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Spielunterbrechung

Riesen und SG BBM hoffen auf Besserung

Profiligen in Basketball und Handball ruhen – Für teilnehmende Clubs aus Ludwigsburg und Bietigheim neue Situation und große Herausforderung

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Ludwigsburg/Bietigheim-Bissingen. Um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu stoppen, wurden deutschlandweit alle Sportveranstaltungen bis auf weiteres abgesagt. Die Basketball-Bundesliga ruht für die MHP-Riesen Ludwigsburg auf unbestimmte Zeit, innerhalb der kommenden zwei Wochen wollen die Clubs erneut beraten.

Die erste und zweite Handball-Bundesliga haben den Spielbetrieb sogar bis mindestens 21. April ausgesetzt, weshalb auch die SG BBM Bietigheim nun erst einmal Pause hat. Für Spieler, Trainer und Funktionäre stellen die Einschnitte eine bisher nie da gewesene Herausforderung dar.

„Natürlich steht die Gesundheit an erster Stelle“, sagte Riesen-Trainer John Patrick. „Niemand hat Erfahrung mit so einer Krise.“ Der 52-Jährige hat als Spieler und Trainer im Basketball schon viel erlebt, aber an solches Ausmaßes kann er sich nicht erinnern. Im Jahre 1995 war er als Spieler in Tokio in einer ähnlichen Situation. Damals beeinflusste ein Saringas-Anschlag auf die dortige U-Bahn den Alltag. „Das war wie im Krieg, auf einmal stand das ganze Land unter Schock“, blickt Patrick zurück. „Das lässt sich mit dem jetzigem Gefühl, dass sich plötzlich alles verändert, vergleichen.“

Wie für alle Mannschaftssportarten droht auch für die Riesen im schlimmsten Fall der komplette Abbruch der Saison. Für die Ludwigsburger wäre das besonders bitter. Nach 21 Hauptrundenspielen stehen die Riesen auf Rang 2 und haben eigentlich noch alle Chancen. „Es ist natürlich extrem schade auf die Saison bezogen, weil wir echt was reißen könnten“, sagt Riesen-Spieler Jonas Wohlfarth-Bottermann. „Das ist bitter, aber man muss das große Ganze sehen. Das sind Dinge, die kein Mensch kontrollieren kann.“ Trainiert wird nun dennoch weiter, allerdings individuell. Wohlfarth-Bottermann, der in Möglingen wohnt, will dabei die Feldwege am Rande des Ortes zum Joggen nutzen. Kontakt halten die Spieler untereinander trotzdem. „Wir haben eine gute Teamchemie, das macht die Situation leichter. Wir reden viel darüber. Auch, weil einige weit weg von ihren Familien sind und Sorgen haben.“

Die sportliche Ungewissheit ist verbunden mit finanzieller Unsicherheit. Durch die ausbleibenden Spiele fehlen Einnahmen, die fest einkalkuliert sind. „Das ist alles ein Riesendesaster für jeden einzelnen Club und mit Sicherheit für die meisten existenzgefährdend“, stellt Alexander Reil klar. Der 54-Jährige ist erster Vorsitzender der MHP-Riesen und Liga-Präsident. Wie stark sich die Situation auf die Riesen auswirken wird, kann er noch nicht abschätzen. „Das kommt alles darauf, an was die nächsten Wochen passieren wird.“ Bisher seien nur kleine Maßnahmengetroffen. Einzelne Mitarbeiter sind nicht den ganzen Tag im Büro und die Öffnungszeiten der Geschäftsstelle wurden verkürzt.

Ähnlich sieht es bei den Handballern aus. „Der Ruf nach Hilfe ist einheitlich laut“, sagt HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann. „Oberstes Ziel ist jetzt die bestmögliche Absicherung der Liquidität der Clubs und der HBL selbst. Die Situation ist extrem strapaziert. Momentan gibt es nur Ausgaben, keine Einnahmen.“ Die Gehälter müssen schließlich weiterbezahlt werden.

Auch für Bastian Spahlinger, Geschäftsführer des Zweitligisten SG BBM Bietigheim, ist die Situation schwierig: „Es ist für uns alle eine Bewährungsprobe und eine klare Herausforderung, aber wir müssen versuchen, da Lösungen zu suchen.“ Er habe bereits mit einigen Sponsoren Gespräche geführt, die positiv verlaufen seien. Zudem laufen unabhängig vom Ausgang der Krise die Planungen für die nächste Saison. Am Montag wollen sich die Vereine in einer Telefonkonferenz über die aktuelle Situation beraten.

In Bietigheim ruht der Trainingsbetrieb ebenfalls. Coach Hannes Jón Jónsson hat für alle Spieler individuelle Trainingspläne ausgearbeitet. „Unserer sportlichen Ziele sind unser Leben, sie sind das wichtigste. In solchen Situationen merkt man aber, dass es Sachen gibt, die wichtiger sind, als unsere sportliche Situation“, sagt der Isländer.

Die Entscheidung, den Spielbetrieb auszusetzen, hält er für gut und richtig. „Das ist eine absolute Ausnahmesituation. Man darf nicht an den Leuten zweifeln, die diese Entscheidung treffen und muss sich an die Regeln halten“, stellt er klar und ordnet die Situation ein: „Frühere Generationen mussten durch Hunger und Krieg, wir müssen nur Zuhause bleiben. Das bekommen wir hin.“

Auch die Spieler der Bietigheimer stellen das sportliche Geschehen in den Hintergrund. „Wir sollten das machen, was die Behörden von uns verlangen und uns verantwortungsbewusst zeigen“, betont Kapitän Jan Asmuth.

Dabei trifft die Bietigheimer die Unterbrechung ebenfalls hart. Nach dem schwachen Saisonstart hatte sich die SG zurückgekämpft und ist nun mitten im Rennen um die direkte Rückkehr in die Bundesliga gewesen. „Das ist ein ganz komisches Gefühl. Wir müssen schauen, dass wir irgendwie die Spannung halten.“

Dabei liegt die große Hoffnung der Profis darin, dass es in fünf Wochen weitergehen kann. „Ich hoffe, wirklich, dass wir alles ausspielen können, auch wenn es dann viele Spiele in kurzer Zeit wären“, sagt Asmuth. „Wir müssen jetzt viel im athletischen Bereich investieren und uns vorbereiten.“

Auf dasselbe Szenario hoffen auch die Riesen: „Die Hoffnung ist ganz klar, dass sich die Situation absehbarer Zeit beruhigt und wir die Saison zu Ende spielen können, aber das geht natürlich nur, wenn es gesundheitlich möglich wäre“, erklärt Wohlfarth-Bottermann. „Der bittere Beigeschmack ist, dass es ausgerecht in dieser Saison passieren musste.“

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