Logo

Basketball

Riesen jagen vergeblich das Wunder

Lange bastelt Ludwigsburg gegen Bamberg an einem Basketball-Wunder. Der lachende Dritte heißt am Ende Ratiopharm Ulm, das vom knappen Riesen-Sieg profitiert und ins Top-Four des Pokals einzieht.

Präsent unterm Korb: Ludwigsburgs Jonas Wohlfarth-Bottermann (l.) gegen Bambergs Christian Sengelder. Foto: Harry Langer
Präsent unterm Korb: Ludwigsburgs Jonas Wohlfarth-Bottermann (l.) gegen Bambergs Christian Sengelder. Foto: Harry Langer

Ulm. Ein weißes Shirt mit der Aufschrift „Lubu“ und der Nummer 18 – so feuerte Per Günther gestern Abend im letzten Spiel der Gruppe C des BBL-Pokals die MHP-Riesen Ludwigsburg und seinen früheren Ulmer Teamkollegen Jonas Wohlfarth-Bottermann an. Routinier Günther, seit 2008 bei Ulm unter Vertrag, hoffte auf einen Sieg der Riesen um Wohlfarth-Bottermann gegen Brose Bamberg – mit Erfolg. Dank dem 99:72 der Ludwigsburger gestern Abend ist Ratiopharm Ulm der lachende Dritte und zog damit ins Top Four ein.

Noch am Samstag fehlte den Riesen beinahe alles, was sie in der vergangenen, so erfolgreichen Saison ausgemacht hatte. „Ulm war besser, aggressiver, stärker“, bemängelte Riesen-Trainer John Patrick nach der 72:92-Niederlage gegen Günthers Ulmer. Eine Erkenntnis, die auch sein Pendant Jaka Lakovic nicht entgangen war. „Normalerweise ist Ludwigsburg das Team, das mit viel Intensität und starker Defensive spielt“, lobte er seine Truppe, die den Riesen vor 600 Heimfans die Grenzen aufzeigte. Die Entscheidung fiel dabei zu Beginn des letzten Viertels. Anstelle einer Aufholjagd der Riesen zogen die Ulmer mit einem 10:0-Lauf auf 78:59 davon – ein Polster, das bis zum Spielende nicht schrumpfte und einen Tag später besonders wehtat.

Denn gestern, nur 24 Stunden nach der bitteren Pleite, schien es, als hätten die Riesen nicht nur ihre Arbeitskleidung von den gelben auf schwarze Trikots gewechselt, sondern auch die Spieler, die diese trugen. Offenbar entschlossen, das kleine Basketballwunder hinzubekommen, zeigten sie sich schon beim Warmmachen hellwach, engagiert und zudem wesentlich lauter als noch Tags zuvor. Und das, obwohl man den früheren Serienmeister aus Franken mit mehr als 32 Zählern hätte schlagen müssen, um die nächste Runde zu erreichen.

Zu spüren bekam dies das von aggressiv verteidigenden Riesen überraschte Bamberg. Angeführt von Jaleen Smith schenkte Ludwigsburg dem Brose-Team keinen Punkt. Mit einer 24:21-Führung gingen die Riesen in die erste Viertelpause – und zündeten danach den Turbo. Lediglich acht Zähler ließen sie bis zur Halbzeit zu. Ein Dunk nach Ballgewinn von Tremmell Darden sowie zwei Punkte von Barry Brown, der selbst das Leder erobert hatte, brachten die 38:26-Führung, die bis zur Sirene auf 14Zähler anwuchs (43:29).

Bambergs Fieler als Spaßverderber

Zum Spaßverderber entwickelte sich im dritten Viertel Chase Fieler. Der 28-jährige Neuzugang der Bamberger, die nur mit einem Sieg ins BBL-Pokal-Top-Four einziehen konnten, warf sich in einen kleinen Rausch. Acht Punkte in nur zwei Minuten und am Ende 21 Zähler hielten die Rot-Weißen in Schlagdistanz – und ließen die Ludwigsburger Jagd nach dem deutlichen Sieg immer unwahrscheinlicher werden. Mit der Schlusssirene stellte Brown den 10-Punkte-Vorsprung wieder her.

Die Barockstädter gingen auch im letzten Viertel nicht vom Gaspedal. Besonders Wohlfarth-Bottermann machte Ludwigsburger Schwächen unter dem Korb gegen Ulm nun vergessen. Defensiv hatte Wobo allerdings seine Probleme mit David Kravish. „Er ist ein guter Schütze“, rief Coach Patrick seinem Center auf Englisch zu, nachdem Wohlfarth-Bottermann dem großgewachsenen Kravish zu viel Platz beim Wurf gelassen hatte. Kravish und Fieler verkürzten auf neun Zähler (61:70).

In einer am Ende wilden Partie versuchten beide Teams das scheinbar unmögliche: Bamberg wollte die Partie drehen, Ludwigsburg noch weiter davonziehen – was dank wilder Dreier von Lukas Herzog, Smith und Brown sogar bis zum 97:70 gelang. Zwischenzeitlich sah sich Günther, der mittlerweile sein Fanshirt unter einem grauen Pullover versteckt hatte, sogar gezwungen, die Bamberger anzufeuern. Näher als auf die 27 Zähler beim Endstand kamen die Riesen allerdings nicht heran. Und Günther zeigte sein Fanshirt wieder.

„Jetzt wurde ich geadelt“, scherzte Wohlfarth-Bottermann nach der Partie bei Magentasport über Günthers Unterstützung und sah darüber hinweg, dass der Ulmer Routinier den Namen des Ludwigsburger Centers nicht einmal richtig geschrieben hatte.

Autor: