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Fußball-Verbandsliga

Beim Fußball-Verbandsligisten VfB Neckarrems haben jetzt die Riefs das Sagen

Eine Ära ging am Wochenende bei Fußball-Verbandsligist VfB Neckarrems zu Ende: Nach fast 20 Jahren, davon die letzten 17 als Cheftrainer, wurde Markus Koch entlassen. Bis zum Sommer übernimmt ein Trio mit dem bisherigen Spieler Sebastian Rief als Spielertrainer an der Spitze. Ein verdienter Spieler bittet daraufhin um Vertragsauflösung.

Folgt beim abstiegsbedrohten Fußball-Verbandsligisten als Spielertrainer auf den langjährigen Coach Markus Koch: Sebastian Rief.Foto: Baumann
Folgt beim abstiegsbedrohten Fußball-Verbandsligisten als Spielertrainer auf den langjährigen Coach Markus Koch: Sebastian Rief.Foto: Baumann

Remseck. „Die Entwicklung war abzusehen und ich wusste, was kommt. Jetzt fühle ich mich regelrecht befreit“, gestand Markus Koch gestern im Gespräch nach seiner Entlassung beim Fußball-Verbandsligist VfB Neckarrems. 17 Jahre lang war er dort Cheftrainer gewesen. Am Freitag, also einen Tag vor Beginn der Rückrundenvorbereitung, habe ihn Vorstand Uwe Rief zum Gespräch gebeten, an dessen Ende seine Demission stand. Neben Koch müssen auch seine Assistenten Aleks Kostencevski und Karsten Hönle gehen, der langjährige Sportliche Leiter Gert Ranzinger war schon vor Weihnachten seiner Funktionen enthoben worden.

Wortkarger Vereinsvorstand

Vorstand Rief zeigte sich auf Nachfrage wortkarg: „Als Verein macht man sich seine Gedanken und will sich weiterentwickeln“, sagt er nur und verwies auf eine am gestrigen Nachmittag veröffentlichte Stellungnahme des Vereins.

Substanzielles zum Warum und Wieso findet sich aber in dieser auch nicht: Man habe „im Sinne des Vereins letztlich zu diesem Zeitpunkt die Entscheidung in dieser Form treffen“ müssen. „Im Hinblick auf die bevorstehende Rückrunde, sind die Verantwortlichen des VfB Neckarrems-Fußball zu dem Ergebnis gekommen, dass man zur nächsten Saison 2022/2023 eine Veränderung im Trainerteam vornehmen möchte. In Gesprächen mit Markus Koch verständigte man sich darauf, dass dies bereits jetzt vollzogen werden soll“, heißt es dort nur, neben einer knappen Würdigung von Kochs Verdiensten.

Der Geschasste selbst will auch im Hinblick auf Vertragsaspekte nichts zu den Gründen sagen, der ehemalige Sportliche Leiter Ranzinger jedoch schon: „Als Uwe Rief zum Verein kam, wurde er mit offenen Armen empfangen, denn wir suchten händeringend nach Verstärkung im Vorstand. Inzwischen hat er alle, die nicht auf seiner Linie liegen, entmachtet“, sagt er.

Scharfe Kritik kommt auch vom bisherigen Mannschaftskapitän der Neckarremser, Micha-Colin Läubin: „In meinen Augen handelt es sich um eine bewusste Ausbootung des Trainerteams und auch den gewachsenen Strukturen im Verein. Ich kann mich damit nicht mehr identifizieren und habe um die Auflösung meines Vertrags gebeten“, sagt der letzte Verbliebene aus dem Team, dem unter Koch einst der Durchmarsch von der Landes- bis in die Oberliga gelang.

Klassenverbleib in weiter Ferne

Das Himmelfahrtskommando, den VfB in der Rückrunde aus abgeschlagener Position heraus noch zum Klassenerhalt zu führen, übernimmt nun ein Trio: Dem zum Spielertrainer aufrückenden Sebastian Rief, Sohn des Vorstands, stehen dabei Athletikcoach Daniele Sica und der Ex-Löchgauer Markus Brasch als Torwarttrainer zur Seite.

Dies sei eine „Interimslösung bis zum Sommer, eventuell kommt noch jemand hinzu“, erklärt Rief junior und weist die unter der Hand im VfB-Umfeld zu hörende Sichtweise, da habe der Papa dem Sohnemann eine Trainerstelle freigeräumt, deutlich zurück: „Ich mache das jetzt, um dem Verein zu helfen, sehe mich aber noch ein paar Jahre als Spieler“, betont der 30-jährige, der den Klassenerhalt in der Verbandsliga trotz neun Punkten Rückstand noch nicht aufgegeben hat: „Auf keinen Fall, dafür werde ich alles versuchen“, bekräftigt er.

Markus Koch, der den kleinen Dorfverein VfB Neckarrems überhaupt erst auf die württembergische Fußballlandkarte hievte, wird es aus der Entfernung mit Sicherheit verfolgen. „Ich hatte eine Superzeit in Rems, die ich zuerst einmal Revue passieren lassen werden. Ab dem Sommer will ich aber wieder als Trainer arbeiten und dann beginnt hoffentlich eine neue Superzeit“, schaut er zuversichtlich nach vorne.

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