SG BBM
Bietigheim-Bissingen. | 23. August 2018

Bietigheim auch im zweiten Anlauf der große Außenseiter

Willkommen in der stärksten Liga der Welt! Am Donnerstag beginnt die neue Handballsaison. Der Überraschungsaufsteiger SG BBM Bietigheim ist zum ersten Mal am Sonntag bei der HSG Wetzlar im Bundesligaeinsatz. Die Heimpremiere steigt am Sonntag, 2. September, gegen die MT Melsungen.

Starke Vorbereitung: Bietigheims Nachwuchstalent Nikola Vlahovic (rot) gegen Göppingens Allan Damgaard.Foto: Baumann
Starke Vorbereitung: Bietigheims Nachwuchstalent Nikola Vlahovic (rot) gegen Göppingens Allan Damgaard.Foto: Baumann

Vor vier Jahren gehörte die SG für eine Saison dem Oberhaus an. Inzwischen hat sich vieles verändert. In der Liga und bei den Bietigheimern. Auffälligste Neuerung sind die TV-Präsenz und Spielzeiten. Durch den Sky-Fernsehvertrag sind die Spieltage zweigeteilt: Vier Partien am Donnerstag um 19 Uhr, fünf am Sonntag (13.30 bzw. 15 Uhr). Der Pay-TV-Sender überträgt fast alle Partien, bietet auch Konferenzschaltungen. Eine Neuerung, die Bietigheim helfen könnte: Statt drei Absteigern wie 2014/15 gibt es nur zwei. Kandidaten sind neben dem Viadukt-Team vor allem die Eulen aus Ludwigshafen, der TVB Stuttgart, Mitaufsteiger Bergischer HC und der VfL Gummersbach.

Bei der SG spielen von der damaligen Mannschaft nur noch Patrick Rentschler, Robin Haller und Christian Schäfer. Auch der Trainer ist neu. Hartmut Mayerhoffer, der Bietigheim 2014 und 2018 in die 1. Liga führte, coacht inzwischen den Rivalen Frisch Auf Göppingen. Die SG verpflichtete den 37-jährigen Ralf Bader. Der kommt vom TSV Neuhausen aus der 3. Liga und kann seinen rasanten Aufstieg kaum fassen. „Irgendwann werde ich mich mal kneifen, um festzustellen, ob das alles wahr ist. Aber dafür hatte ich bisher keine Zeit. Wir sind stark gefordert. Jede Sekunde gehört der Mannschaft und dem Ziel Klassenerhalt.“

Der dürfte schwer werden. Saisonprognosen, bei denen die SG BBM nicht als erster Absteiger genannt wird, sind selten. Baders Ehrgeiz stachelt das nur an. „Es ist ein Vorteil, dass uns jeder auf Platz 18 sieht. Ich hoffe auf eine Trotzreaktion des Teams. Aber es gehört mehr dazu, als nur trotzig zu sein.“ Dabei baut er darauf, dass sich die SG-Talente wie der mit starken Auftritten in der Vorbereitung glänzende Nikola Vlahovic (19) schnell an die Bundesliga gewöhnen. Ein anderes Plus ist der Teamspirit: „Den Fans kann ich versprechen, dass die Jungs, die auf der Platte stehen und auf der Bank sitzen, sich in jedem Spiel für den Klassenerhalt und die SG zerreißen werden.“

Nach vorne ist Tempo Trumpf. „Felix König, Valentin Schmidt, Robin Haller sind für das schnelle Umschaltspiel prädestiniert. Mit Jonas Link haben wir einen pfeilschnellen Mittelmann dazu bekommen, der in der Vorbereitung überzeugt hat.“ Finden muss sich die Defensive. Von den Akteuren, die den zuletzt starken Mittelblock bildeten, ist nur noch Patrick Rentschler da. Zusammen mit Jonas Fischer, Vetle Rönningen und Michael Oehler soll der Kapitän das neue Abwehr-Bollwerk bilden. Baders Favorit sind die Rhein-Neckar Löwen. Öfter wurde bei der Umfrage unter Trainern und Managern der 18 Erstligisten der THW Kiel genannt. Auch den Berliner Füchsen traut man einiges zu. Trainer Velimir Petkovic: „Wir waren zuletzt Dritter, klar wollen wir angreifen!“ Das dürfte Flensburg-Handewitt schwerfallen. Der Titelverteidiger hat sechs Leistungsträger verloren. Auch Topspieler wie Torschützenkönig Casper Mortensen (von Hannover nach Barcelona), Rene Toft Hansen (Kiel/Veszprem) und Kim Ekdahl du Rietz (RN Löwen/Paris) verabschiedeten sich. Dagegen fanden kaum neue Stars den Weg nach Deutschland. Die missglückte EM in Kroatien und das Final-Four-Turnier der Champions League ohne deutsche Beteiligung, wirken nach. Die Wahrnehmung hat sich verändert. „Die Bundesliga ist für mich noch immer die stärkste Liga der Welt“, sagt Velimir Petkovic. Das „noch“ bemühte auch der frühere Bundestrainer Dagur Sigurdsson: „Deutschland gehört noch zur Weltspitze.“

Paul Herbinger
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