Volleyball
Ludwigsburg | 27. Juni 2018

Mit Spielfreude in die Regionalliga

Frauen des MTV Ludwigsburg gehen nach ihrem überzeugenden Aufstieg aus der Oberliga selbstbewusst in die neue Saison

Gut gelaunt und erfolgreich (von links): Ludwigsburgs Vanessa Gruhn, Jennifer Staudenmeyer, Cornelia Flechtner, Vesna Panic, Sarah Schaefers und Melanie Erhardt bejubeln einen Punkt.Foto: privat
Gut gelaunt und erfolgreich (von links): Ludwigsburgs Vanessa Gruhn, Jennifer Staudenmeyer, Cornelia Flechtner, Vesna Panic, Sarah Schaefers und Melanie Erhardt bejubeln einen Punkt.Foto: privat

Am letzten Spieltag der vergangenen Saison machte ein etwas anderes Mannschaftsbild der Oberliga-Volleyballerinnen des MTV Ludwigsburg die Runde. Auf dem Foto flog goldenes Konfetti und die Spielerinnen hielten mit Blättern, auf denen einzelne Buchstaben zu sehen waren, das Wort „ungeschlagen!“ in die Kamera. Geschossen wurde das Bild nach dem 20. Sieg im 20. Oberliga-Spiel.

Das Lied „All I do is Win“ („Alles, was ich tue, ist gewinnen“) tönte auch nach diesem Match aus der Dusche der MTV-lerinnen. „Seit Sarah Schaefers und Vesna Panic dabei sind, gibt es eine Playlist für die Dusche“, hat auch Erfolgstrainer Sasa Stanimirovic bereits mitbekommen. Der 33-Jährige hat vor einem Jahr den künftigen Regionalligisten übernommen und ihm das Aufstiegs-Gen eingeimpft. „Die Spielerinnen waren geschädigt aus den Vorjahren. Wir waren immer fünf bis sechs Punkte vor dem Zweiten und haben dann die letzten Spiele vergeigt“, blickt der Lehrer einer kaufmännischen Schule zurück.

Insgesamt profitiert der MTV von einer talentierten wie auch intakten Mannschaft. „Vielleicht ist es ja unser Erfolgsgeheimnis, dass wir ab und zu nach dem Training zusammen ein Gläschen Sekt trinken“, scherzt Kapitänin Susanne Knapp. Sowohl von der 31-Jährigen als auch von ihrem Trainer wird immer wieder der besondere Teamgeist der Mannschaft hervorgehoben. „Der harte Kern spielt über drei, vier Jahre zusammen“, sagt Stanimirovic. Seine Kapitänin ergänzt: „Auch die jungen sind voll akzeptiert, wie man sieht“, sagt Knapp und zeigt auf das mit Gesang auf sich aufmerksam machende Team ein paar Meter weiter, das noch lange nach Trainingsende in der Halle Zeit verbringt.

Eine eingeschworene Truppe, weiß auch der 33-jährige Trainer zu schätzen. Schon fast wehmütig erklärt er: „Die Mädels wissen, dass ich es mache, weil sie es sind. Wenn es das hier in dieser Konstellation nicht mehr gibt, finde ich anderes schönes, was ich am Wochenende tun kann.“

Trotz allem Spaß und der Verbundenheit – Stanimirovic erwartet einiges von seiner Mannschaft. „Wenn wir schlecht spielen und gewinnen, bin ich nicht zufrieden. Die Spielerinnen wissen dann, dass ich sauer bin“, gibt der ehemalige Zweitligaspieler zu wissen. Bis zur vergangenen Saison stand er dann noch für die Herren des MTV auf der Platte. „Es war auch ein Grund, warum ich aufgehört habe, dass ich es nicht ertragen habe, zu verlieren“, lässt er seinen Ehrgeiz herausblitzen. Umso glücklicher für die MTV-Frauen ist, dass sie in Stanimirovics gesamter Amtszeit noch kein Spiel verloren haben. „Da haben wir auch ein bisschen Bammel vor“, spielt Knapp mit einem Lachen auf eine erste Niederlage unter ihrem Trainer an. Eine solche gab es nicht einmal im Pokal. Gegen den Regionalligisten TTV Dettingen gewann der MTV das Pokalfinale und sicherte sich vergangene Saison den insgesamt 25. Pflichtspielsieg. „Das war fast der größere Erfolg“, gibt Stanimirovic zu.

MTV Ludwigsburg muss lernen, wie es ist, zu verlieren

Eine ähnlich erfolgreiche Runde sei nicht zu erwarten. „Das soll jetzt nicht arrogant klingen, aber wir haben noch nicht verloren. Wir müssen das jetzt lernen“, sagt der Erfolgstrainer und gibt die Marschroute vor: „Ich habe meine persönlichen Ziele, die verrate ich erstmal nicht. Minimalziel ist der Nichtabstieg.“

Um das zu erreichen, macht sich Stanimirovic bei seinen Spielerinnen auf seine Art beliebt. „Im Juli werden sie zumindest 500 Bälle einfach nur vorbaggern“, kündigt er an – obwohl die Saison erst im September beginnt – und ergänzt: „Ich habe das als Spieler ja auch gehasst.“ Doch erst die Arbeit, dann das Vergnügen, gilt beim MTV. „Von den Umfängen, die man in der Vorbereitung trainiert, zehrt man im Dezember, wenn die ersten Mannschaften in ein Loch fallen. Unsere besten Spiele haben wir im Dezember gemacht“, erklärt Stanimirovic. Gut möglich also, dass auch im Dezember noch bei den laut Kapitänin Knapp „legendären Duschpartys“ das Lied „All I do is Win“ ertönen wird – auch wenn der Titel dann nicht mehr komplett der Wahrheit entsprechen könnte.

Philipp Böhl
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