Ludwigsburg | 28. Juli 2018

Korbleger

Von Oktober bis Juli sind fast alle, die es mit den Riesen halten, große John-Patrick-Fans. Im Sommer jedoch dreht sich der Wind. In den Foren und auf Facebook wird gemeckert. Es dauere schon wieder so lange, bis die ersten Infos zur neuen Mannschaft kämen. Es könne doch nicht sein, dass jeden Sommer das ganze Team zerfällt. Man müsse doch auch mal einen richtig starken Spieler halten können. Und so weiter, und so fort.

Hilfreich ist es, die Spieler – möglichst objektiv – in drei Kategorien einzuordnen: Hat überzeugt, ist deshalb nun viel teurer und daher nicht zu halten (Walkup, Thiemann, Cook, Evans); ist auf Ludwigsburgs Niveau, kann (womöglich!) zu einem moderaten Preis gehalten werden (Waleskowski & McCray; auch Johnson und Müller hätten vielleicht gehalten werden können); hat nicht vollkommen überzeugt, sollte daher nicht gehalten werden (Geske, Koch, Peter-McNeilly, Senglin).

Nicht zuzuordnen ist hier Justin Sears, der vor seiner Verletzung auf dem Weg in die erste Kategorie war. Dass Spieler dieser Kategorie gehalten werden können, kommt so gut wie nie vor. Eine Ausnahme war Jon Brockman, der vor seiner zweiten Saison in Ludwigsburg ein hochdotiertes Angebot aus Russland ausschlug, weil er lieber in Ludwigsburg spielen wollte. Das konnte er sich leisten, weil er in seiner Karriere bereits genug Geld verdient hatte.

Bei aller Liebe für bekannte Spieler: Kontinuität ist kein Wert an sich. John Patrick (Foto: Baumann) arbeitet jedes Jahr mit einem neuen Team – und erreicht jedes Jahr die Play-offs. Dass er trotz seines Erfolgs bis zu diesem Sommer nicht in den Fokus von Teams wie Brose Bamberg (die ihn trotz aller Dementis nach meinen Quellen definitiv auf der Liste hatten) und Olympiakos Piräus rückte, ist wohl nur dadurch zu erklären, dass Patrick als jemand gilt, der sich nicht gerne reinreden lässt. In Ludwigsburg sind die Kompetenzen klar verteilt: Alexander Reil treibt mit der Marketing-Abteilung das Geld ein, John Patrick gibt es mit maximaler Effizienz aus und bestimmt über alles Sportliche.

Und auch wenn Patricks Herangehensweise bei der Teamzusammenstellung jedes Jahr gleich ist, so scheint er diesen Sommer mehr auf offensives Talent zu achten: Lamont Jones, Malcolm Hill und Bogdan Radosavljevic zeichneten sich bisher nicht durch kontinuierlich starke Defense aus. Patrick wird die Saisonvorbereitung nutzen, um herauszufinden, ob sie bereit sind, mitzuziehen und sich zu quälen. Wenn ja, werden sie sich in Ludwigsburg stark verbessern und eine erfolgreiche Saison spielen. Wenn nicht, werden sie die Barockstadt noch vor Saisonbeginn wieder verlassen – und Coach Patrick wird andere Spieler finden, die besser zu seiner Philosophie passen.

von Simon Linder
Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige