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VfB Stuttgart

Adrion will mehr junge Wilde sehen

Jahrelang hat Rainer Adrion talentierte Fußballer zu Profis geformt. Nun will der Remsecker sein Wissen als Aufsichtsrat des Fußball-Zweitligisten VfB Stuttgart einbringen. Die Nachwuchsförderung soll dabei sein Hauptthema werden.

Will dafür einstehen, dass sich mehr Talente beim VfB etablieren: Rainer Adrion.Foto: Baumann
Will dafür einstehen, dass sich mehr Talente beim VfB etablieren: Rainer Adrion. Foto: Baumann

Remseck. Rainer Adrion ist zurück im Fußballgeschäft. Der ehemalige Trainer will ab sofort als Aufsichtsrat des VfB Stuttgart die sportlichen Geschicke des Fußball-Zweitligisten begleiten. Auf Wunsch des neuen VfB-Präsidenten Claus Vogt wurde der 66-Jährige vor zwei Wochen von der Hauptversammlung der Profi-Fußball-AG in den Aufsichtsrat berufen.

„Grundsätzlich muss man die letzten Jahre analysieren. Da gab es viel Auf und Ab mit wenig Kontinuität, weder personell, noch was die Philosophie angeht“, sagt der Remsecker zur derzeitigen Lage des Vereins im Gespräch mit unserer Zeitung. Der ehemalige U 21-Nationaltrainer rückt als Nachfolger für Guido Buchwald in das Gremium und soll dort gemeinsam mit dem früheren VfB-Spieler Hermann Ohlicher für Sportkompetenz sorgen. Buchwald war vor knapp einem Jahr im Streit mit dem stellvertretenden Aufsichtsratschef und Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth zurückgetreten.

Bereits seit vergangenen Sommer war Adrion für eine mögliche Rolle beim VfB im Gespräch. Auf der später wegen des defekten WLAN abgebrochenen Jahreshauptversammlung hielt er eine vielbeachtete, kritische Rede. Wenige Monate später bezog er im Präsidentschaftswahlkampf öffentlich Partei für Vogt, der die Wahl dann auch für sich entschieden hat.

Derzeit ruht im Fußball wie in anderen Sportarten der Betrieb. Bisher gab es nur eine Telefonkonferenz, in der sich Adrion kurz mit dem Vorstand der VfB-Profifußball-AG und den Aufsichtsratsmitgliedern austauschen konnte. Ende April will er erstmals an einer der mindestens viermal jährlich stattfindenden Aufsichtsratssitzungen teilnehmen. „Die einzelnen Ressorts sollten aber regelmäßig untereinander und mit Verantwortlichen in Kontakt stehen“, betont Adrion, dessen Ansprechpartner neben Ohlicher vor allem Sportdirektor Sven Mislintat und Vorstandschef Thomas Hitzlsperger sein werden.

Nach seiner aktiven Spielerkarriere feierte Adrion als Trainer erste Erfolge mit 07 Ludwigsburg. Im Jahre 1991 führte er die Schwarz-Gelben ins Finale der deutschen Amateurmeisterschaft, wo Ludwigsburg den Amateuren von Werder Bremen unterlag. Als Co-Trainer von Joachim Löw gewann er 1997 mit dem VfB den DFB-Pokal, daraufhin entwickelte sich Adrion zum Nachwuchsexperten.

Talentförderung verbessern

Jahrelang trainierte er die zweite Mannschaft des VfB und formte spätere Nationalspieler wie Mario Gomez oder Sami Khedira zu Profis. Von 2009 bis 2013 war er U 21-Nationaltrainer, ehe er bis zu seinem Ruhestand 2016 beim VfB die Leitung für die U 17 bis U 23 übernahm. Die lange so erfolgreiche Jugendarbeit des VfB war für Adrion der Grund, sich einzubringen, wie er erklärt: „Überall, wo man mit Leuten über den VfB spricht, kommt das Thema auf die Vergangenheit mit den jungen Wilden. Das hat sich als Markenzeichen entwickelt, das aufleben zu lassen, war für mich die Motivation.“ Das ist gleichzeitig ein Bekenntnis zur zweiten Mannschaft, die derzeit in der Oberliga um den Aufstieg kämpft: „Zum Unterbau gehört die zweite Mannschaft. Wir müssen uns fragen, wie wir es schaffen, dass sich Talente beim VfB etablieren können. Das ist zuletzt nicht oft genug gelungen.“

Die aktuelle Unterbrechung des Sport- und Vereinslebens nutzt Adrion, um sich einzuarbeiten. Von Ligaverband und Fußballbund wünscht sich der ambitionierte Hobbygolfer eine baldige Entscheidung: „Für mich wäre es wichtig, grundsätzlich zu sagen, dass die Saison zu Ende gespielt wird, wann auch immer. Notfalls muss der Modus angepasst werden.“ Dabei hofft er auf eine einheitliche Linie: „Wenn man wieder spielen kann, geht das auch in der Oberliga.“ Eine staatliche Hilfe für professionelle Fußballclubs infolge der Coronakrise hält Adrion für nicht vermittelbar: „Da hat der Fußball eine Sonderstellung und muss selbst eine Lösung finden.“

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