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Bewährungsstrafe fürAttacke auf Schiedsrichter

Nach der Attacke auf den Unparteiischen einer Kreisliga-Begegnung in Grünbühl werden ein Haupttäter und zwei Mitangeklagte verurteilt

Ludwigsburg. Im Strafprozess gegen den verprügelten Schiedsrichter beim Fußball-Kreisliga-Spiel am 14. Mai 2017 zwischen dem TSV Grünbühl und dem FC Dersim Sport Ludwigsburg (die LKZ berichtete) sind am gestrigen Nachmittag die Urteile gefallen. Als „Haupttäter und Hauptaggressor“ stufte Richterin Julia Brenner einen Zuschauer des FC Dersim ein. Er wurde zu einem Jahr und sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und zur Leistung von 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Die Mitangeklagten, ein Dersim-Spieler und der Ersatztorwart, bekamen jeweils acht Monate auf Bewährung. Alle drei Verurteilten müssen dem Schiedsrichter außerdem jeweils 1000 Euro Schadenwiedergutmachung bezahlen.

Bei dem Zuschauer, über den ein Zeuge sagte, er sei Dersim-Betreuer, sah es das Gericht als erwiesen an, dass dieser bei den Ausschreitungen auf dem Grünbühler Sportplatz an den Ordnern vorbeigesprungen sei und dem Schiri die Faust ins Gesicht geschlagen habe.

Seinen Mitangeklagten konnten keine Schläge nachgewiesen werden, aber für die Verurteilungen wegen gemeinschaftlicher, gefährlicher Körperverletzung reichte es laut Richterin aus, dass die beiden vorne dabei gewesen seien und immer wieder versuchten, zu dem 43-jährigen Schiedsrichter durchzudringen. Durch einen der Schläge wurde ihm der Backenzahn herausgeprügelt. Darüber hinaus erlitt der Unparteiische bei der Treibjagd Gesichtsprellungen und ein blaues Auge.

Den Haupttäter erkannte der Schiedsrichter im Gerichtssaal und sagte: „Dieses Gesicht werde ich in meinem Leben nicht mehr vergessen.“ Bei dem Spieler und dem Ersatztorwart gab es Schwierigkeiten mit der Identifizierung. Sie waren auch auf einem Video, nicht beim Zuschlagen zu sehen. Allein der Schiedsrichter meinte, den Schläger an dessen Spielernummer erkannt zu haben. Das reichte nicht für einen vollen Schuldspruch.

Als der Schiedsrichter in der 66. Minute nach einer Gelb-Roten Karte aus Furcht vor Übergriffen das Spiel abbrach, stürmten nicht nur Dersim-Spieler, sondern auch deren Fans auf ihn los. Die Ordner versuchten, den Schiedsrichter zu schützen. Fäuste trafen den Schiri trotzdem. „Der Schiedsrichter war in Todesangst“, sagte Richterin Julia Brenner bei der Urteilsbegründung. Brenner sprach von einer „Masse“ von mindestens 40 Menschen, von der ein großes Gefährdungspotenzial ausgegangen sei und die Angst verbreitet habe. Manche Zeugen hätten auch von 100 Leuten gesprochen. Unter den auf das Fußballfeld stürmenden Zuschauern seien auch zwei mit einer Flasche und mit einem abgebrochenen Ast gewesen.

Schon vor der Eskalation hatte sich der Unparteiische bedrängt gefühlt. Zunächst nur verbal.

Die drei Angeklagten bestritten von Anfang bis Ende des Prozesses, dem Schiedsrichter etwas getan zu haben und wurden auch von Zeugen aus ihrem eigenen Lager gedeckt. Auffällig bei der Beweisaufnahme war, dass sich nach einer Zeugenaussage viele der Fußballspieler schon von Kindheit an kennen würden. Vor Gericht aber, wollte keiner mehr etwas mit dem anderen zu tun haben. Zeugen, die angeblich Videos mit ihren Mobiltelefonen gemacht hatten, wollten plötzlich keines mehr besitzen.