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Interview

„Zusammenstellung passt wie die Faust aufs Auge“

Ludwigsburgs „Sportler des Jahres“ heißt Johannes Thiemann. Der 24-jährige Basketballer von den MHP-Riesen Ludwigsburg spricht über seinen Aufstieg zum Nationalspieler, das Erfolgsrezept der Riesen und seine Zukunft in Ludwigsburg.

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Johannes Thiemann. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Herr Thiemann, Gratulation zum Titel „Ludwigsburgs Sportler des Jahres“. Auch als „Mannschaft des Jahres“ waren die Riesen erfolgreich. Welcher Titel bedeutet Ihnen mehr?

Johannes Thiemann: Das freut mich riesig, ich war noch nie Sportler des Jahres und fühle mich geehrt. Basketball ist ja ein Mannschaftssport, aber natürlich sind persönliche Auszeichnungen immer etwas Besonderes.

Nationalspieler, Champions-League-Viertelfinale, derzeit Dritter in der BBL und nun die Ehrung bei der Sportlerwahl – hätten Sie erwartet, so durchzustarten?

Das hätte ich nicht gedacht. Es ist immer noch schwer zu begreifen, wie sich die letzten Jahre entwickelt haben. Ich war vor zwei Jahren in der Pro A, jetzt bin ich Nationalspieler und bei einem Topteam. Wenn man mir das vor drei Jahren gesagt hätte, hätte ich das nicht geglaubt.

Welchen Einfluss hatten darauf die Riesen und Trainer John Patrick?

Einen sehr großen. Ich glaube, es ist ungewöhnlich, dass ein Spieler aus der zweiten Liga kommt und direkt jedes Spiel startet. Das Konzept in Ludwigsburg, der schnelle Basketball – da passe ich gut rein. John Patrick will, dass man mit Energie spielt und nicht so relaxt ist, wie es vielleicht bei anderen Vereinen der Fall ist, wo man eben nicht 40 Minuten presst. Er verlangt sehr viel und auch ein Komplettpaket aus Offensive und Defensive.

In Meisterschaft und Champions League haben die Riesen eine gute Ausgangsposition. Welcher Titel wäre schöner?

Ich würde den BBL-Titel als attraktiver bezeichnen, weil die Liga einen höheren Stellenwert hat. Die Champions League gibt es erst zwei Jahre, da ist mehr Tradition in der BBL. Aber ich glaube auch, dass in der Champions League die Chancen besser stehen, den Titel zu holen.

Wieso läuft es diese Saison so gut?

Wir haben einfach eine extrem gute Balance in der Mannschaft. Jeder im Team gibt uns etwas und die Zusammenstellung passt wie die Faust aufs Auge.

Wie ist es, gerade jetzt mit einer Verletzung auszufallen, nachdem Sie sich im Februar einen Riss der Bizepssehne im Oberschenkel zugezogen haben?

Es ist für mich sehr bitter, jetzt nur zuschauen zu können. Ich freue mich riesig, dass wir weiter erfolgreich spielen. Aber ich würde lieber auf dem Feld stehen und dem Team helfen. Das ist natürlich scheiße, gehört aber leider zum Sport dazu. Ich versuche, jetzt wieder fit zu werden und vielleicht kann ich ja noch mal eingreifen.

Wie haben Sie die Verletzung verdaut?

Die ersten drei Wochen waren extrem hart, als ich nicht laufen konnte und mir nicht einmal meine Socken alleine anziehen konnte. Das ist auch ein mentaler Härtetest, wenn man sonst zweimal am Tag Sport macht und dann auf einmal drei bis vier Wochen nur rumliegen darf. Ich bin jetzt öfter beim Training und werfe immer mal wieder ein bisschen. Aber wenn der Ball dann mal wegspringt, habe ich auch verloren (lacht).

Wer hat Ihnen denn geholfen, die Socken anzuziehen?

(lacht) Meine Freundin war in der Zeit hier und hat mich auch zum Arzt gefahren. Dafür bin ich sehr dankbar.

Wie sieht Ihr Alltag jetzt aus?

Ich kann schon wieder meinen Oberkörper trainieren. Zudem habe ich Behandlungen. Ansonsten spiele ich in der Freizeit Playstation, Klavier und mache meinen Fitness-B-Trainerschein.

Ihr Vertrag bei den Riesen läuft zum Saisonende aus. Haben Sie schon darüber gesprochen, wie es im Sommer weitergeht?

Nein, noch nicht. Momentan versuche ich auch erst mal, wieder fit zu werden.

Sie kommen aus dem Bamberger Nachwuchsprogramm. Viele Spieler, die aus diesem kommen, sind in der Bundesliga oder sogar in der NBA aktiv. Ist das für Sie ein Traum oder ein konkretes Ziel?

Die NBA wäre ein Traum. Darüber würde ich mich riesig freuen. Aber ich habe es nicht als Plan.

Bamberg war die vergangenen Jahre absoluter Primus in der BBL. Wäre das ein mögliches Ziel, wohin Sie als etablierter Spieler zurückkehren könnten?

Bamberg ist ein sehr guter Verein mit sehr gutem Konzept. Falls es irgendwann passen sollte, würde ich natürlich nicht nein sagen oder das ausschließen. Aber die Basketballwelt ist groß, ich bin noch jung und weiß noch nicht, wie es weitergeht. Mir gefällt es hier sehr gut und man muss im Sommer sehen, ob man in Ludwigsburg zusammenfindet.

Was schätzen Sie am meisten an Ludwigsburg?

Mir gefällt die Stadt sehr gut. Auch die Nähe zu Stuttgart. Es ist eine schöne Region.

Sie selbst haben in der Jugend Fußball gespielt, haben sich dann aber für Basketball entschieden. Wieso?

Damals habe ich mich dafür entschieden, weil ich so groß geworden bin und im Fußball in die Innenverteidigung sollte. Das war nichts für mich. Dann hat mich mein Schulsportlehrer auf die Größe angesprochen und mich mehr oder weniger gezwungen, zum Basketball zu gehen. Dann hat es mit der Zeit, auch weil ich relativ schnell relativ gut geworden bin, sehr viel Spaß gemacht.

Was ist das Schöne am Basketball?

Es ist ein sehr schnelles Spiel. Im Basketball spielt jeder ein bisschen alles, es ist ein schönerer Fluss im Spiel und für mich ist es vielseitiger als Fußball. Ich sage mal so: Viertes Viertel, die letzten zwei Minuten, ein enges Spiel – das ist einfach geil.