Sabine Klenk
Ludwigsburg | 25. November 2017

Auf Klänge von Ed Sheeran zum Sieg

Großer Erfolg für Sabine Klenk vom Reit-und Fahrverein Ludwigsburg. Auf ihrem Wallach Friedolin triumphiert die 38-Jährige bei der S-Dressur des iWest-Cups in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle in Stuttgart.

Sabine Klenk auf ihrem achtjährigen Wallach Friedolin in der der Hanns-Martin-Schleyer-Halle. Foto: Baumann
Sabine Klenk auf ihrem achtjährigen Wallach Friedolin in der der Hanns-Martin-Schleyer-Halle. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Tiefer Nebel steht über den Weiten des Reitgeländes auf der Domäne Monrepos. Selbst an kalten Tagen, das versichert Sabine Klenk, „sitze ich um halb sechs Uhr morgens auf dem ersten Pferd.“ So auch an diesem kühlen Novembermorgen. „Dem Pferd macht die Kälte sehr wenig aus, wir Reiter sind schon eher diejenigen, die frieren“, scherzt Klenk. Für die Pferdewirtschaftsmeisterin des Reit- und Fahrvereins Ludwigsburg, so scheint es, hat sich nur wenige Tage nach dem größten Erfolg ihrer Reitkarriere, dem Gewinn der S-Dressur bei den German Masters in Stuttgart, nicht viel in ihrem Alltag verändert.

„Das war echt wahnsinnig“, blickt Klenk auf ihren Triumph bei ihrem ersten Auftritt in der Schleyer-Halle zurück. Auf Wallach Friedolin beeindruckte sie vor gut einer Woche die internationalen Punktrichter bei einem der begehrtesten Dressurcups Baden-Württembergs. „Wenn man vor Richtern, die auch schon bei Olympia dabei waren, solche Wertungen erzielt, ist das schon etwas Besonderes“, sagt die sichtlich stolze Klenk.

Heimliche Reitstunden statt Tennis

Für Sabine Klenk ist Reiten eine Leidenschaft, für die es sich lohnt, Opfer zu bringen. Das zeigt auch der Werdegang der Betriebsleiterin des Vereins am Seeschloss Monrepos. Mit zehn Jahren kam sie durch ein Schulprojekt zum Reiten – und nicht mehr von diesem Sport weg. Selbst dann nicht, wenn andere Termine für die ehemalige Tennisspielerin anstanden: „Der Tennisclub war neben dem Reitverein und weil Reiten mehr Spaß gemacht hat, bin ich heimlich zum Reiten gegangen“, erzählt Klenk. Das ging jedoch nur kurz gut, „der Tennislehrer hat meine Eltern angerufen und gefragt, warum ich nicht mehr komme. Da haben sie es spitzgekriegt“, erinnert sich Klenk mit einem Lachen.

Bevor das Hobby zum Beruf wurde, hieß es „Ställe ausmisten, um das Reiten zu finanzieren“, erklärt Klenk. Es folgte eine Ausbildung, danach die Bereiterprüfung – vergleichbar mit der Gesellenprüfung – sowie die Meisterprüfung 2012, die sie mit Auszeichnung abschloss. Kurz zuvor kam auch Friedolin, abstammend von Fidertanz sowie einer De Niro-Mutter, im Jahr 2009 zur Welt. „Als Hengst war er sehr böse, und wurde früh kastriert. Das war mein Glück, sonst wäre er auf eine Körung und weg gewesen“, schildert Klenk zufrieden.

Vergangene Woche in der Stuttgarter Halle war Friedolins einstmals wilde Art kaum anzumerken. Auf die harmonischen Klänge des britischen Singer-Songwriters Ed Sheeran trabte und galoppierte Klenk auf Friedolin scheinbar problemlos durch die Halle. „Ich bin totaler Ed-Sheeran-Fan, habe das Lied gehört und dachte mir: ‚Da mal drauf reiten, wäre schon toll‘“, sagt Klenk. Wie viel Spaß sie bei ihrer Kür hatte, war spätestens auf der letzten Diagonale zu merken, auf der sie das Lächeln auf ihren Lippen nicht verkneifen konnte.

Vergessen in diesem Moment, dass die Karriere vor etwa zehn Jahren auch hätte vorbei sein können. „2005 hatte ich starke Probleme mit dem Rücken“, erzählt Klenk, die sich in der Zeit schon für eine Ausbildung zur Physiotherapeutin beworben hatte.“ Dann bin ich selbst zur Physio gegangen und habe es wieder hingekriegt.“

Heute kümmert sich die in Schwäbisch Hall geborene Klenk hauptsächlich um die insgesamt 69 Pferde im Verein. Am Tag reitet sie da gerne mal auf bis zu 15 verschiedenen Vierbeinern. Wenn das zu viel Zeit in Anspruch nimmt, muss die im 60 Kilometer entfernten Neuenstein lebende Klenk zum Schlafen in die „Besenkammer“, wie sie einen kleinen Schlafraum auf dem Monrepos-Gelände nennt.

Wie es für sie und Friedolin weitergeht, weiß sie heute noch nicht. „Die nächsthöhere Stufe wäre Grand Prix“, blickt Klenk nach vorn. Bis es dafür reicht, warten noch einige vernebelte Morgenstunden in Ludwigsburg und Nächte in der „Besenkammer“ auf die 38-jährige Reiterin.

Philipp Böhl
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