Schwimmen
Ludwigsburg. | 15. August 2018

Bruhns Kampfansage für Olympia

Einmal Gold, einmal Bronze – die Schwimm-Europameisterschaft in Glasgow lief für Annika Bruhn besser als erhofft. Doch die 25-jährige Freistilspezialistin, deren Eltern in Ingersheim wohnen, steckt sich weiterhin hohe Ziele.

Annika Bruhn direkt nach ihrem Schlussspurt auf Platz eins in der Mixed-Staffel.Foto: Darko Bandic/dpa
Annika Bruhn direkt nach ihrem Schlussspurt auf Platz eins in der Mixed-Staffel.Foto: Darko Bandic/dpa

1,44 Sekunden Rückstand auf ihre russische Konkurrentin hatte Annika Bruhn, als sie als Schlussschwimmerin der deutschen Mixed-Staffel über die 4 mal 200 Meter Freistil ins Becken sprang. Circa 1,56 Minuten später schlug die 25-Jährige mit knapp einer Sekunde Vorsprung als erste an und sicherte sich damit gemeinsam mit ihrem Staffelteam (Reva Foos, Jacob Heidtmann und Henning Mühlleitner) überraschend den Europameistertitel.

„Mit Gold haben wir gar nicht gerechnet. Dazu die Zeit, die ich da geschwommen bin, ist das Sahnehäubchen“, sagt Bruhn, die in der Vergangenheit für den SV Bietigheim und die SG Neckar/Enz an den Start ging und deren Eltern noch heute in Ingersheim wohnen. Zu Ende war für Bruhn die EM damit ohnehin noch nicht – und auch nicht der Medaillensegen.

In der 4 mal 200-Meter-Staffel der Frauen schwamm sie zu Bronze. Und erneut war es die 25-Jährige von der Neckarsulmer Sport-Union, der auf den Schlussmetern nicht die Puste ausging. Hinter Großbritannien und Russland schlug Bruhn diesmal als Dritte an. „Das war trotzdem ein komplett anderes Rennen“, sagt Bruhn nach ihren erneut so erfolgreichen Schlussmetern, auf denen sie die französische Staffel auf Platz vier verwies.

Auf der letzten Gerade hatte sie selbst nicht so ganz mitbekommen, was sie da gerade geleistet hatte. „Ich habe nichts gesehen, außer neben mir den Beinschlag der Russin“, erzählt Bruhn. Auch daher galt für sie das alte Sprichwort: Augen zu und durch – übertragen auf das Schwimmen. „Am Ende dachte ich nur: Kopf ins Wasser und einen guten Anschlag machen, das hat dann Gott sei Dank gereicht.“

Damit sie in diesem Endlauf überhaupt noch genug Körner hatte, sagte Bruhn zuvor ihren Einzelstart ab. „Es wurde einfach zu viel. Ich hatte glaube ich elf Starts insgesamt. Im Finale bin ich immer ans Limit gegangen“, erzählt Bruhn. Außerdem habe sie sich ohnehin über die Staffeln hauptsächlich qualifiziert, „dann wollte ich da auch den Fokus drauf legen.“ Logisch, dass Bruhn angesichts dieser Ergebnisse ein positives EM-Fazit zieht. „Zwei Medaillen sind viel mehr, als ich erwartet hätte. Es ist Wahnsinn.“

Seit dem Wochenende ist Bruhn nun wieder zurück in Deutschland. „Am letzten Tag gab es noch in Glasgow eine kleine Abschiedsparty, da haben wir dann die Medaille gefeiert“, sagt Bruhn, die jetzt eine dreiwöchige Saisonpause einlegen darf. „Dann starten wir im September aber schon in die nächste Saison“, blickt sie bereits in die Zukunft.

Das große Ziel für die Olympia-Teilnehmerin von London 2012 und Rio de Janiero 2016 heißt nun Tokio 2020. „Das ist schon realistisch, sonst würde ich auch nicht darauf hintrainieren.“

Dann soll es aber nicht nur in den Staffeln so gut laufen wie zuletzt. „Jetzt da ich eine Zeit von 1,56 in der Staffel geschwommen habe, weiß ich, dass ich das drauf habe. Diese Zeit muss ich dann aber auch im Einzel bringen“, lautet Bruhns Kampfansage.

Philipp Böhl
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