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Interview

Interview mit Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch „Hellblaues Auge wäre mir lieber“

Sportlich liegt Eishockey-Zweitligist Bietigheim Steelers auf Kurs. Der Corona-Pandemie zum Trotz werden die Schwaben die Saison nach Einschätzung von Geschäftsführer Volker Schoch auch wirtschaftlich überstehen.

Schaut bereits auf die nächste Saison: Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch.Foto: Baumann
Schaut bereits auf die nächste Saison: Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch. Foto: Baumann

Bietigheim-Bissingen. Für die neue Runde, egal in welcher Liga die Steelers dann spielen, sei aber eine Perspektive mit Zuschauern wieder nötig, sagt Schoch im LKZ-Interview.

Die „Coronahilfen Profisport“ sind ja noch mal bis Ende des Jahres verlängert und auch aufgestockt worden. Wie hilfreich ist diese Unterstützung für die Steelers und welche Verluste kann man damit auffangen?

Volker Schoch: Sagen wir mal so: Wenn die Hilfe kommt, ist es gut. Noch ist sie nicht da. Aber die Aussicht ist vorhanden und sie wird uns helfen zu überleben. Wenn auch die gestellten Sponsorenrechnungen in dem Maße gezahlt werden, dann haben wir schon eine Chance. Diese Saison kriegen wir damit rum. Aber wenn es keine Entscheidung gibt für die neue Runde – egal in welcher Liga – dass man wieder mit Zuschauern spielen kann. Ein zweites Jahr wird dann kein Sponsor mitmachen und sagen: ich verzichte noch mal auf meine Leistung, die ihr mir geben könnt. Diese Saison sollten wir überstehen, aber ich bin gedanklich schon in der nächsten Saison. Eine erneute Runde ohne Zuschauer wird nicht möglich sein.

Die Steelers haben eine sogenannte Verzichter-Aktion gestartet. Was hat es damit auf sich?

Die Leute haben uns 2017 quasi Darlehen gegeben, das waren 397 Personen, die da mitgemacht haben. Von 50 bis 5000 Euro. Und viele haben sich schon bereit erklärt, auf die Rückzahlung zu verzichten, um uns zu helfen.

Kann man also sagen, dass die Steelers aus dieser Saison mit einem blauen Auge davonkommen?

Ein hellblaues Auge wäre mir lieber. Aber wir arbeiten mit unserem Steuerberater intensiv zusammen und können ja alle Ausfälle klar dokumentieren, denn wir haben eine saubere Buchhaltung. Was wir beantragen, ist belegbar.

Wie bewerten Sie den bisherigen Verlauf der Saison?

Wir sind gestartet, um nach der Hauptrunde unter die ersten Acht zu kommen. Wir haben noch einen vierten Ausländer dazu geholt und sind, was die Personalplanungen angeht, auf der Bremse geblieben. Wir haben da sinnvoll gearbeitet und das wird uns am Ende auch helfen. Und mit der Mannschaft, die wir heute haben und der wir vertrauen, kann man viel erreichen. Am Ende zählt die Fitness und die Bereitschaft für die Play-offs. Mit dem Vorsprung, den wir auf Platz neun haben, sind wir sicher mit dabei. Dann geht es neu los. Ich habe die Play-off-Trikots auch bereits bestellt. Wenn dann unsere verletzten Spieler wie Tim Schüle, Benjamin Zientek, Yannick Wenzel und Nikolai Goc wieder zurück sind, haben wir eine Truppe, die mitspielen kann.

Mitspielen heißt: wenn es sehr gut läuft, kann man auch ins Finale kommen?

Sport ist harte Arbeit, Bereitschaft, Wille, aber auch Glück. Wenn das alles zusammen kommt, kann man auch Meister werden. Wir werden den Spielern das nicht verbieten. Aber es sind andere Mannschaften mit im Ring, die mehr Geld in die Hand genommen haben. Ich traue unserem Team trotzdem viel zu, weil es charakterlich stark ist.

Haben die Neuzugänge der Steelers die Erwartungen bislang erfüllt?

Definitiv. Riley Sheen und C.J. Stretch haben eine gute Ausbeute, Max Renner war länger verletzt, man sieht, er braucht auch etwas Zeit, bis er wieder richtig drin ist. Aber er ist ein Top-Verteidiger. Torhüter Jimmy Hertel macht jetzt gute Spiele. Er hat etwas länger gebraucht nach seiner Gehirnerschütterung. Auch Calvin Pokorny ist inzwischen einer der Top-Verteidiger geworden.

Es passt mit dem, was wir haben. Man soll uns also nicht unterstellen, dass wir den Aufstieg nicht auf dem Zettel haben. Es ist schon ein Ziel.

Sie haben kürzlich mal gesagt, wenn der DEL-Aufstieg gelingt, ist es gut. Es wäre aber auch kein Beinbruch, wenn man es in dieser Saison noch nicht schafft.

Wir können sagen, dass wir das, was uns möglich war, getan haben. Auch im Sinne unserer Sponsoren und unserer Fans. Ich bin sehr dankbar, dass uns unsere Sponsoren auch in dieser Saison wieder unterstützt haben. Auch wenn nicht alle immer alles leisten konnten, aber trotzdem waren sie dabei. Aber sparen haben wir gelernt, das können wir. Wir bereiten jetzt die Lizenzierung für die nächste Saison vor, das wird auch nicht einfacher, weil man Sponsorenverträge vorweisen muss und viele unserer Unterstützer noch nicht wissen, wohin die Reise geht. Aber auch da glaube ich an die Treue und Verbundenheit aus der Vergangenheit. Das nehmen wir mit rüber.

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