Logo

Basketball

MHP-Riesen bleiben Überflieger der BBL

Auch Brose Bamberg kann die Ludwigsburger Riesen in der MHP-Arena nicht stoppen. In der Basketball-Bundesliga schlagen die Riesen den früheren Serienmeister mit beeindruckender Souveränität und bleiben an der Spitze der BBL.

Ludwigsburgs Tremmell Darden (l.) zeigt, dass er trotz seiner 39 Jahre über enorme Sprungkraft verfügt – und versetzt den 14 Jahre jüngeren Christian Sengfelder ins Staunen. Foto: bm
Ludwigsburgs Tremmell Darden (l.) zeigt, dass er trotz seiner 39 Jahre über enorme Sprungkraft verfügt – und versetzt den 14 Jahre jüngeren Christian Sengfelder ins Staunen. Foto: bm

Ludwigsburg. Als kleinster Spieler im Kader der MHP-Riesen hat es Jordan Hulls manchmal womöglich etwas schwerer, auf sich aufmerksam zu machen. Beide Hände in die Höhe gestreckt versuchte der gerade einmal 1,83 Meter große US-Amerikaner seine Mitspieler dazu zu bringen, ihm im ersten Viertel der Basketball-Bundesliga-Partie gegen Brose Bamberg doch den Ball zuzuspielen. Jaleen Smith tat Hulls den Gefallen – wohlwissend, dass das Spielgerät beim erneut souveränen 83:75-Heimsieg im ersten Durchgang in keinen Händen besser aufgehoben war als in denen von Hulls. So auch nun: Pass Smith, Dreipunkte-Wurf Hulls, nichts außer Netz. Es war der 16 Punkt von Hulls im ersten Viertel. Am Ende des Spiels kam er auf 26 Zähler.

„Wir lassen den Ball gut laufen und versuchen den Ball dem Spieler zu geben, der gerade heiß ist“, sagte Hulls nach der Partie bei Magentasport mit einem schelmischen Grinsen. Seit dem Bayreuth-Spiel am 2. Januar ist Hulls wieder mit seiner Familie vereint. Seine Frau und seine mittlerweile drei Kinder sind nun dauerhaft aus den USA nach Ludwigsburg gezogen und sorgten bei Familienvater Jordan bislang für einen beachtlichen Aufschwung. Nachdem er ohnehin bereits die gesamte Saison überzeugend spielt hatte, folgte vergangenen Samstag gegen Ulm ein Buzzer Beater zum Spielgewinn sowie nun gegen Bamberg eine Gala im ersten Viertel.

In diesem gelangen zu Beginn keinem der beiden Teams nennenswerte Stopps in der Verteidigung. Lange blieb die Partie ausgeglichen, bis Hulls von einem ordentlichen hin zu einem herausragenden ersten Viertel explodierte und den Ludwigsburgern eine 26:17-Führung ermöglichte. Ein Dreier von Michele Vitali verkürzte für dennoch solide spielende Bamberger auf 20:26 zum Ende des ersten Durchgangs.

Näher kam der einstige Serienmeister aus Bamberg allerdings nicht heran. Nach tollem Pass von Yorman Polas Bartolo enteilte Routinier Tremmell Darden seinem Gegenspieler und stellte auf 40:26. Danach verließen sich die Riesen immer mehr auf Einzelaktionen. Das hatte besonders deshalb Erfolg, weil der flinke Barry Brown bei seinem Zug zum Korb höchstens per Foulspiel zu stoppen war. Gleichzeitig tat sich Bamberg selbst bei freien Distanzwürfen enorm schwer. Ein 5:0-Lauf der Gäste zum Viertelende inklusive eines Dreiers von Devon Hall mit der Schlusssirene hielt das Brose-Team dennoch in Schlagdistanz (39:49). Halls Treffer war erst der dritte versenkte Drei-Punkte-Wurf der Partie bei bis dahin 17 Versuchen.

Besser machte das – wie auch die gesamte Partei über – Hulls zu Beginn der zweiten Spielhälfte mit seinen Punkten zum 52:39. „Man vergisst schnell, wie viel das wert sein kann“, hatte Altmeister Darden noch vergangene Woche im Gespräch mit unserer Zeitung über den Faktor Familie gesagt, der scheinbar auch Hulls beflügelte. Eine weitere Aussage Dardens, mit 39 Jahren der älteste Spieler der Liga, untermauerte der US-Amerikaner selbst. „Ich denke nicht, dass ich mich wie der älteste Spieler der Liga bewege“, hatte Darden im Interview gesagt. Als müsste er das noch beweisen, stopfte er ein Alley-Oop-Anspiel von Hulls spektakulär zur 56:39-Führung in den Ring. Nach drei Punkten des mit 18 Zählern ebenfalls überzeugenden Smith zogen die Gelb-Schwarzen zur höchsten Führung der Partie davon (61:42).

Für weitere Höhepunkte sorgten die Riesen in der Folge zunächst allerdings nicht. „Wir waren ein bisschen zu lässig in Phasen des dritten und vierten Viertels“, monierte Coach John Patrick nach der Partie.

Womöglich ist es aber gerade die Stärke seiner Mannschaft, dass selbst schwächere Sequenzen mit deutlich geringerer Intensität in dieser Saison immer noch ausreichen, um den Gegner auf Distanz zu halten. Nicht das erste Mal in dieser Spielzeit reichte eine furiose Anfangsphase, um die Weichen zum zehnten Sieg in Serie zu stellen. So auch gegen die in der Champions League noch ungeschlagenen Bamberger, die nach der Niederlage in Ludwigsburg weiter um den Anschluss an die Play-off-Plätze kämpfen müssen. Bis auf neun Zähler kam das Brose-Team von Coach Johan Roijakkers zwei Minuten vor Spielende heran, nachdem Vitali zwei weitere Distanzwürfe direkt nacheinander verwandelte (71:80).

Den Eindruck, die Partie aber tatsächlich noch drehen zu können, machte Bamberg am Samstag nicht. „Es gab einige Momente im Spiel, in denen wir die Kontrolle verloren haben. Alle anderen Minuten waren, meiner Meinung nach, sehr ausgeglichen. Aber die kleinen Sachen entscheiden schlussendlich eben das Spiel“, sagte ein stoischer Roijakkers nach Spielende.

Statistik

Ludwigsburg: Hulls (26/6 Dreier), Jac. Patrick, Smith (18/2), Brown (15/2), Herzog, Radebaugh, Polas Bartolo (7/2), Wohlfarth-Bottermann (9), Rodriguez (2), Darden (6).

Bamberg: Lockhart (8/2), Ruoff, Fieler (9/1), Hall (5/1), Ogbe (4), Thompson (2), Vitali (13/3), Hundt (16/2), Sengfelder (8), Kravish (10). Grüttner Bacoul.

Viertelergebnisse: 26:20, 23:19, 17:16, 17:20. Halbzeitergebnis: 49:39.

Rebounds: Ludwigsburg 21 (3 offensiv, 18 defensiv); Bamberg 36 (13 offensiv, 23 defensiv). Wurfquote: Ludwigsburg 52 Prozent (29 von 56); Bamberg 46 Prozent (27 von 56).

Autor: