Tumult bei fußballspiel
Ludwigsburg | 15. Dezember 2017

Strafprozess um verprügelten Schiedsrichter eröffnet

Das Ludwigsburger Amtsgericht hat den Strafprozess um den verprügelten Schiedsrichter aus dem Kreisliga-A-Spiel vom 14. Mai im Stadtteil Grünbühl eröffnet. Angeklagt sind ein 24-jähriger Spieler, ein Zuschauer, welcher aber in der zweiten Mannschaft aktiv war, und der Ersatztorwart des FC Dersim Sport Ludwigsburg. In deren Spiel gegen den TSV Grünbühl ging es noch um den Aufstieg in die Bezirksliga.

Die Beschuldigten sollen dem Schiedsrichter beim Grünbühler Heimspiel so wuchtige Faustschläge versetzt haben, dass dieser einen Backenzahn verlor und sich ein blaues Auge sowie Prellungen im Gesicht zuzog. Weil Dersim-Fans aufs Spielfeld stürmten und gegen den Schiri vorgehen wollten, musste die Polizei die Ausschreitungen beenden.

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft legt allen drei Angeklagten zur Last, in der 66. Spielminute über den 43-jährigen Schiedsrichter hergefallen zu sein und auf diesen mit Fäusten eingeschlagen zu haben. Der Dersim-Spieler soll dem Schiri zwei Schläge auf den Hinterkopf versetzt haben, der Zuschauer einen Schlag in die Wange und der Ersatztorwart einen gegen die Schläfe. Die Angeklagten bestritten aber, Schläge ausgeteilt zu haben. Wenngleich der Schiri auch ständig gegen sie gepfiffen hätte.

Zahlreichen Zeugenaussagen zufolge war das Spiel in Grünbühl schon von Anfang an emotionsgeladen. Ein Ordner aus Grünbühl, der mit mindestens drei weiteren Ordnern und Helfern eine Mauer um den Schiedsrichter gebildet hat, damit ihm nicht noch mehr passiert, sagte zum Beispiel als einer von 16 Zeugen aus: In diesem Spiel ging schon von der ersten Minute an aggressiv zur Sache. Egal, was der Schiedsrichter gepfiffen hat, es waren jedes Mal vier oder fünf Spieler um ihn herum, um jede Entscheidung lautstark anzuzweifeln.“

Als es in der 66. Minute die gelb-rote Karte für einen Dersim-Spieler gab, hätte es auf dem Fußballfeld „schon wieder eine Rudelbildung“ gegeben, der Schiri hätte das Spiel abgebrochen und auf einmal sei das Ganze eskaliert.

Zuschauer – manche Zeugen sprachen von 50 bis 60 und andere wiederum von 35 bis 45 – seien aufs Spielfeld gestürmt. Zu diesem Zeitpunkt habe der Schiedsrichter schon auf dem Hosenboden am Zaun zur angrenzenden Schule gesessen, ein blaues Auge gehabt und im Gesicht geblutet.

Eine Ordnerin, die den Ersatztorwart noch an der Jacke packen und vom Schiedrichter fernhalten konnte, fürchtete, dass dem TSV Grünbühl, welcher an jenem Spieltag mehr Ordner stellen musste als sonst, die Lage alleine nicht mehr in den Griff bekommt und verständigte die Polizei, die wiederum das Feld räumen ließ und die Spieler in ihre Kabinen schickte. Der persönliche Eindruck der Ordnerin, die schon sehr lange beim TSV Grünbühl ist: „So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Die Beweisaufnahme in diesem Fall gestaltet sich bislang schwierig, weil die meisten Zeugen zwar gesehen hatten, dass der Schiedsrichter geschlagen wurde, aber nicht von wem. Eine rote Jacke, wie sie der angeklagte Dersim-Spieler trug, hatten an jenem Spieltag viele an. Zudem trugen die meisten Spieler dieser Mannschaft dunkle Haare und Bärte, was auch die Auswertung von Zuschauervideos nicht einfach macht.

Der Schiedsrichter selber – im Prozess als Nebenkläger vertreten –, sagte im Zeugenstand, das Fußballspiel hätte schon aggressiv angefangen und er hätte mehrere gelbe Karten ziehen müssen. Nach der Gelb-Rot-Entscheidung in der zweiten Halbzeit sei er „umzingelt und beleidigt“ worden. Dann habe es überall hin Schläge gesetzt. Der Schiri zeigte sich überzeugt davon, dass es die Angeklagten waren, die ihn verprügelt haben. Er hat sich nach dem Krankenhaus den Spielbericht und die Spielerpässe angeschaut.

Der Mann erkannte die Angeklagten auch im Gerichtssaal wieder. Von seiner Zahnarztbehandlung, die im Übrigen immer noch andauert, muss der Schiedsrichter fast 900 Euro selber bezahlen und psychisch, meinte er, ginge es ihm auch nicht gerade gut. Sonntags zum Pfeifen ginge er noch, aber jedes Mal wenn er einen Spieler verwarnen müsse, kämen die Bilder wieder hoch. Der Prozess wird am 16. Januar fortgesetzt.

von Heike Rommel
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