Frauen
Ludwigsburg | 04. Dezember 2017

Tabea Alts MTV bleibt unbezwingbar

Die Ludwigsburgerin holt mit ihrer Stuttgarter Mannschaft den Titel – TG Karlsruhe-Söllingen wird erneut Zweiter

Tabea Alt überzeugte am Samstag an allen vier Geräten und war am Ende die beste Turnerin des Nachmittags in der MHP-Arena. Foto: Baumann
Tabea Alt überzeugte am Samstag an allen vier Geräten und war am Ende die beste Turnerin des Nachmittags in der MHP-Arena. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Die Frauen des MTV Stuttgart werden beim Finale der Deutschen Turnliga in der Ludwigsburger MHP-Arena ihrer Favoritenrolle gerecht und holen den sechsten Titel in Folge. Zweiter wird erneut die TG Karlsruhe-Söllingen.

Arm in Arm starrten die Turnerinnen des MTV Stuttgart gespannt auf die Anzeigetafel der MHP-Arena, ehe Gewissheit wurde, was eigentlich schon klar war – die Deutsche Meisterschaft sollte auch in diesem Jahr an den Rekordmeister aus Stuttgart gehen. Kurz zuvor hatte der Verfolger aus Karlsruhe am Boden, dem letzten Gerät des Wettkampfes, mit Emma Höfele noch einmal starke 12.8 Punkte vorgelegt, doch gefährden konnte sie die Stuttgarterinnen nicht mehr. Zu sicher spulte Emelie Petz ihre Kür vor über 3000 Zuschauern ab und vergrößerte mit einer Spitzenwertung (13.05 Punkte) sogar noch den Vorsprung.

„Es kann immer schnell gehen im Turnen“, sagte die Ludwigsburger Lokalmatadorin Tabea Alt zur Möglichkeit, schon früher den Sieg zu feiern. Umso größer war dann die Freude, als die Anzeigetafel den Sieger bekanntgab: Mit 207.65 Punkten triumphierten Alt und ihre Mannschaftskameradinnen vor den Karlsruherinnen (204.40 Punkte). Dahinter schaffte es die TSG Steglitz auf Rang drei (188.85), die TG Mannheim (185.45) wurde Vierter.

Alt von ihrer Routine überrascht

Gerade Alt überzeugte bei ihrem „Heimspiel“ in Ludwigsburg über den gesamten Wettkampf und war am Ende sogar die tagesbeste Turnerin vor der Steglitzerin Michelle Timm. Dabei weiß Alt selbst nicht, wo sie mit gerade einmal 17 Jahren ihre ganze Routine herholt: „Das frage ich mich auch manchmal“, erzählt sie nach dem Wettkampf mit einem Lächeln. Gleichzeitig hebt sie aber hervor, dass auch Erfahrung eine große Rolle spielt, „und ich durfte ja schon alles turnen.“ In ihrer Heimatstadt Ludwigsburg ging für Alt tatsächlich ein turbulentes Jahr zu Ende. Nach ihren ersten Olympischen Spielen in Rio 2016 folgte der Gesamtweltcup-Sieg in diesem Jahr sowie Bronze am Schwebebalken bei der Weltmeisterschaft in Montreal. „Jetzt kommt die Meisterfeier und dann werde ich mir erst einmal eine Pause gönnen“, sagte Alt über eine Auszeit zum Jahresende. Diese kommt wohlverdient, schließlich musste sich Alt am Samstag häufiger auf die Turngeräte schwingen als ursprünglich geplant. „Ich habe relativ spontan alle vier Geräte geturnt, weil Elisabeth Seitz ausgefallen ist“, so Alt, die sich mit der eigenen Leistung und insgesamt 53.75 Punkten sehr zufrieden zeigte.

Überraschend war das für Teamkollegin Seitz, die nach einer trainingsfreien Woche sowie Problemen mit dem Fuß nur am Stufenbarren turnen konnte, keineswegs: „Ich habe schon erwartet, dass Tabea das so gut macht. Sie ist ein Wettkampftyp und kann ja ihr Zeug“, sagte Seitz. Die Sportsoldatin durfte bereits ihren dritten Meistertitel mit dem MTV feiern. Der 24-Jährigen reichte eine Übung an ihrem Paradegerät, um ihre ganze Klasse aufblitzen zu lassen. Mit 14.50 Punkten holte die Heidelbergerin die beste Einzelwertung des Tages.

Bereits zu diesem Zeitpunkt, nach zwei Geräten, zeichnete sich der erwartete Zweikampf zwischen den Stuttgarterinnen und der Mannschaft der TG Karlsruhe-Söllingen ab. Dabei ließen die Karlsruherinnen um Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer nicht locker und blieben stets in Schlagdistanz zum Favoriten. Der MTV erlaubte sich jedoch weder am Stufenbarren noch am Reck und am Boden grobe Schnitzer, sodass Schäfer und Co. im dritten Jahr in Folge nur der zweite Platz blieb. „Ausschlaggebend war heute denke ich unser Teamgeist“, sagte Alt nach dem Wettkampf. Für sie und ihre Mannschaft geht es ab März aufs Neue an die Mission Titelverteidigung, die dann in einem Jahr beim nächsten DTL-Finale in Ludwigsburg gelingen soll.

Philipp Böhl
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