährige auf 9,7 Punkte.

Gegen Göttingen hatte er große Probleme mit Alex Ruoff, der am Anfang der Saison in Ludwigsburg unter Vertrag stand. Kennedy blieb mit gerade einmal fünf Punkten blass und verwandelte nur 29 Prozent seiner Würfe. Zudem leiste er sich vier Ballverluste. Auch Patrick erwartet mehr von seinem vor einigen Wochen umjubelten Neuzugang: „Am Anfang konnte man sagen, er muss sich an die neue Liga gewöhnen, aber er hatte wochenlang Zeit.“ Kennedy kam Mitte März aus der chinesischen Liga, die deutlich schwächer als die Bundesliga einzuschätzen ist.

Am Samstag (20.30 Uhr/ MHP-Arena) kann sich Kennedy erneut beweisen. An das Derby gegen Tübingen dürfte der US-Amerikaner gute Erinnerungen haben. Im Januar 2015 erzielte er in der Paul-Horn-Arena 31 Punkte für die Riesen. Doch Patrick warnt: „Auch Tübingen hatte jetzt eine Pause, um sich auszuruhen.“

Dagegen hat Ludwigsburg gemeinsam mit Bamberg die meisten Spiele hinter sich. Mit einem Unterschied: Bambergs Stammkader besteht aus 17 Spielern, Ludwigsburg hat 12 Profis, davon sind drei verletzt.

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Marco Jaisle
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