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Fußball-Bundesliga

Die Sorgen um den VfB wachsen

Nach der 0:3-Schlappe des VfB Stuttgart gegen Eintracht Frankfurt ist die Enttäuschung bei allen Beteiligten des Fußball-Bundesligisten groß. Viele Fragen sich: Wie soll das besser werden?

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Frustriert: Auch Mario Gomez kann derzeit keine Akzente setzen. Foto: bm

Stuttgart. Die meisten Spieler des VfB Stuttgart verließen am späten Freitagabend wortlos die Mercedes-Benz-Arena. Den Kopf gesenkt, die schwarze Wollmütze mit dem Vereinsemblem tief ins Gesicht gezogen. Die erschreckend deutliche 0:3-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt vergrößerte den Frust beim Fußball-Bundesligisten weiter.

Im Raum stand die Frage nach dem Warum. Als Michael Reschke den Kader über den Sommer für schätzungsweise 35 Millionen Euro verstärkt hatte und die Vorbereitung beim Vorjahressiebten gut lief, machte sich Euphorie breit. Nach dem Pokal-Aus bei Drittligist Rostock und dem verpatzten Saisonstart unter Ex-Trainer Tayfun Korkut verflog das Hochgefühl allerdings schnell. Und spätestens seit Freitag herrscht tiefe Depression bei allen, die den VfB siegen sehen wollen.

Das 0:3 gegen den amtierenden Pokalsieger war nach den beiden 0:4-Niederlagen gegen Borussia Dortmund und 1899 Hoffenheim die dritte Pleite unter dem neuen Trainer Markus Weinzierl. Erneut erzielten die Stuttgarter keinen Treffer. Klar, Mario Gomez hätte die Schwaben in der Anfangsphase mit einem Kopfball in Führung bringen können, aber ansonsten? „In der Summe bleibt da nichts Positives übrig“, sagte Weinzierl.

Der Coach bestätigte zwar den Verdacht, dass es dem Team an körperlicher Fitness mangele, ließ das jedoch nicht als Ausrede gelten. „Die Mannschaft hat kein Selbstvertrauen, das ist offensichtlich. Dass Sie natürlich Luft nach oben hat im physischen Bereich, das haben wir auch beobachtet, aber das war heute nicht der entscheidende Punkt.“

Auch Christian Gentner wollte davon nichts wissen: „Ich habe körperlich ein gutes Gefühl. Unter anderem gegen Bremen haben wir es gezeigt, dass wir marschieren können. Ich glaube nicht, dass die Fitness das Problem ist.“ Das 2:1 gegen Bremen war der bisher einzige Saisonsieg.

Reschke im Zentrum der Kritik

Sportvorstand Michael Reschke gerät deshalb ins Zentrum der Kritik. Nicht nur die hohen Ausgaben für Neuzugänge, die bisher nicht ihre Wirkung entfaltet haben, sind problematisch. Auch von den vorgesehenen Säulen der Mannschaft, den erfahrenen Spielern wie Gentner, Mario Gomez oder Holger Badstuber, war am Freitag nichts zu sehen. Stattdessen zeigte sich ein völlig verunsichertes, führungsloses Gebilde, das bereits nach etwas mehr als einer halben Stunde mit 0:2 zurücklag und sich zu keiner Zeit glaubhaft aufbäumte. „Zunächst mal glaube ich, dass der Kader definitiv reichen wird, um die Klasse zu halten. Es gilt, bis Weihnachten Punkte zu sammeln“, sagte Reschke.

Doch nach fünf Punkten aus zehn Spielen und dem blutleeren Auftritt gegen Frankfurt gibt es daran berechtigte Zweifel. Reschke ist sich seiner Rolle bewusst. Aber selbst ein Wechsel der sportlichen Leitung würde sich kurzfristig kaum auf die Leistung der Mannschaft auswirken. Zumal Reschke vom Vereinspräsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden der Profifußball-AG Wolfgang Dietrich verpflichtet wurde – nach der überraschenden Trennung von Jan Schindelmeiser.

Das Schicksal von Reschke ist also eng mit dem Dietrichs verknüpft. „Die Verantwortung nach so einer Bilanz ist zum großen Teil auch bei mir. Das gräbt, aber nichtsdestotrotz: Wir haben noch 24 Spiele, in denen wir die Möglichkeit haben, die Klasse zu halten“, betonte Reschke.

Ein wichtiges Duell im Kampf um den Ligaverbleib findet am Samstag statt, wenn der VfB beim Aufsteiger 1. FC Nürnberg antritt. Sollten die Schwaben auch diesen Vergleich verlieren, wird es noch ungemütlicher am Wasen. Den Rückhalt der Fans haben Mannschaft und Verantwortliche bereits verloren.

In der zweiten Hälfte gingen Tausende Anhänger in der Cannstatter Kurve auf maximale Distanz, als sie dem Spielfeld den Rücken zukehrten. Zudem gab es nach Spielende ein lautes Pfeifkonzert. „Dass der Unmut bei den Fans groß ist, das ist ja wohl völlig nachvollziehbar“, sagte Kapitän Gentner. „Die haben uns die letzten Wochen und Monate hervorragend unterstützt. Dass wir uns da einen Riesenbonus verspielt haben, ist uns bewusst. Die Fans sind auch in großer Sorge.“