Basketball
Ludwigsburg | 16. August 2017

Korbleger

Die reguläre Saison im Basketball-Ligaspielbetrieb ist lang. In der BBL absolviert jedes Team 34 Spiele, bevor die Play-offs beginnen. Im letztjährigen EuroCup gab es zwei Gruppenphasen, ohne dass die Anzahl der Teams nach der ersten Runde signifikant verringert worden wäre. Das bedeutete zwar sichere Einnahmen für die meisten Klubs, aus sportlicher Perspektive war dieses System jedoch absurd.

Getoppt wird der Spielmodus noch von der NBA: Bevor die Play-offs beginnen, trägt jedes Team 82 Partien aus. Selbstverständlich wird da nicht jedes Spiel mit der gleichen Intensität angegangen. Man könnte auch sagen: Die meisten NBA-Spiele sind ziemlich unattraktiv.

Gut, dass es im einmal im Jahr Abwechslung gibt. Diese nennt sich „The Basketball Tournament“ (TBT) und findet seit 2014 jeweils in den Sommermonaten in den USA statt. Zu diesem Turnier kann sich jeder anmelden, der ein paar Teamkollegen findet und sich auf den atemberaubenden Modus einlassen will: Jedes Spiel kann das letzte sein, da das komplette Turnier im K.O.-Modus ausgetragen wird. Siegen oder fliegen – das pure Spektakel!

Zugegeben: Kaum ein Team legt größeren Wert auf gepflegten Teambasketball, die meisten Partien sehen mehr nach Freiplatz als nach EuroLeague-Arena aus. Dennoch: Das Niveau ist hoch, weil viele amerikanische Profis dabei sind, die in europäischen Teams wichtige Rollen übernehmen.

Aus dem letztjährigen Ludwigsburger Kader war neben Kelvin Martin, der mit seinem Team jedoch früh ausschied, auch D.J. Kennedy (Baumann-Foto) dabei. Kennedy konnte das Turnier bereits in den letzten zwei Jahren gewinnen, gemeinsam mit Spielern wie dem Ex-Bremerhavener Kyle Fogg ging es diesmal wieder bis ins Finale – und erneut gewann Kennedys Team „Overseas Elite“. Für den Turniersieg kassierte Kennedy 147 000 Dollar. Denn: Das Preisgeld in Höhe von zwei Millionen Dollar geht komplett an die Siegermannschaft, ab Platz 2 gehen alle Teams leer aus. Es braucht nicht viel Vorstellungskraft, um nachvollziehen zu können, wie intensiv die Spiele in den letzten Runden sind.

Das TBT ist jedoch mehr als ein Spaßturnier im Sommer – auch der deutsche Basketball kann davon lernen. Es braucht hierzulande zwischen Oktober und April mehr Spannung, mehr Spektakel, mehr K.o.-Spiele, auch wenn Favoritenstürze im Basketball selten sind. Eine Lösung wäre eine Veränderung des Pokalmodus. Und sie ist nicht utopisch: Der Pokal könnte problemlos auf bis zu 40 Teams erweitert werden, ohne dass die Mehrbelastung für die besten Mannschaften zu hoch wird – nur zwei Spiele mehr müsste der diesjährige Sieger Bamberg in einem solchen Modus absolvieren. Diese Mehrbelastung wäre für einen deutlich attraktiveren Wettbewerb vertretbar – und würde einen Teil der Faszination des TBT nach Deutschland bringen.

von Simon Linder
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