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Bundesliga

Lehrjahre in zwei Basketball-Welten

Mit ihrer vierten Saisonniederlage haben die Ludwigsburger Basketballer die insgesamt erfolgreiche Hinrunde in der Bundesliga abgeschlossen. Die Enttäuschung von Gießen wollen die MHP-Riesen nun in positive Energie umsetzen. Heute Abend (20.30 Uhr) gastiert der Tabellensiebte, Rasta Vechta, in der erneut ausverkauften MHP-Arena.

Hans Brase will mit den MHP-Riesen heute gegen Rasta Vechta punkten. Foto: Baumann
Hans Brase will mit den MHP-Riesen heute gegen Rasta Vechta punkten. Foto: Baumann

Ludwigsburg. „Wir haben in den wichtigen Phasen eine unkluge Defensive gespielt“, haderte Hans Brase nach der 88:98-Niederlage am vergangenen Samstag. Der 26-jährige Flügelspieler stellte in Gießen mit 13 Zählern einen persönlichen Saisonbestwert auf. Nun hat er sich mit den MHP-Riesen fest vorgenommen, sowohl den Makel der 88:98-Hinspielniederlage in Vechta als auch den unglücklichen Auftritt in Gießen vergessen zu machen.

Dabei ist Vechta momentan wohl der geeignetste Gegner, um diese Vorhaben in die Tat umzusetzen. Denn wie das Team von Trainer John Patrick ist auch Rasta-Coach Pedro Calles ein Verfechter der Defensive-Philosophie. Auch für Hans Brase kommt diese Auseinandersetzung zur rechten Zeit. „Ich denke schon, dass mir das Spiel in Gießen viel Selbstvertrauen gegeben hat“, sagt der 2,06 Meter große Blondschopf, der während seines BBL-Rookie-Jahres in der Vorsaison beim Mitteldeutschen BC in dieser Spielzeit in Ludwigsburg längst Fuß gefasst hat. „Ich hatte ja Zeit, den europäischen Basketball kennenzulernen, und je mehr man spielt, desto besser wird es“, hat der ehemalige U 20-Nationalspieler erfahren.

Für den Power Forward, der in Charlottesville im US-Staat Virginia geboren wurde und der in seinen Basketball-Lehrjahren in den renommierten Teams der Princeton University und der Iowa State University in der NCCA auf Korbjagd ging, hat sich vor allem die Bedeutung der Großen Positionen verändert. Seien in den USA die Big Men vor allem unter dem Korb dominant, sei hierzulande das Spiel wesentlich dynamischer. „Heute brauchst du große Leute, die schnell sind, dribbeln können, Dreier werfen und Entscheidungen treffen“, sieht sich der Deutsch-Amerikaner eher als einen großen Flügelspieler europäischer Couleur.

Seine europäische Mentalität hat Brase auch in den Jahren in den USA geprägt. „Wir sind eine typisch deutsche Familie“, erzählt der Bruder zweier Geschwister, die mit ihren Eltern in den Staaten groß wurden, seinen Werdegang. Fleiß, Ehrgeiz und starker Wille sind die Attribute, die Brase auch nach Rückschlägen wieder auf die Beine halfen. „Meine Eltern haben immer gesagt, wenn du etwas machst, dann mache es hundertprozentig!“ – diese Maxime nahm sich der studierte Soziologe nach seinen beiden schweren Sportverletzungen zu Herzen. „Ich hatte zwei Kreuzbandrisse und ich habe jeden Tag hart gearbeitet, damit ich wieder fit werde, denn ich liebe Basketball sowohl auf dem Spielfeld als auch im Leben“, beschreibt Brase seine Leidenszeit in den Jahren 2015 und 2016.

Wechsel nach Ludwigsburg ein Glücksfall

Dass er im Sommer 2019 nach Ludwigsburg wechseln konnte, betrachtet Hans Brase heute noch als Glücksfall. „In unserem Team sind wir große Freunde, es herrscht ein Easy Going und wir chillen auch außerhalb des Sports viel in der Gruppe“, beschreibt er den Teamgeist der diesjährigen MHP-Riesen. Das sei beileibe keine Selbstverständlichkeit, so Brase, den der plötzliche Tod Kobe Bryants tief getroffen hat. „Als ich die Nachricht auf meinem Handy sah, konnte ich es fünf Minuten lang gar nicht glauben“, erinnert er sich an das Idol, das so viele Spieler seiner Generation geprägt hat.

Anders als die Ludwigsburger, die in diesem Jahr erst zwei Spiele absolvierten, haben die Korbjäger aus Vechta bereits sieben Spiele auf dem Buckel. Zuletzt verlor das Rasta-Team am Mittwoch in der Champions League gegen AEK Athen. „Die sind voll im Rhythmus und hoch motiviert“, warnt Brase, „aber wir hoffen, dass es für uns für den Sieg reichen wird.“

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