Boxen
Ludwigsburg | 21. Juni 2018

Sahin bereit für „Kampf ihres Lebens“

Als Asiye Özlem Sahin am Mittwoch in Düsseldorf den Flieger nach Madrid bestieg, strotzte sie vor Zuversicht. Ihr Kampfgewicht von 47,6 Kilo hatte die Boxerin aus Remseck schon vier Tage vor dem Kampf um den Weltmeistergürtel der International Boxing Federation (IBF) auf die Waage gebracht.

Boxerin Asiye Özlem Sahin (links) mit ihrem Trainer Sebastian Tlatlik. Foto: privat
Boxerin Asiye Özlem Sahin (links) mit ihrem Trainer Sebastian Tlatlik. Foto: privat

Essen/Madrid. Die IBF, einer der vier bedeutenden Weltverbände im Boxen, hat die 27-jährige Spanierin Joana Pastrana und Asiye Özlem Sahin (41) vom MBC Ludwigsburg auserkoren, den vakanten Titel im Minimumgewicht unter sich auszumachen. Auf das Angebot aus den USA sind alle im deutschen Team mächtig stolz.

Während der fünfwöchigen Vorbereitung auf das Duell am Freitag im Polideportivo Jose Caballero in Madrid musste Sahin bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gehen. Trainer Sebastian Tlatlik trieb der Remseckerin in seinem Gym in Essen buchstäblich die Tränen in die Augen. „Sie hat sich gut weiterentwickelt. Wenn sie sich an unsere Strategie hält, hat sie eine gute Chance. Es ist der Kampf ihres Lebens“, äußerte sich auch der Coach vor dem Abflug optimistisch.

Das Wettkampfsparring absolvierte Asiye Özlem Sahin (1,53 m) ausschließlich mit Männern, die sie laut Tlatlik sehr gut beherrscht habe. Einen ihrer Kontrahenten schickte sie mit einem Leberhaken sogar auf die Bretter. Mit ihrer linken Führhand will sie im Hauptkampf am Freitagabend ihre Gegnerin unablässig beschäftigen, um dann die rechte Schlaghand variabel ins Ziel zu bringen. „Ich kann nicht von der weiten Distanz boxen. Als Kleinere muss ich in den Nahkampf gehen“, beschreibt Sahin ihre Marschroute. Auch die 14 Jahre jüngere Joana Pastrana (1,61 m) ist konditionsstark und bestens gerüstet für zehn Runden. Einen nicht zu unterschätzenden Vorteil können ihr die spanischen Fans in der Arena verschaffen, die lautstark zur Attacke blasen werden. „Sie wird mit allen Mitteln kämpfen, auch unsauber“, stellt sich Sahin auf einen Fight auf Biegen und Brechen ein und kontert sofort: „Aber da wird sie auf eine Mauer stoßen.“ Es bleibt zu hoffen, dass die Punktrichter im Hexenkessel den Überblick behalten. Sahin: „Ich wünsche mir eine neutrale Beurteilung des Kampfes.“

Die Remseckerin, die mehr als doppelt so viele Profiduelle bestritten hat wie Pastrana, kann aus einem großen Erfahrungsschatz schöpfen und eine ausgeprägte Willenskraft in den Schlagabtausch werfen. Und es ist für sie wieder ein sehr gutes Gefühl, dass sie von ihrem Arbeitgeber Bosch in Waiblingen für ein optimales Trainingslager freigestellt wurde.

Managerin Eva Dzepina (Essen), als Anwältin bestens gewappnet für das Boxgeschäft, hat ihrer Freundin den Rücken freigehalten und den organisatorischen Part für das Event abgewickelt. Erstmals in ihrer Laufbahn erhält Asiye Özlem Sahin eine Kampfbörse. „Sie ist so fokussiert wie noch nie“, attestiert Dzepina der im türkischen Trabzon geborenen Kämpferin mit deutschem Pass. Die Managerin hat die Dinge im Vorfeld so geregelt, dass Sahins WM-Titel bei den weniger bedeutenden Verbänden WBF und UBO nicht auf dem Spiel stehen.

Wie Dzepina andeutete, steht im Raum, dass der Kampf im spanischen Fernsehen live übertragen wird. Auch zwei Internet-Plattformen (www.goltelevision.com und www.as.com) sind in Verhandlungen über einen Livestream.

Erich Wagner
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