Volleyball
Ludwigsburg | 15. Juni 2018

Drei Siege in 72 Stunden – DVV steckt hohe Ziele

Die Nations League kommt nach Ludwigsburg. Bei dem hochkarätig besetzten Volleyballturnier wollen die deutschen Männer nach ihrem letzten Strohhalm greifen.

Kapitän Lukas Kampa (links) geht optimistisch in die anstehenden Heimspiele in Ludwigsburg.Foto: DVV/Conny Kurth
Kapitän Lukas Kampa (links) geht optimistisch in die anstehenden Heimspiele in Ludwigsburg.Foto: DVV/Conny Kurth

Stuttgart/Ludwigsburg. Kraljevo, Lodz, Ottawa – und nun Ludwigsburg. So lauten die bisherigen Stationen der Deutschen Nationalmannschaft bei der Volleyball-Nations-League. Das internationale Turnier, an dem 16 Nationen teilnehmen, macht nun in der MHP-Arena halt. Heute (18 Uhr) trifft Deutschland auf Japan, morgen (16 Uhr) auf Argentinien und am Sonntag (15 Uhr) auf Russland.

Nach strapaziösen Auswärtsfahrten nun also Heimspiele für die Deutschen. „Das ist absolut ein Faktor. Umgekehrt kann man auch sagen: Es ist immer unangenehm, auswärts gegen die dortige Mannschaft zu spielen“, blickt Kapitän Lukas Kampa auf die letzten Spiele zurück und ergänzt: „Es ist immer schön, wenn man weiß, dass das Publikum auf der eigenen Seite ist.“

Mit einem breiten Grinsen gibt der Zuspieler dann das Ziel für die kommenden drei Spiele innerhalb von weniger als 72 Stunden vor. „Drei Siege“, sagt er knapp, ehe er anfügt: „Selbstverständlich ist das realistisch. Das sage ich komplett überzeugt.“ Kampa wirkt beinahe, als müsse er sich rechtfertigen. Denn bislang lief in der Nationenliga für die Deutschen nicht alles nach Plan. Mit vier Siegen aus neun Partien liegt das DVV-Team auf dem neunten Platz. Auf Rang sechs, der für die Teilnahme am Finalturnier in Lille berechtigen würde, fehlen zwei Siege bei sechs ausstehenden Partien. „Wir haben eine Chance, auch wenn uns das Spiel gegen Australien nachhängt“, weiß Trainer Andrea Giani.

Seine Mannschaft ließ vergangene Woche in Ottawa gegen den Drittletzten Australien beim 2:3 wichtige Punkte liegen. „Die Einstellung ist entscheidend. Es kann die Favoriten treffen und wir können als Underdog gewinnen“, weiß Giani um die eigenen Möglichkeiten. Auch er freut sich auf die Heimspiele in Ludwigsburg, selbst wenn der pragmatisch denkende Italiener in der Wertigkeit der Spiele keinen Unterschied macht. „Natürlich ist die sportliche Wichtigkeit hier zu Hause die gleiche, aber es ist immer schöner, in diesem Rahmen vor eigenem Publikum zu spielen.“

Nicht zu unterschätzen ist zudem der Faktor, den die Strapazen des Nations-League-Kalenders ausmachen. „Es ist intensiv und hart“, gibt der 31 Jahre alte Kampa zu. Dennoch ist es ein „sehr interessanter Wettkampf – sowohl für mich als alten Hasen als auch für die Jungen, weil es extrem fordernd ist.“ Darüber hinaus bleibt der Wettbewerb in diesem Jahr das wichtigste internationale Turnier, an dem die Deutschen teilnehmen. Die Qualifikation für die Weltmeisterschaft hat die Giani-Truppe vergangenes Jahr verpasst. Als „traurig“ bezeichnet Kampa das, denn „vom Niveau her gehören wir da hin“.

Auch Giani hätte lieber noch ein WM-Turnier im dichten Terminplan der DVV-Männer. „Wir haben gezeigt, dass wir eine Mannschaft sind, die vielleicht sogar um Medaillen bei einer WM spielen könnte.“ Das konnte das Team 2017 beweisen, als es bei der EM Silber holte. Erst im Finale scheiterte man damals gegen Russland, den Gegner von Sonntag.

Nun habe man, so Giani, ohnehin eine andere Mannschaft als vor zwölf Monaten. Auch dank der Nations League. Denn in dieser schleift Giani seine Spieler. „Jedes Turnier vor Ort ist das Wichtigste, um zu sehen, ob wir im Vergleich zum letzten Wochenende einen Schritt nach vorne gemacht haben und wie Spieler mit den Widrigkeiten umgehen.“ Lange Reisen, verschiedene Zeitzonen, hochkarätige Gegner – die Umstände machen die Nationenliga zum Härtetest für die Spieler. „Andere Mannschaften zerbrechen daran. Wir müssen zeigen, dass wir damit umgehen und das Niveau halten können“, plant Giani.

Philipp Böhl
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