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Eishockey

Der große Aufschwung bleibt aus

Vor einem Jahr gewann die Eishockeynationalmannschaft sensationell die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen. Die Hoffnung auf einen Aufschwung war groß. Was wurde daraus?

Gute Voraussetzungen: Jugendtraining in Bietigheim. Archivfoto: Baumann
Gute Voraussetzungen: Jugendtraining in Bietigheim. Foto: Baumann

Bietigheim-Bissingen. Ein Jahr ist vergangen, seit die Eishockeynationalmannschaft ganz Deutschland begeisterte. Völlig unerwartet stürmte die Mannschaft von Ex-Bundestrainer Marco Sturm bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang zur Silbermedaille. „Ich fand das sensationell, war bei jedem Spiel wach und habe alles live angeschaut“, sagt Gregor Rustige. Der Vereinsmanager des Eishockey-Clubs SC Bietigheim-Bissingen spielte einst sogar mit einigen Helden des Silberteams zusammen. „Die Medien haben verstärkt darüber berichtet. Auch die Eltern erwähnen es immer wieder.“

Doch der große Aufschwung blieb aus. „Wir haben Topzahlen, aber ob das auf das Olympiading zurückzuführen ist, kann man schwer sagen“, berichtet Rustige. Demnach seien bei den Jüngsten von September bis Januar 122 Kinder in der Eislaufschule angemeldet gewesen, zwölf mehr als im Vorjahr. Ein Zuwachs, aber kein gigantischer. Insgesamt sind über 200 Jugendspieler in den Reihen des SCB aktiv.

Ein wichtiger Punkt seien die erhöhten Fördermittel, erklärt Rustige. Dadurch könne der Bundes- und Landesverband die Spitzensportarbeit verbessern. Das kommt den 23 Auswahlspielern der Bietigheimer zugute. Überhaupt sind die Sorgen im Ellental vergleichsweise gering. „Wir in Bietigheim haben hervorragende strukturelle Voraussetzungen mit zwei Eishallen und einem Kraftraum. Wir haben sehr gute Leute im ehrenamtlichen Bereich, die Sponsoren suchen“, zählt der 31-jährige Ex-Goalie auf. „Das macht es möglich, gute Trainer anzustellen. Gute Trainer heißt immer gute Kinder.“ Wie der Klub gestern mitteilte, wird der erfahrene Rupert Meister neuer Nachwuchschef und U 20-Coach – ein weiterer Kompetenzgewinn.

Aufholbedarf besteht in Sachen Schulkooperation, hier ist der SCB in Zusammenarbeit mit dem Handball-Bundesligisten SG BBM Bietigheim auf einem guten Weg. Mittlerweile gibt es mit mehreren Schulen Vereinbarungen.

Was fehlt, ist die Konkurrenz. Im Kreis Ludwigsburg gibt es keinen weiteren Eishockeyklub. Die Ludwigsburger Eishalle ist laut Rustige für Eishockeyspiele zu klein. Die nächstgelegenen Standorte Heilbronn, Pforzheim, Esslingen und Stuttgart können nicht mit den Voraussetzungen in Bietigheim mithalten. Auch das ein Grund, unter dem die Aufmerksamkeit leidet, wie Rustige weiß: „Das ist schade. Mehr Konkurrenz wäre für uns viel besser, schon was die Auswärtsfahrten angeht.“

Volker Schoch, Geschäftsführer der Bietigheim Steelers hätte mehr vom großen olympischen Erfolg erwartet: „Ich hatte gehofft, dass in den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern mehr über den tollen Eishockeysport kommt. Aber die Realität hat einen sehr schnell wieder.“

In der Ege Trans-Arena habe sich nicht viel verändert, das Zuschauerinteresse sei stabil, etwa auf Vorjahresniveau. „Ein klassisches Strohfeuer. Einen schlechten VfB interessiert jeden in der Region mehr, als das, was im Eishockey passiert“, kritisiert Schoch. „Weil der allmächtige Fußball alles wegdrängt.“

Auch bei Sponsorengesprächen spiele der überraschende Erfolg in Südkorea keine Rolle. Stattdessen erhofft sich Schoch durch die wiedereingeführte Verzahnung zwischen DEL und DEL2 positive Effekte. „Aber eine Garantie gibt es nicht, das ist eher der Wunsch.“ Jahrelang war für Zweitligist Bietigheim kein sportlicher Aufstieg möglich. Ab der Saison 2020/21 gibt es diese Perspektive wieder.

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