Dortmund/Ludwigsburg. Samet Akaydin ist ein armer Tropf. Der Boulevard bezeichnet seinen Fauxpas gegen Portugal zum 0:2 als „Das dümmste Eigentor der EM“. Gefühlt ganz Fußball-Europa lacht nun über ihn. Ich kann wohl am besten die Scham des türkischen Innenverteidigers nachempfinden. Denn dasselbe Malheur ist mir einst als Jugendkicker auch passiert. In einem C-Jugend-Duell spielte ich, damals noch ein flinker Linksverteidiger, den Ball ähnlich unbedrängt und nichts Böses ahnend zurück. Unser damaliger Torhüter Marc Nicolai Schlecht – der später übrigens Profi wurde und heute ein renommierter Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Mitglied im VfB-Vereinsbeirat ist – war aber schon auf dem Weg nach draußen. Zum Entsetzen von „Nici“ und aller Teamkollegen trudelte die Kugel am Keeper vorbei ins Netz. Dumm gelaufen und Slapstick pur. Ich kann mich auch noch gut an den Einlauf meines Trainers erinnern. „Rückpässe immer neben das Tor spielen“, bläute er mir übelgelaunt ein. „Das solltest du eigentlich inzwischen wissen!“ Nun, gut 35 Jahre später, fühle ich mich rehabilitiert ... wenn selbst einem Nationalspieler bei einer EM so ein irrwitziges Eigentor unterläuft. Also: Kopf hoch, lieber Samet! Auch wenn du dieses Eigentor sicher dein ganzes Leben lang nicht mehr vergessen wirst. So wie ich meines.

